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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-24 · Heft 43 (24.10.1889) · p. Seite 681

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 43 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
Seite 681 (sequence 13)
Language
German
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681 Ehre halten, ihn nur zu verlassen, wenn das Comits uns abberuft. Pest, den 13. Oktober. Das neue israelitische Krankenhaus in Pest. Ein neues großartiges Monument der werkthätigen Menschenliebe ist in den jüngsten Tagen seiner Bestimmung übergeben worden, nämlich das neue israelitische Krankenhaus. Nicht inmitten des bunten Getriebes des hauptstädtischen Lebens, wie das bisherige Spital in der Fabrikengasse, liegt das neue Krankenhaus, doch auch nicht so weit draußen, daß der Verkehr ein schwieriger wäre. Jenseits der Schienenstränge der österreichisch-ungarischen Staatsbahn mit der Hauptfayade in die Szobolcsgasse hineinragend, gegen Süden vom Arenaweg begrenzt, mit der Rückfront in eine bislang namenlose Gasse reichend, gegen Norden von der hauptstädtischen Baumschule slankirt, erhebt der freundliche Rohziegel- Bau sich auf fast jungfräulichem, gesundem, von einer mächtigen Sandschicht bedecktem Boden. Frei blickt man nach allen Himmelsrichtungen aus und erfrischende Luftströme bestreichen das Gebäude. Tritt man durch das eiserne Gitter in den Vorhof, von welchem eine sanft emporsteigende Rampe zur Hauptpforte emporleitet, so empfängt man sofort den wohlthuendsten Eindruck durch die harmonischen Linien des vom Architekten Wilhelm Freund ausgeführten Baues. Wir stehen vor dem Centralgebäude, das hoch oben unter dem Sims in großen schwarzen Buchstaben die Inschrift trägt: „A pesti izr. hitközsSg körhäza“ (Krankenhaus der Pester isr. Kultusgemeinde) und durch seinen kräftig hervortretenden fünffenstrigen Mittelrisalit eine freundliche Gliederung erhält. Das stockhohe Gebäude hat außer den fünf Mittelfenstern am rechten und linken Flügel je sieben Fenster. Tritt man durch die Mittelpforte in das einfach gehaltene, geräumige Vestibüle, so schimmern Einem von den Wandfeldern rechts und links vier stattliche graue Marmorplatten entgegen, welche die Namen der Wohlthäter — d. h. jener Männer und Frauen, die eine Summe von 5000 fl. zum Spital beitragen — zu verewigen bestimmt sind. Sehr vornehm wirkt die doppelarmige Freitreppe, die aus dem taghellen Stiegenhause in das erste Stockwerk emporführt. Doch es hieße das eigentliche Wesen der neuen Anstalt verkennen, wollte man bei architektonischen Einzelheiten lange verweilen. Nicht in den äußeren Formen, nicht in der Schönheit des Stils, sondern in der Zweckmäßigkeit und seltenen Vollendung aller hygienischen Einrichtungen liegt die Größe der neuen Anstalt. Wenn man dieselbe gründlich besichtigt hat, so weiß man daß man ein Musterinstitut ersten Ranges kennen gelernt hat. „Licht und Luft!" war die Devise, welche den Erbauern vorschwebte und wahrlich kein einziger Raum im ganzen Krankenhause entbehrt diese beiden Hauptattribute. Die ganze Anlage ist nach dem System der Decentralisation ausgeführt und zerfällt in fünf Bauten, welche auf einem Areale von 15091 Quadratmeter eine bebaute Fläche von insgesammt 3647 Quadratmeter bedecken, so daß der freundlich parkirte Hof an 11000 Quadratmeter Raum hat. Nach ihrer Bestimmung sind die einzelnen Bauten folgendermaßen eingetheilt: Im Centralgebäude, bei dessen Einrichtung hauptsächlich auf die ambulanten Kranken Rücksicht genommen wurde, sind die Räume im Erdgeschoß und im linken Flügel des ersten Stockwerkes für Augenkranke, der rechte Flügel für interne Krankheiten eingerichtet. Für die ambulanten Kranken befindet sich im Erdgeschoß die Aufnahmekanzlei, ein großer Wartesaal und die Ordinationszimmer des Primarius — Privatdozent vr. Adolph Szili ~, im Korridor befindet sich die Wohnung des Sekundararztes und neben derselben der wirklich überaus bescheiden gehaltene Berathungssaal des Spitalvorstands, wie denn überhaupt die sogenannten Luxusräume mit lobenswerthester Sparsamkeit, dagegen Alles, was für die Kranken bestimmt ist, mit dem größten Komfort ausgestattet ist. Von den 120 Kranken, für welche das neue Spital Belegraum faßt — es können übrigens ohne jede Gefährdung des Heilzweckes 180 Kranke untergebracht werden, so weit und groß sind die Säle — können im Centralgebäude 20 und überdies in Extrazimmern noch 8 Kranke untergebracht werden. Man muß in einen dieser für je 8 Kranke eingerichteten Säle treten, um von der wahrhaft wohligen Atmosphäre derselben einen rechten Begriff zn erhalten. Im Vorraume hat die Wärterin ihr Zünmerchen, aus welchem sie durch ein Fenster in zwei Säle blicken kann. Eine „Theeküche" neuesten Systems giebt ihr stets das nöthige warme Wasser, oder hält ihr die Speisen warm. Im Saale stehen je 4 Betten an einer Längenwand, für jeden Kranken sind 51 Kubikmeter Luft, für jedes Bett 11 Quadratmeter' Saalraum vorhanden. Das Ideal eines Krankensaales. Bei jedem Krankensaal befindet sich ein Rekonvalescentenzimmer, in welchem die bereits genesenden Kranken, ohne ihre leidenden Gefährten zu stören, konversiren können. Mit welcher Sorgfalt die Einrichtung für die Kranken getroffen sind, beweist der Saal für Augenleidende, dessen Fenster mit Milchglas versehen sind, dessen Jalousien durch eine sinnreiche Vorrichtung jede Lichtnuance zu erzeugen gestatten. Auf dem breiten Hellen Korridor des ersten Stockes mündet der freundliche Betsaal, der für 50 Männer und 25 Frauen eingerichtet, trotz seiner schlichten Einfachheit einen feierlichen Eindruck macht.

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