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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-24 · Heft 43 (24.10.1889) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 43 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
Seite 673 (sequence 5)
Language
German
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673 minderte, eine paritätische und ging schließlich vollständig in christliche Hände über. Sämmtliche vier jüdische Realschulen bestehen durch sich selbst, ihre Fonds und Schulgelder, ohne irgend welchen Zuschuß aus Staats-, Provinzial- oder städtischen Mitteln, obschon die zu Seesen ebenso viele christliche wie jüdische Schüler zählt und so Stadt und Bezirk bedeutend entlastet; Gleiches thun die beiden Frankfurter, da im anderen Falle die Stadt auch für diese große Zahl jüdischer Schüler sorgen müßte. Was uns nun mit großer Befriedigung erfüllt, ist, daß diese jüdischen Realschulen, namentlich die drei längst bestehenden, trotz ihres Alters, in voller und frischer Blüthe stehen, und nach den Fortschritten der Zeit sich immer von Neuem reorganisiren. Zu diesen Bemerkungen veranlaßt uns heute ein Artikel des „Braunschweiger Tageblattes" über die Jacobsonschule zu Seesen, den wir hier wiedergeben. „Die hiesige Jacobsonschule erfreut sich eines weithin verbreiteten rühmlichen Namens. Zu Anfang des Jahrhunderts von dem damaligen Kammer-Agenten des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, dem späteren westfälischen Consistorial-Präsidenten Israel Jacobson, als eine Erziehungs-Anstalt modernen Charakters zunächst für arme jüdische, dann auch christliche Knaben gegründet, hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer großen Stiftungsschule mit dem Lehrplan einer lateinlosen Realschule entwickelt und wird zur Zeit von vierzig Freizöglingen, circa hundert voll oder halbzahlenden Pensionären und ebenso vielen Stadtschülern aus Seesen und Umgegend besucht. Allerwärts, in- und außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, in der alten und neuen Welt kann man alten Jacobson-Schülern begegnen, zumeist in geachteter bürgerlicher Thätigkeit, zum Theil sogar in hochangesehener Lebensstellung. Sie alle und sonstige zahlreiche Freunde der Anstalt wird es freuen zu erfahren, daß der im Sommer vorigen Jahres begonnene großartige Neubau des Alumnatsgebäudes rasch seiner gänzlichen Vollendung auch im Innern entgegengeht. Mit Beginn des bevorstehenden Wintersemesters wird es seiner Bestimmung übergeben werden, und die aus den Ferien heimkehrenden Schüler werden, anstatt des bisherigen, ihrer Unterkunft dienenden alten Fachwerkhauses mit kleinen Fenstern, niedrigen Räumen und engen Treppen in einen hochragenden, massiven Steinbau einziehen mit weiten luftigen Schlafräumen, Hellen und geräumigen Sälen zur Arbeit und zum Spiel, mit Wasch-, Bade- und sonstigen sanitären Einrichtungen. Es ist dies um so anerkennenswerther, als die bedeutenden Baukosten — circa 300,000 Mark —, wie die der Erhaltung der Schule überhaupt, ohne jede Beihülfe seitens des Staates oder der Stadt, lediglich aus den eigenen Mitteln und Einnahmen der Schule bestritten werden. Es ist deshalb mit Genugthuung zu begrüßen, daß sich aus alten Schülern der Anstalt ein Comits gebildet hat, an dessen Spitze Stadtrath Ballin in Gandersheim steht, um durch Aufbringung freiwilliger Spenden zu den Kosten des Neubaues beizutragen und es zu ermöglichen, daß die jetzige und künftige Schülerschaft in gesunden, schönen Räumen erzogen werde, ohne daß deshalb die bisherige Zahl der Freistellen eine Einschränkung zu erfahren habe. Diesen Bemühungen ist ein Erfolg nicht ausgeblieben; aber gewiß werden vorstehende Bemerkungen für Viele, welche von diesen Maßnahmen noch nichts gehört hatten, ein willkommener Anlaß sein, ihre Anhänglichkeit und Dankbarkeit für ihre ehemalige Bildungsstätte auch ihrerseits zu bekunden. Die beste Gelegenheit hierzu wird jedenfalls die für Sonntag, 27. October, in Aussicht genommene Einweihungsfeier des neuen Alumnatsgebäudes sein. Es ist höchst wünscheuswerth, daß sich zu derselben ein möglichst stattlicher Kreis alter Schüler einfinde, um als Männer Zeugniß abzulegen für die Würdigung der Anstalt, in der sie ihre Jugendbildung empfingen, und um an alter lieber Stätte mit den lange yicht gesehenen Jugendgenossen Erinnerungen der Knabenzeit auszutauschen." Das Letztere wünschen auch wir. Da nämlich die Mittel zu dem durchaus nothwendigen Neubau des Alumnats von den Fonds der Stiftung getragen werden mußten, die Freipensionäre aber aus dem Ueberschuß der Zinsen erhalten werden und die Zahl jener sich nothwendig nach dem Maße dieses Ueberschusses richten muß, so ist um dessentwillen ein stärkerer Zufluß von Beiträgen sehr wünschcnswerth. Die Anstalt steht übrigens unter einer einsichtsvollen und kräftigen Leitung, welche unter Anderem an dem Grundsatz festhält, der bei der großen Zahl der Zöglinge sehr nothwendig ist, schlechte Elemente, die sich etwa unter ihre Zöglinge von außen her einmischen, aus der Anstalt zu entfernen. So bietet diese den Eltern die volle Gewähr einer guten und straffen Erziehung, und hierfür geben die bisherigen Leistungen die beste Bürgschaft. Dieses schöne und sehr zweckmäßig gebaute Alumnat ist von einem jüdischen Baumeister, Herrn Friedberg in Berlin, entworfen und ausgeführt. Literarischer Wochenbericht. i Bonn, 16. Oktober. Soeben ist die vierte Abtheilung von „Der babylonische Talmud in seinen haggadischen Bestandtheilen", wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert von vr. theol. et phil. Aug. Wünsche (Leipzig, Otto : Schulze) erschienen, womit dieses verdienstvolle Werk beendet j ist. Wir erfahren aus dem Vorworte mit Vergnügen, daß i der erste Band desselben bereits eine zweite Auflage nöthig

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