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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-10 · Heft 41 (10.10.1889) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 41 (10.10.1889)
Date
1889-10-10
Page
Seite 645 (sequence 9)
Language
German
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645 schulfonds, elf werden auf Kosten des Jnstitutsfouds unentgeltlich erhalten und fünf zahlen theils ermäßigte, theils ganze Taxen. Unter den Neulingen sind vier Budapester und siebzehn Fremde. Bei der Aufnahme der Fremden wurden zumeist die Angehörigen solcher Gemeinden berücksichtigt, welche dem Institut als beitragende Mitglieder angehören. Die Hauptstadt besetzt ihre Stellen mit katholischen, der „16 sziv" Verein mit reformirten Kindern und der Instituts-Vorstand nahm bei Aufnahme der zahlenden Zöglinge gar keine Rücksicht auf die Konfessionen derselben. Im laufenden Schuljahre zählt die Anstalt zweiundneunzig Zöglinge, welche in acht Abtheilungen unterrichtet werden. Unter diesen sind sechsunddreißig, die auf Kosten des Fonds ganz unentgeltlich ausgebildet werden. Sechzehn ausgebildete Zöglinge haben mit Abschluß des verflossenen Schuljahres das Institut verlassen. Unter denselben waren acht aus der Hauptstadt und ebenso viele aus andern Orten des Landes. Unter den hiesigen waren zwei Mädchen, welche sich mit Handarbeiten beschäftigen werden. Von sechs Knaben blieb einer, da er Waise ist, unter der Leitung der Anstalt, welche ihn zum Steinmetz ausbilden läßt; von den Uebrigen werden zwei Schneider, einer Lithograph, einer Goldarbeiter und einer bildet sich zum Metallarbeiter in einer Industrieschule aus. Prag, 30. September. (Privatmitth.) Eine Deputation des Prager Rabbinats wurde heute vom neuen Statthalter empfangen. Die Ansprache des vr. Tauber erwidernd, sagte der Statthalter: Es sei gewiß, daß jedes religiöse Bestreben von ihm gefördert wird, denn auf die Religion stützt sich die Familie und aus der Familie baut sich der Staat auf. Jede Konfession könne daher auf seine Unterstützung rechnen. Bezüglich des Wunsches, daß es ihm gelingen möge, Frieden und Eintracht in diesem herrlichen Lande zu erhalten, könne er demselben nur zustimmen und werde gewiß dahinwirken, die Durchführung zu ermöglichen. S.-A.-Ujhely, den 25. September. (Privatmitth.) Der Rabbiner der isr. Status guo-Muttergemeinde, Leopold Bermann, der erst vor Kurzem nach dreiwöchentlichem Knrgebrauch aus Gleichenberg heimkehrte und auch jetzt noch unpäßlich ist, machte am 23. d. M. Nachmittags in Begleitung seines Sohnes einen Spaziergang. In der Kronengasse, einem frequentirtesten Theile der Stadt angelangt, erscholl hinter ihm plötzlich eine Flut judenfeindlicher Zornesausbrüche. In der Meinung, daß hinter ihm einige bezechte Individuen einherschlenderten, wendete er sich um, um ihnen aus dem Wege zu gehen. Zu seiner größten Ueberraschung erblickte er aber vor sich fünf ihm bekannte Herrn (es waren dies der Szerencser Stuhlrichter Szemere, der Nagy - Mihalyer Stuhlrichter Pilissy und drei Andere, deren Namen bisher noch nicht festgestellt sind). In einem der Letzteren — es soll dies der Rechtspraktikant Thurünßky gewesen sein — entflammte in dem Augenblicke, als er des auch in nichtjüdischen Kreisen geachteten Seelsorgers ansichtig wurde, der Racenhaß im höchsten Grade, und ohne viel zu überlegen, schritt er auf den Rabbiner zu und trat ihm — offenbar absichtlich — auf den Fuß. Als der unschuldig Angegriffene den jungen Mann hierüber zur Rede stellte, versetzte dieser dem bedauernswerthen Rabbi mittels eines Stockes einen Hieb. Die Kunde von dieser unerhörten Brutalität verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und erregte sogar in höheren Beamtenkreisen peinliches Aufsehen. Bisher wurde zwar noch nicht eruirt, ob und inwiefern auch die beiden obgenannten Komiiatsbeamten in dieser Sache eine Schuld trifft, — nichtsdestoweniger drückte der Obergespan über diesen Vorfall seine größte Indignation aus und gab den zwei jüdischen Gemeindevorstands-Mitgliedern, die bei ihm in der Affaire vorsprachen, die Versicherung, daß er ihnen — falls ein Komitatsbeamter in dieser Angelegenheit sich etwas zu Schulden kommen ließ, die gebührende Satisfaktion verschaffen und daß er auch in Zukunft bestrebt sein werde, den israelitischen Mitbürgern gegenüber jene aufrichtige und wohlwollende Freundschaft zu manifestiren, deren sich dieselben bei jeder Gelegenheit in so hohem Maße würdig machen. Frankreich. Paris, 29. September. Von den 16 Israeliten, die sich als Candidaten für die Deputirtenkammer aufstellen ließen, sind zwei gewählt worden, nämlich Bischofsheim in Nizza und Joseph Reinach in den Bas-Aspes, zwei befinden sich in der Stichwahl, nämlich der frühere Minister Raynal und Camille Dreyfuß, für welche beide die Stichwahl wohl günstig entscheiden wird. Auf diese Weise werden im besten Falle wie in der früheren Kammer auch dies Mal vier Israeliten Sitze haben. — Die Wahl des Großrabbiners des Centralconsistoriums von Frankreich an Stelle des verstorbenen Isidor ist auf den 24. October anberaumt. — Daß bei den eben vollzogenen Wahlen zur Deputirtenkammer die Antisemiten mancherlei Anstrengungen machten, durch Plakate und Reden die Wähler aufzufordern, keinen Juden zu wählen, läßt sich voraussetzen. In wie weit sie hierin einigen Erfolg gehabt, entzieht sich der Beurtheilung. So viel ist aber gewiß, daß die entschiedenen Antisemiten, die als Candidaten aufgetreten, schmählich durchgefallen sind. Sie er> hielten eine höchst kleine Zahl von Stimmen, der eine deren sogar nur zwei. 41

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