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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-10 · Heft 41 (10.10.1889) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 41 (10.10.1889)
Date
1889-10-10
Page
Seite 642 (sequence 6)
Language
German
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642 Der Geschichtsunterricht. In der jüngsten Zeit ist einmal wieder der Geschichtsunterricht in den Schulen der verschiedenen Stufen auf die Tagesordnung gesetzt worden, und alsbald wurden die Fragen aufgeworfen, ob die alte oder die neuere und neueste Geschichte ausführlich behandelt werden soll und welche die richtige Methode sei. Selbstverständlich haben wir in unserer Zeitung nicht die Aufgabe, diese Fragen zu erörtern, so weit sie die allgemeine Weltgeschichte betreffen. Hinsichtlich der Methode jedoch wollen wir die Bemerkung nicht unterlassen, daß nach unserer Ansicht beim Geschichtsunterricht das übermäßige Eingehen in Details, das Aufhäufen von Namen und Zahlen völlig unzweckmäßig ist, daß vor Allem der Werlauf der Geschichte der Jugend übersichtlich und der Zu' sanrmenhang der Begebenheiten nach Ursache und Wirkung, sowie der Geist der größeren Zeiträume möglichst anschaulich gemacht werden muß; in die Details darf man nur bei den hervorragendsten Ereignissen und Persönlichkeiten eingehen, welche einen Einfluß auf Jahrhunderte hin geübt haben. — Anders liegt es nun für uns mit der Geschichte des Judenthums und der Juden. Hier kann nicht die Rede davon sein, daß man irgend welche Periode als vorzugsweise für den Unterricht berechtigt betrachtet und empfiehlt; wir müssen vielmehr unserer Jugend sowohl die biblische als die nachbiblische Geschichte lehren. Dieser Geschichtsunterricht soll die Einsicht in den ganzen Verlauf der Entwickelung unserer Religion und unseres Stammes gewähren, den Zusammenhang und die Kontinuität von Beginn bis zu unserer Zeit klarstellen; unsere Jugend soll daraus die Ueberzeugung schöpfen, sowohl von der Glaubenstreue und der festen Beständigkeit unseres Volkes als auch von dem göttlichen Wallen in den Geschicken desselben, um dieser Religion und ihrer Bekenner trotz aller Stürme, die über sie dahin gingen, bleibend zu erhalten; dieser Unterricht soll unsere Mission innerhalb aller Völker aller Zeiten und unsere Wirksamkeit auf die letzteren zum klaren Bewußtsein bringen; er soll endlich diese Geschichte der Jugend wie eine Familiengeschichte vorführen, welche um so mehr das Interesse jedes Mitgliedes dieses Bekenntnisses erregen muß. Aus diesen Momenten geht von selbst hervor, daß dieser Geschichtsunterricht ein wesentliches, ein unentbehrliches Element des Religionsunterrichtes ausmacht, und daß er unvollständig ist, wenn er irgend eine Periode in Betracht nimmt und Die anderen vernachlässigt. Obschon die Geschichte Israels bis zur Gegenwart über drei Jahrtausende umfaßt, giebt es doch wohl keine Geschichte eines anderen Volkes, welche eine so einheitliche Kette aller Begebenheiten aufweist, aus welcher kein Glied herausgerissen werden darf, ohne ein Räthsel über den Fortgang der Entwickelung zu hinterlassen. Wäre also die Frage, ob man in den jüdischen Schulen die Behandlung der einen Epoche der einer anderen vorzuziehen habe, um auf den Geist, die Gesinnung und die Ueberzeugungstreue zu wirken, völlig überflüssig — so wird eine richtige Methode um so nothwendiger. Aber auch hier scheint es uns unzweckmäßig, die Jugend zu sehr mit den übermäßigen Details zu belasten und zu belästigen, Details, welche doch bald wieder vergessen werden, die keinen tieferen Eindruck machen, dagegen die Jugend ermüden und sogar Abneigung gegen den Geschichtsunterricht bewirken. Was nutzt z. B. die Kenntnißnahme sämmtlicher Könige von Juda und Israel mit ihren Regierungsjahren, während es hinlänglich genügte, die hervorragendsten unter ihnen dem Schüler vorzuführen? Die Geschichte der Juden seit dem Untergang des weströmischen Reiches bietet zahllose Wiederholungen eines und desselben Geschickes dar, und man wird gewiß gut thun, außer einer allgemeinen scharfen Zeichnung und Schilderung der Verhältnisse und Ereignisse nur auf die gewichtigsten und folgereichsten Begebenheiten, wie z. B. die Kreuzzüge, die Verbannung aus Spanien und anderen Ländern näher einzugehen. Es versteht sich, daß ebenso die geistige Entwickelung mit den einflußreichsten Persönlichkeiten zur Kenntniß der Jugend gebracht werden muß, jedoch auch hier ohne auf ermüdende und der Jugend fernliegende Einzelheiten besonderes Gewicht zu legen. Dagegen müßten die Lage und Verhältnisse der Juden in der Zeit vor der Emancipation, der Kampf um dieselbe und ihr Eintritt in den verschiedenen Ländern etwas genauer dargestellt werden. So muß der Schüler schließlich mitten in die Gegenwart gestellt werden. Daß dieser gesammte Unterricht nach den verschiedenen Stufen und Cursen der Schulen geordnet sein muß, leuchtet i von selbst ein. 414, Deutschland. Berlin, 29. September. Die jüdische Gemeinde zu Berlin besitzt einen Begräbnißplatz in Weißensee. Von dem Kreisausschuß des Kreises Niederbarnim wurde sie dieserhalb als Forense nach einem Einkommen von 8000 Mark zu den Kreisabgaben für das Jahr 1888/89 veranlagt. Dieselbe erhob gegen diese Besteuerung Einspruch, indem sie ausführte.

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