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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-07 · Heft 45 (7.11.1889) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 45 (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
Seite 714 (sequence 14)
Language
German
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714 tinischen Republik hat ihrem diplomatischen Agenten in Paris den Auftrag gegeben, den russischen Juden Erleichterung bei der Auswanderung zu verschaffen: mehrere Tausend Juden, welche den Befehl erhalten haben, Bessarabien zu verlassen, haben diese Anerbietungen der argentinischen Republik erhalten. Man zeigt die Ankunft in Buenos Ayres von einem ersten Zuge von 863 israelitischer russischer Emigranten an, welche nach Sunchaläs (Eisenbahnlinie von Rosario) dirigirt sind, um sich dem Ackerbau zu widmen. Der Argentinische Bund gebraucht Menschen zur Arbeit; ungeheure unbebaute Terraingebiete erwarten Arbeiterzüge und die Regierung dieses Landes ist bereit, öeonomische Jrrthümer und fanatische Vorurtheile zu benutzen, welche in Rußland herrschen, um auf ihrem Boden eine fleißige, unternehmende, gut beanlagte Bevölkerung heranzuziehen, aus der die Vereinigten Staaten Nordamerikas schon ihren Nutzen gezogen. Um einen immer größeren Zufluß dieser Emigration in die argentinischen Staaten herbeizuführen, spart die einsichtsvolle Regierung, welche sie leitet, keine Beweise der Aufmerksamkeit, noch Zeichen der Sympathie: man liest in der That in einem Briefe, der an Herrn A. Hassan in London von seinem Sohne, I. D. Hassan, Präsidenten der israelitischen Gemeinde von Buenos-Ayres, gerichtet und unserem Londoner Collegen, dem Jew. Chron. mitgetheilt worden, Folgendes: Meine Zeit war in den letzten vierzehn Tagen sehr in Anspruch genommen durch die Maßnahmen, welche die Ankunft eines bedeutenden Zuges jüdisch-russischer Emigranten erforderte. Sie weigerten sich, das Fleisch zu essen, das im Hotel des Emigrants zubereitet worden, weil es nicht streng koscher war. — Ich begab mich mit unserem Präsidenten zu dem Chef der Municipalität und fand eine günstige Aufnahme bei ihm. Er gab dem Proveedor (Oeconom) den Befehl, diesen armen Leuten lebendiges Vieh zu geben und ihnen zu gestatten, es nach ihrer Weise zu schlachten, und den Köchen des Hotels befahl er, einen besonderen Brasero (Ofen) zu ihrer Verfügung zu stellen. Da diese Emigranten ihren Schächter mit sich führten, ging Alles ganz leicht, da die Frauen das Fleisch wuschen und salzten. Es war zum ersten Male, daß man koscher Fleisch in Buenos-Ayres sah. Dank den wohlthätigen Bemühungen zweier unserer Damen, der Damen Josephs und Fukes, wurde eine Sammlung veranstaltet, welche mehr als 5000 Francs ergab für Kleidung, Ernährung u. s. w. Die jüdischen Emigranten sind jetzt in Sunchales installirt, und ich zweifle nicht, daß, wenn man erst durch ihre Briefe an ihre Eltern und Freunde in Rußland erfahren hat, welch' guten Empfang sie hier gefunden, sowohl von uns wie seitens unserer Regierung, so werden Tausende ihnen Nachfolgen. Die Regierung hat für sie gethan, was sie niemals für irgend eine andere Categorie Auswanderer gethan: diese Thatsache beweist, daß es in diesem Lande kein Vorurtheil gegen die Juden giebt. Bonn, 3. Nov. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Herr Dr. Steinschneider gedenkt mit Rücksicht auf sein Alter die Leitung der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde niederzulegen und ist um seine Pensionirung zum 1. April k. I. eingekommen. — Sieben jüdische Familien aus Bessarabien, 51 Köpfe stark, welche von einem gewissenlosen russischen Auswanderungs-Agenten nach Berlin verschleppt und dann hilf- und mittellos im Stich gelassen worden waren, haben hier seit 7 Wochen auf Kosten eines Wohlthaters, der nicht genannt sein will, im städtischen Asyl an der Prenzlauer Allee Aufnahme gefunden. Tie Weiterbeförderung soll in einigen Tagen erfolgen. — Der Lehrer David Feld heim in Groß-Becökerek feierte den 20. d. M. sein 40jähriges Jubiläum. — Der Magyar Falvaer Rabbiner wurde vom Preßburger Gerichtshof zu sechs Monaten Kerker verurtheilt, weil er ein Paar ohne vorhergegangene Verkündigung getraut hat. I e u i t t e f o n. Vermischtes. Graf von Schack über hebräische Poesie.! i In den unter dem Titel „Pandora" soeben erschienenen, „Vermischten Schriften von Adolf Friedrich Graf von Schack (Stuttgart, Verlags-Anstalt 1890)" behandelt der Vers, die Frage, ob es für die Entwicklung der Poesie einer Nation nützlicher sei, wenn sie von keiner anderen beeinflußt werde, oder im Gegentheil durch die Bekanntschaft mit der poetischen Literatur anderer Nationen sich heranbilde. Für den ersten Fall führt Schack die indische, die hebräische und die griechische Poesie an, während die arabische zu ihrem großen Nachtheil einseitig und arm blieb, weil sie von außen her nicht befruchtet wurde. Ueber die hebräische Poesie äußert sich hierbei der, namentlich in den orientalischen Literaturen sehr bewanderte Graf folgendermaßen: „Ebenso ganz aus sich selbst hat sich die Dichtkunst der Hebräer entwickelt; sie hat eine einseitige, jedoch erstaunliche Höhe erreicht, und nach Allem, was seitdem hervorgebracht worden, bleibt doch das Buch Hiob, sowie Manches in den Psalmen und Büchern der Pro-

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