Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1889)
- Date
- 1889-10-31
- Page
- Seite 699 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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699 II. In einklassigen Schulen ist zu empfehlen, daß der Unterricht in der hebräischen Grammatik nicht als besonderer Gegenstand behandelt, sondern mit dem Uebersetzen verbunden werde. III. Die Einübung der in möglichster Kürze zu gebenden Regeln ist durch zahlreiche Beispiele aus dem Uebersetzungsstoffe zu unterstützen. — Herr Landrabbiner Dr. Buchholz erstattete nun als Vorsitzender des „Vereins zur Unterbringung armer Waisenkinder im Landrabbinatsbezirk Emden" Bericht über denselben. Es geht daraus hervvr, daß ein Vermögensbestand von 1246 M. vorhanden ist. Der Herr Referent bittet die Versammlung, mit allen Kräften für den Verein zu wirken und das Vermögen desselben vergrößern zu helfen. Es traten gleich von den Anwesenden noch mehrere als Mitglieder bei. Darauf wurden folgende Anträge angenommen.- 1. Der Jahresbericht nebst den Statuten sollen gedruckt und versendet werden. 2. Die Gründung von „Zweigvereinen" unter dem Namen crq-n' ist in den einzelnen Gemeinden unseres Landrabbinatsbezirks anzustreben. 3. Die Aufstellung von Büchsen in den Synagogen desselben Bezirks soll zu gleichem Zwecke erfolgen. Hiermit war die Tagesordnung bis auf die freien Besprechungen erledigt. Bei diesen bemerkt Levy-Norden, die angehenden Lehrer haben meistens gar keine oder doch sehr mangelhafte Kenntnisse der für das Schulwesen bestehenden Bestimmungen, insbesondere der zu führenden Listen, Tabellen, Lehrpläne re. und hinsichtlich ihres amtlichen Verkehrs mit den Vorgesetzten. Anwesende junge Collegen bestätigten diese Ausführungen. Man war daher der Ansicht, es sei in erster Linie Aufgabe der jüdischen Seminare, die Abiturienten nach dieser Seite hin zu unterweisen. Daß dies bisher unterblieb, ist bedauerlich. Herr Landrabbiner Dr. Buchholz las nun einige Mittheilungen der Königlichen Regierungen zu Aurich und Osnabrück, empfohlene Schulbücher betr., vor. — Als Ort der nächsten Conferenz wurde wieder Emden und als Tage der 1. und 2. Juli 1890 in Aussicht genommen. Herr Dr. Buchholz erbietet sich, die Fortsetzung seines im vorigen Jahre mit großem Beifall begonnenen Vortrages über „die historische Entwickelung des Jugendunterrichts nach Bibel und Talmud" zu liefern und Levy Norden übernimmt die Behandlung eines poetischen Lesestückes mit Lehrprobe. Bei der Vorstandswahl wurden die Herren Levy-Norden und de Vries-Weener, ersterer als Vorsitzender, letzterer als dessen Stellvertreter wieder- und der Unterzeichnete als Schriftführer neu gewählt. Sämmtliche Herren nahmen die Wahl dankend an. Nach den üblichen Schlußformen vereinigte ein gemüthliches Mahl die Conferenzmitglieder, die mit dem Wunsche frohen Wiedersehens von einander schieden. _ F. Israel. Vermischtes. Mirabeau über die Juden. Im Jahre 1787 zu London, 1788 zu Berlin und Stettin erschien die Schrift des bald darauf so berühmten Grafen Mirabeau über Moses Mendelssohn und die politische Reform der Juden in französischer Sprache und deutscher Uebersetzung. Ihre Wirkung, namentlich in Frankreich, war von hoher Bedeutung und bereitete die Geister auf die wenige Jahre darauf erfolgte völlige Emancipation der Juden vor. Die Arbeit Mirabeau's schloß sich zunächst an das bekannte Werk Dohm's „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden," zwei Theile, Berlin und Stettin 1781 und 1783 an. Bei einem früheren Aufenthalte Mirabeau's in Berlin war er mit Dohm in vielfachem Verkehr. Je wichtiger das Eintreten Mirabeau's für die Juden war, und je größer unser Interesse an der Entwickelung sein muß, welche unsere Angelegenheit und deren allmählich herbeigeführte Wandelung sein muß, desto willkommener sind uns einige Notizen über Mirabeau's Schrift, welche in einer größeren Abhandlung „Mirabeau in Berlin" von Alfred Stern in Nr. 23 der „Rundschau" enthalten sind. Auch das kleine Buch „über Moses Mendelssohn und die politische Reform der Juden", das er sich anschickte, in Druck zu geben, bedurfte der Beihülfe Mauvillon's i). Der Plan, dieser Sache seine Feder zu widmen, war nicht neu. Er kam zur Reife, als man erfuhr, daß die Juden sich mit der Hoffnung trugen, aus Friedrich Wilhelms Hand längst ersehnte Erleichterungen zu empfangen. Wenn der König in seiner Instruction für das Generaldirectorium demselben angelegentlich empfahl, mit Nachdruck darauf zu halten, daß die ohnedem schon gedrückte jüdische Nation, so weit es möglich, soulagiret und von dem Generalfiskal nicht so greulich gequält werde," so hatte Mirabeau in seiner großen Denkschrift an den König Gewährung „voller bürgerlicher Freiheit" für die Juden gefordert. Seine neue Arbeit verfolgte den practischen Zweck, diese Forderung näher zu begründen, und die „so greulich Gequälten" in ihrem Kampfe zu unterstützen. Daneben aber bot sich ihm Gelegenheit, seine Landsleute mit dem Leben und der Wirksamkeit Moses Mendelssohn's bekannt zu machen, bei Erwähnung von Mendelssohn s Beziehungen zu Bonnet und Lavater gegen diesen wieder einen Streich zu führen, den Vertheidigern, die für den Züricher Propheten aufgetreten waren, die Zähne zu zeigen, 1) Mauvillion war Major in braunschweigischen Diensten, ein vertrauter Freund Mirabeau's, dem er in allen Stücken hülsreiche Hand bot.