Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1889)
- Date
- 1889-10-10
- Page
- Seite 648 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Aeuit Das jüdische Gesetz und das geschlachtete Misch. Der Pariser „Temps" vom 1. October enthält unter obiger Aufschrift einen Artikel, der sich an einen solchen in der „Nineteenth Century" anlehnt. Da diese englische Zeitschrift uns nicht vorliegt, geben wir den Aufsatz des Temps in wortgetreuer Uebersetzung. Herr Doctor H. Behrend unterzieht im Nineteenth Century die Frage der Uebertragbarkeit der Phthisis durch die Fleischspeisen einem bestimmten Gesichtspunkt. Man weiß, daß dieser Gegenstand im vergangenen Jahr den Congreß über die Tuberculose zu Paris beschäftigt hat und daß in Folge dieses Congresses der Präsident der Republik ein Decret unterzeichnet hat, welches in den Fällen der Tubereulose bei Thieren die sanitären Anordnungen vorschreibt, welche das Gesetz vom Jahre 1881 festgestellt hat. Dr. Behrend erinnert zunächst an die Entdeckung des Bacillus der Phthisis und an die der Identität dieses Bacillus bei dem Menschen und bei den Thieren, ganz besonders bei dem Ochsen. Die Arbeiten des Dr. Klebs und die des Dr. Woodhead haben die Uebertragbarkeit der Rinder- Tuberculose auf den Menschen durch das Verzehren der kranken Thiere nachgewiesen. In Frankreich haben die Herren Cornil und Billemin künstlich die Tuberculose an ganz gesunden Ochsen hervorgebracht, indem sie Bacillen unter ihre Nahrung mischten; die Herren Wurtz und Strauß haben erwiesen, daß die Bacille der Tuberculose der Action des Magensaftes widersteht; und als Schluß dieser Untersuchungen hat der Congreß von 1888 den Wunsch ausgesprochen, daß das Fleisch der Thiere, welche als tuberculös erkannt sind, mit Beschlag belegt und vernichtet werde. Bedeutende Männer sind geneigt, anzunehmen, daß, um eine der Formen der Tuberculose zu entwickeln, der ansteckende Bacillus auf einen günstigen und in gewisser Beziehung durch die Erblichkeit vorbereiteten Boden fallen muß, sonst könnte man sich schlecht erklären, warum nicht die ganze Menschheit die Beute einer Ansteckung wird, gegen die sie bis heute so wenig Vorsichtsmaßregeln getroffen hat. Aber wie es auch in dieser Hinsicht in Wahrheit ist, jedenfalls ist hiermit die Phthisis in die Reihe der ansteckenden Krankheiten gestellt worden, über welche die vorbeugende Medicin seit hundert Jahren anerkennende Siege davongetragen hot: der Aussatz, der Typhus, die Pest, die Pocken verschwinden nach und nach von der Oberfläche der Erde; man darf hoffen, daß es in Zukunft ebenso mit der Tuberculose sein i e 1 o n. wird, Dank einer thätigen Aufsicht über das Fleisch der Schlächtereien. Aber ist es nicht sonderbar, daß seit vielen Jahrhunderten die Synagoge sich in dieser Beziehung scharfsichtiger als alle modernen Völker gezeigt hat? Unter der Zahl der von dem biblischen Texte angeführten Krankheiten, die ein Thier durchaus unbrauchbar für die Ernährung des Menschen machen, ist mit großer Genauigkeit diejenige beschrieben, welche wir heute mit dem Namen Tuberculose bezeichnen. Herr Guoneau de Müssy hatte diese Thatsache schon in der medicinischen Akademie im Jahre 1885 hervorgehoben. Er zögerte nicht, der genauen Beobachtung der mosaischen Vorschriften, was die Untersuchung des Fleisches der Schlächtereien betrifft, die merkwürdige Lebenskraft der jüdischen Race zuzuschreiben. Unter anderen seltsamen Thatsachen erklärte er, vom Großrabbiner von Frankreich erfahren zu haben, daß die Aufseher der jüdischen Schlächtereien oft sechsundzwanzig unter dreißig Thieren verwarfen und sich unerbittlich für die geringste Verletzung der Lunge zeigen, besonders bei dem leichtesten Anwachsen der Lunge an die Rippen. Nun giebt es so zu sagen keine Lungentuberculose ohne Anwachsen, obgleich oft Anwachsen ohne Tuberculose vorkommt. So hat, Tausende von Jahren vor unseren Gelehrten, der Talmud das einfache und practische Mittel angegeben, der Ansteckung der Tuberculose durch die Ernährung zu entgehen, indem er vorschreibt, jede Lunge eines geschlachteten Thieres aufzublasen und genau zu untersuchen. Aber ist es auch ganz gewiß, daß die jüdische Race, wie man versichert, bevorzugt und in Besitz einer wirklichen Befreiung von ansteckenden Krankheiten ist? Das versichern einstimmig alle Aerzte, die im Stande sind, darüber zu urtheilen. In London z. B.. wo ganze Districte von armen Israeliten bewohnt sind, wird dies Factum regelmäßig in allen Jahresberichten der medicinischen Beamten bestätigt. In dem Viertel von Whitechapel erklärt der Doctor Loano, daß die Phthisis unter den Juden sehr selten ist; ebenso ist es in Holborn nach Doctor Gibbon. Die Aerzte des Londoner Hospitals wo Säle für die Juden, reservirt sind, bestätigen, daß ihre jüdischen Kranken selten von der Phthisis befallen sind und noch seltener an dieser Krankheit sterben. Dr. Behrend selbst sagt, daß nach dreißig Jahren Praxis bei einer fast nur aus Juden bestehenden Kundschaft er noch keinen einzigen Fall der Phthisis unter diesen Juden gesehen hat. Der Professor Hosmes bemerkt andererseits, daß die