Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1889)
- Date
- 1889-10-10
- Page
- Seite 647 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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647 met und von den Zinsen soll jedes zur Betheilung vorgeschlagene Kind den Betrag von 50 fl. zur Anschaffung von Büchern, Kleidungsstücken oder als Spareinlagen bekommen. 3. Das Kapital von 40000 fl. soll derart verwendet werden, daß von den jährlichen Zinserträgnissen Volks- und Bürgerschullehrern der Betrag von je 200 fl. zum Zwecke von Ferien- und Studienreisen eingehändigt werde. Zum Schluß des Testamentes findet sich eine ansehnliche Summe ausgewiesen, welche der Heimathgemeinde des Verstorbenen, Eibenschütz in Mähren, für Schulzwecke, zur Anschaffung von Bibliotheken, zufällt. Bonn, 1. Oktober. (Literarische Notizen.) Herr vr. Kayserling in Pest giebt eine Bibliotheea espaiiolaportugueza-judaica heraus, ein bibliographisches Lexicon über die jüdischen Schriftsteller und ihre Werke, die spanisch und portugiesisch abgefaßt sind, sowie über die spanischen und portugiesischen Schriften über und gegen die Juden und das Judenthum. Hinzugefügt ist eine Abhandlung über die Literatur der spanischen Juden und als ein Anhang eine Sammlung spanischer Sprichwörter, welche sich unter den spanischen Juden bis heute erhalten haben. Das Werk wird zu 6 Francs vom Verfasser zu beziehen sein. Den eben erwähnten Anhang hat der Vers, noch besonders herausgegeben unter dem Titel Refranes o Proverbios espanoles de los judios espanoles, mit einer Vorrede und Anmerkungen in französischer Sprache. (Budapest 1889). Keine Nation hat einen größeren Schatz von Sprichwörtern als die spanische, und natürlich nahmen die 1492 aus Spanien vertriebenen Juden einen Reichthum daraus mit sich. Wie sich nun vier Jahrhunderte hindurch bei den Abkömmlingen jener weit zerstreuten Flüchtlinge die spanische Sprache in England und Holland wie in Rumänien, Bulgarien, der europäischen und asiatischen Türkei erhalten hat, so verblieb ihnen auch die Erbschaft dieser Sprichwörter, vr. Kayserling machte es sich zu einer Aufgabe, diese eroberten Sprichwörter, diese Zeugnisse von der Anhänglichkeit an die alte Heimath trotz der grausamen Behandlung, welche sie ihnen hatte widerfahren lassen, theils aus dem Munde der Spaniolen, theils durch Freunde in deren Mitte, zu sammeln, in Rubriken zu bringen und alphabetarisch zu ordnen. Auf diese Weise werden diese Sprichwörter auch den zukünftigen Geschlechtern aufbewahrt und dem allgemeinen Publicum zugänglich gemacht, zugleich übersichtlich, so daß man sich leicht darin zurecht findet. Man weiß, daß in nichts der Charakter und die Gesinnung eines Volkes sich bestimmter und faßbarer darstellen, als in Sprichwörtern, die im Volke entstanden und von ihm zum Ausdruck seiner Meinungen und Erfahrungen benutzt werden. Der Leser findet deshalb in dieser Sammlung Vieles, was ihn erfreut und was ihn frappirt. lieber das ganze Werk werden wir berichten; sobald wir es in Händen haben. — Pest, 29. Sept. (Literarische Notizen.) „Die Agada der Tanaiten", von Herrn vr. Wilhelm Bacher, Profeffor an der Landes-Rabbinerschule in Budapest, deren erster Band 1884 erschien, ist mit dem jetzt veröffentlichten zweiten Bande (Straßburg, Trübner 1889), der von Akibas Tod bis zum Abschluß der Mischna reicht, nunmehr vollendet. Es ist dies ein Werk von bedeutendem Werthe und hat der Vers, mit seinem außerordentlichen Fleiße und in seiner bekannten Gründlichkeit seinen Gegenstand nahezu erschöpft. Die größere Hälfte dieses zweiten Bandes enthält die Agada der Schüler Akiba's und sind R. Meir, Simon b. Jochai, Jose b. Chalaftha, Jehuda b. Jlai, Jehuda und Nehemia, und Jehuda der Patriarch am ausführlichsten behandelt. In besonderen Capiteln kommen bei jedem Einzelnen die Sentenzen und Sprüche, die Aussprüche über das Studium der Lehre, über das Gebet, über Israel und Heidenthum, Polemisches, Exegetisches und Homiletisches, Jüdisch- Religionsphilosophisches, Eschatalogisches u. a. m. zur klaren Darstellung. Diese Capitel sind, insofern die Agada in erster Reihe Schriftauslegung und Schriftanwendung ist, ebenso viele Capitel aus der Geschichte der alten jüdischen Exegese und Homiletik; und insofern in der Agada die verschiedensten Fragen des religiösen Glaubens und Erkennens behandelt werden, kann man das Werk auch als Beitrag zur Geschichte der religiösen Anschauungen betrachten. Daher hat dasselbe nicht nur für den Forscher, der in den Noten viele kritische und lexikographische Bemerkungen findet, besonderen Werth, es kann auch für den Prediger, des 'reichen homiletischen Materials wegen, von großem Nutzen sein. Ein auf beide Bände sich beziehendes Sachregister erleichtert den Gebrauch dieses Werkes, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Der Preis desselben ist ein sehr mäßiger: bei einem Umfange von 578 Seiten nur 10 Mark. — Bon demselben Verfasser erschien jüngst „Elija Levita's wissenschaftliche Leistungen" (Zeitschrift der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft, 43. Bd.). Während das Leben und die schriftstellerische Thätigkeit Levitas sehr oft und erst jüngst von I. Levi dargestellt wurde, versucht Bacher ihn nach seinen wissenschaftlichen Leistungen als Grammatiker und Lexikographen, als Targum- und Massoraforscher zu würdigen, was ihm auch vollkommen gelungen ist. — Die Rede für das Neujahrsfest 5650, welche Herr Bezirksrabbiner L. Schleßinger in Breken für die kleineren Gemeinden seines Bezirkes verfaßt hat, ist im Druck erschienen; dieselbe knüpft an die vor wenigen Wochen int Großherzogthum Baden begangene Gedächtnißfeier der Verheerung der Rheinpfalz. vr. Kayserling. \ 41*