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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-24 · Heft 43 (24.10.1889) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 43 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
Seite 678 (sequence 10)
Language
German
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678 jämmerlichen Aufzug und trieb sie aus dem fast ausschließlich von Schneidern bewohnten District in eine Straße, wo ihnen endlich Quartier gewährt wurde. Die Erbitterung gegen diese „Schwarzbeine" ist so groß, daß man den Meistern nicht gestatten wird, ihnen Arbeit zu geben. Südamerika. Bonn, 15. Oct. (Privatmitth.) Wir haben vor Kurzem mitgetheilt, daß die argentinische Republik ihren Agenten in Europa aufgetragen habe, dahin zu wirken, daß der Zug der emigrirenden russischen Juden nach Argentinien gelenkt werde, wo ihrer Colonisation die größten Vortheile verheißen wurden. In der That richteten bereits auch mehrere Hunderte solcher Auswanderer ihren Weg nach diesem Lande, das an sich in dieser Beziehung sehr wünschenswerthe Eigenschaften besitzt. Jndeß erläßt die Alliance isr. univ. folgende Warnung, die wir auch in unserem Leserkreise zu verbreiten nicht unterlassen dürfen. Sie lautet: Im Anfang des Monats Juli schiffte sich ein Zug israelitischer Emigranten, der, von Rußland kommend, aus ungefähr 800 Personen bestand, in Bremen ein, .um sich nach der argentinischen Republik zu begeben. Die Emigranten hatten mit den Auswanderungs-Agenten Coutracte unterzeichnet, welche ihnen bei sofortigem Bezahlen von 400 Francs die Ueberfahrt nebst Nahrung von dem Einschiffungshafen bis Buenos-Ayres sicherten, sowie Ländereien, Ackerbau-Werkzeuge und Vieh, deren Werth von ihnen später durch jährliche Amortisationen abbezahlt werden sollte. Die meisten dieser Auswanderer konnten diese 400 Francs bezahlen; diejenigen unter ihnen, welche die Mittel nicht besaßen, um diese Summe zu bezahlen, waren nichtsdestoweniger den ersteren bis zum Einschiffungshafen gefolgt, aber hätten nicht abfahren können, wenn man ihnen nicht zu Hilfe gekommen wäre. Die nöthigen Gelder wurden zusammengebracht und der ganze Zug konnte sich am 10. Juli auf den Weg machen. Aus den Nachrichten, welche diese Auswanderer nach Europa gelangen ließen, geht hervor, daß sie bei ihrer Ankunft in Buenos- Ayres das Land und die Subsidien nicht erhalten haben, welche ihnen die Contracte sicherten, und daß diese Contracte nicht zur Ausführung gekommen. Man sieht, daß jede Auswanderung nach diesem Lande für den Augenblick verfrüht wäre und die größten Gefahren bieten könnte. Die Personen, welche gewillt wären, sich nach dem südlichen Amerika zu begeben, müssen erst warten, bis man über die Lage der israelitischen Emigranten, die im Juli abgefahren sind, besser unterrichtet ist. Nur die Erfahrung wird zeigen können, ob die Emigration in die argentinische Republik und die benachbarten Länder wirkliche Chan-? een des Erfolges darbietet, oder ob die Emigranten, welche sich dorthin begeben, sich nicht dem Elende aussetzen. Marokko. Tanger, im Oktober. Wie aus den öffentlichen Blättern bekannt ist, weilt gegenwärtig der Sultan von Marokko im nordwestlichen Theile seines Staates und zwar in Begleitung eines starken Heeres. Er gab den in Alcazaba wohnenden Israeliten in huldvollster Weise eine Audienz und ließ sich vom Rabbiner der Gemeinde die Mitglieder vorstellen. Der Rabbiner verlas eine Glückwunschadresse, in welcher die Gemeinde die Segnungen des Himmels auf den Herrscher herabflehet. Der Sultan versicherte sie seines Schutzes. Wenn nur die Zusicherungen des Sultans irgend eine Gewähr gegen die Erpressungen und Grausamkeiten seiner Statthalter und Unterbeamten verschaffte. Tetuan, im September. Als am 15. d. der Sultan seinen Einzug in Tetuan gehalten, an welchem sich auch die hiesigen Israeliten in reichem Maße betheiligten, machte es einen üblen Eindruck, daß fanatische Soldaten die Israeliten, wenn sie ihnen auf den Straßen begegneten, in allerlei Weise belästigten. Dahingegen verbreitete sich ein Gefühl der Sicherheit, als am 18. der Sultan eine zahlreiche Deputation der israelitischen Gemeinde aufs huldvollste empfing. Man schreibt über diese Audienz dem Centralcomite der Alliance isr. univ.: „Die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde, die Herren Samuel Nahon, unser verehrter Großrabbiner und Samuel Israel haben die Ehre gehabt, Seiner Majestät vorgestellt zu werden. Die Audienz währte beinah dreiviertel Stunde. Sie hatten, um dem Sultan zu huldigen, einen prachtvollen Teppich und Brocatstoffe mitgebracht. Bei ihrer Ankunft in die kaiserliche Residenz wurden sie dem Sultan durch den Card Mechuar mit dem üblichen Ceremoniell vorgestellt. Dann segnete der Cald die Gemeinde im Namen des Kaisers. Die Soldaten machten schon den Israeliten Zeichen, sich zurückzuziehen, als der Sultan sie zurückhielt. Indem er sich an den Großrabbiner wandte, fragte er ihn nach seinem Namen und ob er aus der Stadt Marokko stamme. Herr Samuel Nahon nannte seinen Namen und erwiderte, daß er in Tetuan geboren sei. Einige Erklärungen wurden noch ausgetauscht betreffs der Bitte, welche die Gemeinde hinsichtlich der Vergrößerung der Mellah (Judenviertel) gestellt, welche zu erfüllen Seine Majestät versprach. Seine Majestät winkte unter Anderem den Gouverneur El- Naoui herbei und empfahl ihm aufs Wärmste, über die Sicherheit der Israeliten zu wachen und sie bei jeder Gelegenheit zu beschützen."

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