Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1889)
- Date
- 1889-10-31
- Page
- Seite 697 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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697 hob, daß gerade das jüngste Vereinsjahr von hoher Bedeutung für das jüdische Elementarschulwesen unserer Provinz war. Dankbarst wurde des Wohlwollens unserer Königl. Staatsregierung für dasselbe gedacht, welche nämlich die Wohlthat des Schullastengesetzes auch unfern Elementarschulen zukommen läßt. Es sei dieses, so bemerkte er, nicht nur ein Segen für unsere Gemeinden, sondern auch für Schule und Lehrer; für jene insofern, als der Fortbestand mancher Schule dadurch gesichert für diese, weil hier und da wahrscheinlich eine Gehaltsaufbesserung erfolgt oder doch die definitive Anstellung in kleinen Gemeinden leichter erreichbar geworden sei. Nicht minder erfreulich war die Mittheilung über unsere Dienstalterszulage, über welche eine Ministerialverfügung vom 1. Juli d. I. bestimmt, daß den für das Lehramt in Volksschulen geprüften, an jüdischen Volksschulen definitiv angestellten Lehrern auch staatliche Dienstalterszulagen unter Anrechnung derjenigen, welche aus provinzialständischen, für das jüdische Synagogen- und Schulwesen ausgesetzten Mitteln zu Theil werden, gewährt werden können. Im Anschluß daran hob der Bericht aus den Verhandlungen der diesjährigen Konferenz unseres Hauptvereins die Wahl einer Kommission zur Durchführung der Gleichstellung in der Alterszulage und die Verhandlung über unseren vorjährigen Antrag hervor und gedachte dankbarst des Zuschusses vom D. J.-G.-B. für unsere diesjährige Konferenz. Der Bericht schloß mit dem Hinweis auf die Veränderung in der Mitgliederzahl im entschwundenen und mit den besten Wünschen für die Arbeit im neuen Vereinsjahre. Die Rechnungsablage ergab ein Defizit von 12 Mk. 44 Pf., welches durch diesjährigen Beitrag beglichen wird. Nachdem der als Gast anwesende Gemeindevorsteher Herr I. Pels-Emden die Versammlung begrüßt und der Vorsitzende ihm namens des Vereins dafür gedankt hatte, erhielt Herr Schweitzer-Papenburg das Wort zu seinem Referate. Das Thema desselben lautete: „Die fördernde Wirksamkeit des isr. Lehrers auf die Erwachsenen in der Gemeinde." Der Referent hob in der Einleitung hervor, wie nothwendig in unserer Zeit die Weiterbildung und wie hierzu gerade der Lehrer berufen sei. Seine Thätigkeit hierbei habe sich auf zwei Momente zu richten, nämlich 1) auf Entwickelung und Befestigung in der Gesetzeslehre und 2) auf allgemeine wissenschaftliche Bildung. - Im ersten Theile will Referent die Wochenabschnitte fruchtbringend gemacht wissen; nicht minder will er aber die Erwachsenen neben Mischna und Gemara auch mit den bedeutenden Werken der späteren jüdischen Literatur, z. B. denen eines Sadjah, Maimonides u. s. w., einschließlich Pijutim, bekannt machen. Auch Bilder der jüdischen Geschichte sollen nicht fehlen. Er ist sich der großen Anforderung wohl bewußt, glaubt aber zugleich, bei gutem Willen sei die Verwirklichung seiner Ideen durchführbar. Jni zweiten Theile verlangt Referent Einführung in die deutsche klassische Literatur, wobei insbesondere dramatische Werke unserer großen deutschen Dichter berücksichtigt werden sollen. Es seien zur Erreichung seiner Pläne freie Zusammenkünfte anzustreben. — Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine umfangreiche, fleißige Arbeit und eröffnete darüber die Debatte. Diese war eine sehr lebhafte, langdauernde. — Herr Apt-Emden vermißt in dem Vortrage, wie gerade das Vorbild des Lehrers für die Erwachsenen bildend sei. Selig-Emden konnte sich nicht überzeugen, in welcher Weise der Referent seinen Lehrstoff an den Mann bringen will. Israel-Norden ist der Ansicht, daß Herr Schweitzer sich nur in Idealen bewege. In der Praxis sei angesichts unserer Zeitströmung und der vielen sonstigen Obliegenheiten des jüdischen Lehrers der ganze Arbeitsplan undurchführbar. Dem gegenüber nahm Herr Landrabbiner Dr. Buchholz den Referenten insofern in Schutz, als er die Begeisterung für die Thora als Hauptaufgabe des Lehrers machte; bei gutem Willen sei wohl einiges zu erreichen. Levy-Norden hält die Predigt, über welche der Referent ganz geschwiegen habe, für ein Hauptmittel der religiösen Fortbildung unserer Gemeindemitglieder und freut sich, daß in den Synagogen unserer Provinz gottesdienstliche Vorträge obligatorisch seien. — Der Referent wies in seinem Schlußworte darauf hin, er habe die Predigt mit Absicht weggelassen, weil der Lehrer zu derselben verpflichtet fei. — Ebenso sei der Punkt über Vorbild des Lehrers übergangen, weil es sich von selbst verstehe, daß der Lehrer mit gutem Beispiele vorangehe.1— Schließlich formte die Konferenz die Thesen des Referenten in folgender Weise: Der Lehrer soll bestrebt sein, sowohl auf die Religiosität, als auch auf die allgemeine Bildung der Erwachsenen fördernd einzuwirken, indem er sein Augenmerk richtet: 1) auf Erweiterung des Wissens in der jüdischen Lehre und Geschichte; 2) auf Erweiterung des allgemeinen Wissens, insbesondere der klassischen Literatur. Hiermit waren die Verhandlungen des ersten Tages, welche nur zur gemeinsamen Verrichtung des Minchagebets unterbrochen waren, gegen 71/2 Uhr Abends beendet und wurde der übrige Theil des Abends nach dem Essen dem gemüthlichen Beisammensein gewidmet. Die zweite Sitzung begann am 11. Morgens um 8V2 Uhr mit dem Referate des Herrn Selig-Emden über das Thema: „Der Unterricht in der hebräischen Grammatik in der einklassigen Volks- resp. Religionsschule", — eine wohldurchdachte Arbeit, welche der Vorsitzende in seinem Danke für den Referenten als „aus der Praxis der Schule hervorgegangen" bezeichnen konnte. In der Einleitung gedachte der Redner der Einwirkung unserer Lehrervereine auf die Verbesserung der Methode in den einzelnen religiösen Disciplinen, und es sei dies zu