Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1889)
- Date
- 1889-10-10
- Page
- Seite 639 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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IMS»«?.', ^**w?*,M ’t« v"'—rr-! 639 Auch Zephanja (3,14) fordert zur Freude auf: „Juble, Tochter Zions, Israel, jauchze, freue dich, frohlocke mit ganzem Herzen, Tochter Jerusalems!" — Wenn Jeremias die Verödung in Jerusalem wiederholt mit den Worten schildert: „Auf den Straßen keine Stimme der Freude, keine Stimme der Lust, keine Stimme des Bräutigams und keine Stimme der Braut;" wenn Ezechiel unter dem Banne des Exils keine Empfindung der Freude ausspricht, waren doch die Gesänge Zion's verstummt, die Harfen Israels an den Wassern von Babel aufgehängt an den Weiden — so öffnet Jesaias II., da er den Rückzug nach Jerusalem vor sich sieht und zur Theilnahme an ihm ausfordert, die Herzen seiner Hörer der Freude wieder. In die Verheißung der zukünftigen Herrlichkeit mischt er die Farben des Glückes, welches die Zurückgekehrten empfinden werden. Er ruft aus (51,3): „Wonne und Freude wird in Zion gefunden, Danklied und lauter Gesang" (vgl. V. 11, 65. 13). „Denn in Freuden sollt ihr ausziehen und in Frieden geleitet werden, die Berge und Hügel brechen aus vor euch in Jubel und alle Bäume des Feldes rufen euch Beifall zu." Ja, „ewige Freude" wird in Israel herrschen (67, 7). In gleichem Sinne spricht sich Secharja (2, 14) aus; nach ihm (8, 19) wird „das Fasten des vierten und des fünften und des siebenten und des zehnten Monats dem Hause Juda zu Lust und Freude und zu fröhlichen Festen werden: nur liebet die Wahrheit und den Frieden," und endlich (10, 7): „Ihr Herz soll sich freuen wie vom Weine; die Kinder sehen's und freuen sich, ihr Herz frohlocket im Ewigen." Hiermit verlassen wir die Propheten, die doch in ihrem Ernste und Eifer dem Geiste des Volkes gemäß der Freude nie vergessen als eines edlen Elementes der Menschenseele, in welcher gerade der Dank und die Zuversicht für und auf die Waltung Gottes, so wie die sittliche Reinheit des Gemüthes zum lebhaften Ausdruck kommen. Versenken >oir uns jetzt noch in das wirkliche Volksleben, so weit uns davon Andeutungen überkommen sind. (Schluß folgt.) Japan. Die Cultur schreitet von Osten nach Westen. Dieser oft wiederholte Spruch ist nur unter Beschränkungen richtig. Zwar stammt die europäische Cultur theils aus Palästina, theils aus Hellas und Rom, eroberte von hier aus Jberien, Gallien und Britannien und gewann Deutschland und Skandinavien für sich. Dagegen ging die arabische und die buddhistische Cultur von den Südländern Asiens aus, die elftere breitete sich ebenso nach Osten wie nach Westen aus, die letztere überzog den Osten Asiens. Ebenso drang die europäische Cultur vom Westen Europas in die Ostländer dieses Welttheiles ein und faßte hier Wurzel so viel ihr bis jetzt möglich war. Alle Versuche jedoch, welche in Afrika gemacht wurden zur Cultivirung der dortigen Völkerschaften, sie scheiterten stets. Nicht den Römern, nicht den Arabern, nicht den verschiedenen europäischen Völkern, welche in diesen Welttheil eindrangen, gelang es, die Bevölkerung nachhaltig zu cultiviren, und so bald die Franzosen Algier und die Briten das Cap verließen, würde die alte Barbarei wieder herrschend werden. Dennoch bewährte sich der alte Spruch, als die Cultur vom Westen über den Ocean schiffte und Amerika, Australien und Polynesien betrat. Allerdings waren es die Träger der Cultur selbst, welche diese großen Länderstriche von Neuem bevölkerten und der Civilisation neue fruchtbare Heimstätten errichteten, während die früheren Bewohner zum größten Theile ausstarben, zn einem kleineren immer weiter zurückwichen. Jetzt nun hat die europäische Cultur auch die Ostküste Asiens in diesem ihrem Fortschritt von Osten nach Westen erreicht, traf hier auf alte nationale Culturen, fand aber bereits einen Zugang in das Jnselreich Japan. Hier war lange Zeiten hindurch eine tiefgehende Spaltung zwischen der geistlichen und weltlichen Macht, und j bie erstere hielt die andere in festen Bauden. Zunächst wur-! den nun diese Fesseln gesprengt, und die weltliche Macht! ordnete sich die geistliche unter. Hiermit war der modernen j Cultur der Boden geebnet. Namentlich durch die gtünzen-! den Erzeugnisse europäischer Wissenschaft und Industrie —! man denke, welche Vortheile die Dampfschifffahrt einem Jnsel-! reiche bringen niußte — machten sich die intelligenten Schichi ten des japanesischen Volkes zu höchst bildsamen Anhängern, j und jüngst hat sich nun die weltliche Macht nach europäischem! Muster durch eine Verfassung organisirt. Die nächste Folge! jener Unterwerfung der geistlichen unter die weltliche Macht konnte und mußte die Religionsfreiheit sein. Bor etwa 25 Jahren sah man an den Straßenecken aller Städte Japans ein Brett geheftet, auf welchem man die Aufforderung las, jeden Anhänger „jener schrecklichen Secte der Christen" anzuzeigen, damit er ausgerottet werde; der Denunziant sollte eine Belohnung erhalten. Und jetzt enthält der § bi dieser Verfassung, daß jede Religion, welche nicht die Pflichten gegen den Staat verhindert, geduldet sei, völlige Freiheit genieße und daß ihren Anhängern gleiche Berechtigung zustehe. Hiermit hat sich Japan den höchst civilisirten Staaten cingereiht. Auch ist die Bestimmung dieses Paragraphen nicht, wie in manchem europäischen Staate, bloßes Wort, sondern die bedeutendsten Institute Japans, z. B. die Universität, zählen unter ihren Beamten resp. Lehrern Europäer von den verschiedensten Confessionen. Auch bedeutende europäische Firmen gehören bereits seit längerer Zeit Bekennern der jüdischen Religion zu. Bei dieser Wandelung darf man allerdings nicht außer Acht lassen, daß die Japaner von je her 4t*