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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-31 · Heft 44 (31.10.1889) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 44 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
Seite 696 (sequence 12)
Language
German
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696 dem Leser dieses Lob unserer Glaubensbrüder aus dem Munde ihres Rabbiners einige Zweifel erregen sollte, so berufe ich mich noch einmal auf das angeführte Blatt, welches diese Rede ausführlich mittheilt und die darin ausgesprochenen Ansichten als durchaus richtig bestätigt. Die Gemeinde will nun noch am Westende der Synagoge ein Gemeinde- und Schulhaus errichten. Möge sie so in warmer Liebe zur Religion der Väter immerfort bestehen und blühen! Marokko. Tanger, 8. October. Der Sultan hat sich auf seiner Reise durch das nordwestliche Gebiet feines Reiches von Tetuan nach Tanger begeben, wo er gleichfalls mit großem Gepränge und kostbaren Geschenken empfangen wurde. Auch hier hat er sich gegen seine israelitischen Unterthanen huldvoll geäußert, und ein Correspondent der „Franks. Ztg." läßt sich hierüber folgendermaßen aus: „Das gleiche Wohlwollen, welches der Sultan in Tanger den Spaniern gezeigt, hat er auch den dort lebenden Israeliten erwiesen. Diese, früher der Gegenstand fortgesetzter Verfolgungen und Erpressungen durch die marokkanischen Machthaber, erfreuen sich unter der Herrschaft Muley Hassan's jetzt nicht nur einer fast absoluten Sicherheit der Person und des Besitzes, sondern auch eines immer wachsenden Ansehens und Vertrauens bei der Regierung. Der glänzende Empfang, der dem Sultan in Tetuan, wie in Tanger zu Theil wurde, ist zum weitaus größten Theil aus der Initiative der dort resrdirenden Juden entsprungen; allein in Tanger giebt es deren über 15,000. Sie sind heute des Scherifs getreueste Unterthanen und ihre Freundschaft ist, da in Marokko sie allein vermittelnd zwischen der Cultur des Orients und des Occidents stehen, — ihre Muttersprache ist gleichzeitig spanisch und arabisch, ihre Sitten, Gesetze und Gewohnheiten halten die Mitte zwischen denen dieser beiden Völker — da sie außerdem Handel und Verkehr und zumal das Geldgeschäft fast unbedingt beherrschen, für den Sultan, wenn dieser sich wirklich mit Reform-Ideen trägt, unschätzbar. Von der Bedeutung der jüdischen Gemeinde in Tanger mag noch der äußere Umstand Zeugniß oblegen, daß nahezu alle besseren Gebäude der Stadt von ihnen erbaut worden sind und daß sie, im Besitz von drei Synagogen, außerdem über eigene Schulen und Hospitäler verfügen." Bonn, 27. Oct. (Notizen.) Die „Post" schreibt aus Berlin: „Sanitätsrath vr. Neumann, einer der ältesten und angesehensten Aerzte Berlins, feierte am 22. October seinen 70. Geburtstag, vr. Neumann praktizirt in Berlin seit 1845; er hat sich um die öffentliche Gesundheitspflege in Berlin hervorragende Verdienste erworben. Die städtische Armenkrankenpflege ist zum großen Theile auf seine Anregung hin organisirt worden. Von seinen zahlreichen, zur medizinischen Statistik und Hygiene geschriebenen Broschüren und Aufsätzen erwähnen wir die wichtigsten: „Die Krankenanstalten im preußischen Staate", „das Sterblichkeitsverhältniß in der Berliner Arbeiterbevölkerung", die „Bevölkerungsdichtigkeit und Wohnungsverhältnisse im Preußischen Staat", „Die Berliner Volkszählung von 1861 und 1864" u. A. Seit einer langen Reihe von Jahren gehört vr. Neumann auch der Berliner Stadtverordnetenversammlung an, in der er neben Virchow am meisten für die Einführung der bekannten sanitären Maßregeln in Berlin gewirkt hat. vr. Neumann stammt aus Pommern. Er hat in Berlin und Halle studirt und ist am letzteren Ort 1842 promovirt worden." Herr Sanitätsrath Neumann war mit derselben Wärme, demselben Eifer auch für seine Glaubensgenossen thätig. So trat er den lügenhaften Behauptungen und statistischen Verdrehungen der Antisemiten über „Die Juden im Verbrecherthum" in trefflichen Streitschriften entgegen und widerlegte sie durch unverfälschte Statistik. Er ist Vicevorsitzender des Curatoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, desgleichen Mitglied des Centralcomitss All. isr. univ. Möge dem verehrten, verdienstvollen Manne ein langer, ungetrübter Lebensabend werden! — Der Lehrer Schloß in Spei er ist nach mehr als fünfzigjähriger segensreicher Lehrthätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Möge er diesen noch recht lange genießen! — Aus Pest wird uns geschrieben: Die hiesige autonome orthodoxe Gemeinde hat den Rabbiner Jakob Tannenbaum aus Putnok zum Rabbiner gewählt. Ij e u i i l c t o tt. Gericht über die fünfte Konferenz des Vereins der israelitischen Lehrer «nd Kultusbeamten des Landrabbinats Emden. Norden, im Oktober. Zu der am 10. und 11. September zu Emden stattgehabten Konferenz waren außer dem Ehrenmitgliede, Herrn Landrabbiner vr. Buchholz-Emden, 16 Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende Levy-Norden begrüßte die Versammlung mit einem herzlichen Willkommen, stellte derselben die zum ersten Male erschienenen Kollegen vor und erstattete dann einen ausführlichen Jahresbericht, in welchem er hervor-

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