Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1889)
- Date
- 1889-10-24
- Page
- Seite 682 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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682 Verläßt man das Centralgebäude, dessen Souterrainlokalitäten theils als Magazine, theils als Wohnungen für die Bediensteten verwendet sind, so gelangt man in den großen Hof, durch den gedeckte Galerien zu den übrigen Pavillons führen; rechts zur chirurgischen — Primarius vr. Jonas Bäron , links zur internen Abtheilung — Primarius Prof. Dr. Berthold Stiller. — In der ersten sind die im Halbrund gebauten Operationssäle im Erdgeschoß und im ersten Stock wunderbar eingerichtet, und die Sammlung ärztlicher Instrumente, zu deren Beschaffung Dr. Rozsay 5000 fl. gewidmet hatte, wird eine Specialität für sich. Hier mag noch bemerkt werden, daß, mit Rücksicht auf das antiseptische Ver-! fahren, auf jedes Einrichtungsstück die größte Sorgfalt verwendet wurde, so daß z. B. in den Instrumenten- und Verbandschränken gläserne Fächer sind. In der chirurgischen Abtheilung haben 40 Kranke — 4 Säle zu je 8 Betten und 8 Extrazimmer —, in der für interne Krankheiten 60 — 5 > Säle zu je 10 Betten und 10 Extrazimmer — Kranke Raum. Den Hintergrund des Hofes bildet das große Wirthschaftsgebäude, dessen Hauptbestandtheil die wahrhaft überraschend angelegte Küche bildet. Das nicht am wenigsten interessante Kapitel wäre über die vortreffliche Einrichtung der Heizung — Niederdruck-Dampfheizung mit Donneley'schem Rost — und der Ventilation zu schreiben, doch erforderte das eine fachmännische Darj stellung und das Eingehen in die kleinsten Details. Daß | für Bäder und Waschapparate genügend gesorgt ist, daß sonst i allen Bedürfnissen genügend Rechnung getragen, daß Telephoni und Telegraphenleitung eingesührt ist, erscheint nach dem Gesagten wohl als selbstverständlich. Noch eines Gebäudes haben wir zu gedenken, jenes stillen Hauses, das, von jungen Bäumen umstanden, dereinst in ernstes Schweigen gehüllt sein wird, wie es sich für das; Leichenhaus geziemt. Noch ist manche Kleinigkeit unvollendet, doch der Haupt-j sache nach ist Alles so fertig und vollendet, daß die 28! Kranken, die es jetzt birgt, sich in den hellen, luftigen Sälen sichtlich wohlfühlen. Gleichzeitig mit uns war auch der Abgeordnete Moritz Wahrmann, der gegenwärtige Gemeinde- Präses erschienen, dessen Opferwilligkeit und energischer Wirksamkeit das Aufbringen der Baukosten — an 500000 fl. — , zum guten Theil zu danken ist. Wohl wäre va noch eine ganze Reihe von eifrigen, humanen Männern zu nennen, die sich um das Zustandekommen des neuen Krankenhauses unsterbliche; Verdienste erworben haben, doch dazu wird sich anläßlich der' im November stattfindenden feierlichen Einweihung Gelegenheit finden. Unsere Aufgabe war diesmal nur eine Schilderung dessen, was wir mit wahrer Herzensfreude, mit gehobenen Empfindungen gesehen und bewundert haben. Uebersetzunge« hebräischer Gedichte von Dr. Landsberger, Grobherz. Landesrabbiner in Darinstadt?) 1. Klage über sein Leid. Die Klage macht mir stumm die Leier, Mich flieht die Freude, quält der Schmerz; Getrübt ist mir die Lebeuskeier, Das Herz weint mir bei Lust und Schmerz. Ziemt Klage mir zu sechzehn Jahren, Zu weinen, weil hier herrscht der Tod? Sollt' schwärmen mit der Jugend Schaaren, Die Wange frisch, wie Rosen roth! Doch zwang mein Herz mich in der Jugend — Und das hat mir den Muth gebeugt — Zu streben nach der Weisheit, Tugend — Ja, das hat Wehe mir erzeugt. — „Was nützt die Thräne, weich geflossen, „Um Plagen in dem Erventhal? „Was hilft der Gram? — Hoff' unverdrossen, „Giebts Balsam doch für jede Qual! —" Ach, wie ist Hoffnung mir geschwunden! Wohl ist's noch Tag, zur Nacht noch weit; Doch eh' den Balsam ich gefunden, Sink' ich ins Grab mit meinem Leid. Jbn Gabirol. 2. Jugendzeit. Klagst Du, daß Dir mancher Tag entschwand Unbenützt für Wissenschaft und Tugend? Klag', daß ungenossen sich entwand Dir die Zeit der süßen, goldnen Jugend! Jugendzeit, du Morgenstrahlenkranz, Wie aus Diamant gehauen prächtig! Damals war die Nacht selbst voller Glanz, Jetzt ist auch der Tag nur dunkelmächtig. _ Jbn Gabirol. 3. Die Sterne. Nachts erscheint der Himmel wie ein Garten, Seine Sterne sind wie Blumenarten, Herrlich blühend selbst zur Winterszeit. Wie sie goldig blinken, blitzen, strahlen! Aehnlich Diamanten und Opalen, Perlen gleich auf blauen Grund gestreut. l) In den in Nr. 40 mitgetheilten Gedichten muß es in der Ueberschrist heißen: vr.Landsberger; in dem Gedicht „DerFrühi ling", S. 634, Sp. 2, Z. 5 von oben: „schau'" (nicht „schaut"); IZ. S das.: „Rebensafts" (nicht „Rebensaftes").