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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-24 · Heft 43 (24.10.1889) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 43 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
Seite 674 (sequence 6)
Language
German
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674 macht. Diese Schlußabtheilung behandelt Seder Kodaschim in seinen elf Tractaten, Seder Toharoth in zwölf Tractaten. So stehen denn demjenigen, der nach einem richtigen Verständniß und Urtheil über Talmud und Midrasch kommen will, gegenwärtig Hilfsmittel genug zu Gebote. — „Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidenthums im Lichte eines neuen Unterscheidungsmerkmals betrachtet. Eine religionsvergleichende Studie von Dr. W. Steckelmacher, Stadtrabbiner in Mannheim. (Mannheim, I. Bensheimer, 1890.) Diese Schrift (S. 102) ist eine Vertheidigung des Offenbarungsglaubens und der Offenbarungslehre, welche von der Ansicht Steinheims ausgeht, um diese namentlich auf dem ethischen Gebiete weiter auszubaueu. Die Nothwendigkeii einer göttlichen Offenbarung wird dadurch erwiesen, daß vermittelst der Mythologien und Morallehren der alten Völker gezeigt wird, wie der Menschengeist durch sich selbst zu einem wahren Gottesbegriff und der aus diesem fließenden reinen Ethik nicht zu gelangen vermochte. Der Vers, der obigen Schrift prüft diese Meinung durch eine kritische Beleuchtung der homerischen Gesänge, welche die hellenische Götterlehre am ausführlichsten darstellen, und den Vergleich mit der Offenbarungslehre, wie diese in der h. Schrift zum Ausdruck kommt. Er entwickelt hierbei großen Scharfsinn und sorgfältiges Studium. Bekanntlich gab und giebt es Gelehrte, welche in den mythologischen Figuren und Legenden der Hellenen tiefsinnnige, psychologische, ja metaphysische Gedanken enthalten glaubten. Unser Vers, geräth allerdings in das entgegengesetzte Extrem, indem er die mythologischen Fabeln nur als ganz äußerliche Berichte auffaßt. Hierin kann man ihm nicht beistimmen, denn daß in einigen dieser mythologischen Legenden wirklich Ideen und zwar manche bedeutsame sich ausprägten, kann nicht geleugnet werden. Heben wir als ein Beispiel hervor die Geschichte von der Aphrodite, dem Hephästos und dem Mars, welche auch der Vers, stark betont. Es ist nicht schwer, hier den Gedanken zu finden, daß die Schönheit sich mit der Kunst verbindet, diesen Bund aber bisweilen bricht und der materiellen Gewalt huldigt. Natürlich daß demungeachtet die Erzählung eine sehr tief stehende Vorstellung von dem Götterwesen bezeugt. Jndeß kann man den Vorwurf voraussehen, daß es sich der Vers. mit der Gegensätzlichkeit zwischen der hellenischen Götterlehre und der Gotteslehre der h. Schrift etwas zu leicht gemacht habe. Alsdann wirft der Vers, einige Blicke auf Plato's, Aristoteles', der Stoiker und der Epikuräer Gottesidee und weist auch hier die Mangelhaftigkeit und die Jrrthümer nach, denen diese größten Philosophen der Griechen unterlagen. Wir erkennen daher das Verdienstliche dieser Schrift vollkommen an, und namentlich in unserer Zeit, wo so Viele, auch namhafte jüdische Theologen im Offenbarungsglauben durchaus keine Festigkeit, vielmehr Schwanken und Zweifeln beweisen. Die Schrift unsres Autors dagegen ist ein Ausfluß einer sicheren Ueberzeugung. Nur die eine Bemerkung wollen wir nicht unterdrücken, daß, wenn er „ein neues Unterscheidungsmerkmal" hervorgebracht zu haben meint, dies ihm doch bestritten werden kann. Wir gestatten uns z. B. auf das Kapitel „Bon der Offenbarung" im ersten Bande unserer israelitischen Religionslehre S. 39—94 hinzuweisen, wo gleich am Anfänge ausgeführt wird: „Daß eine göttliche Offenbarung wirklich stattgefunden, erweist uns die Geschichte, indem sie folgende drei unbestreitbare Sätze resultirt: „1) Bevor die Offenbarung an Israel geschah, waren alle Völker dem Heidenthum und Götzendienst verfallen; 2) Alle Völker, zu denen die Offenbarung an Israel nicht gelangte, waren, und zu denen sie bis heute noch nicht gelangte, sind noch heute dem Heidenthum und Götzendienst verfallen; 3) Alle Völker, welche einen reinern Begriff von Gott haben, sind solche, zu denen die Offenbarung an Israel gelangt ist, und die diese als Grundlage ihrer religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Existenz anerkennen." Hierauf gehen wir daselbst die sämmtlichen Religionen des Alterthums durch und fügen im Anhang eine Abhandlung über ..die Aussprüche der griechischen Philosophen über Gott" und eine Betrachtung über „Die Nothwendigkeit der Offenbarung" hinzu. Nun, daß der Vers, der obigen Schrift dies ignorirt, fällt uns nicht weiter auf, wir sind es von unseren Kollegen gewohnt. Deutschland. Berlin, 16. Oktober. (Privatmitth.) Es liegt in der Natur des Parteigeistes, nicht lange zu schweigen, noch dazu, wenn es sich um die Existenz der Partei zu handeln scheint. Wenn ein Blitz aus heiterm Himmel herniederfährt, so erschrickt man gar sehr, aber die Panik währt nicht lange; da das Unwetter nicht fortdauert, erholt man sich bald wieder. So kann es nicht verwundern, daß die „Kceuzzeitung" schon wieder recht streitbar hervortritt. Sie richtet einen heftigen

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