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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-03 · Heft 40 (3.10.1889) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 40 (3.10.1889)
Date
1889-10-03
Page
Seite 632 (sequence 12)
Language
German
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632 Erfolge wahrnehmen, und nicht lange währte es, so förderten Regierung und Reichstag im ganzen Lande die auf Hausfleiß gerichteten Bestrebungen und unterstützten die Gemeinden, welche ihren Volksschulen für den Handarbeitsunterricht eine neue Classe hinzufügten. Für Schulen und Schüler war also gesorgt worden, allein noch fehlte es an geeigneten Lehrkräften. Da war es wieder August Abrahamson, der mit klarem Blick die Mittel zur Abhülfe erkannte und mit edlem Herzen sie gewährte. In herrlichster Lage erbaute er auf Nääs ein Seminar für Lehrer des Handfertigkeitsunterrichtes und stattete dieses Institut mit einer Summe von 200,000 Kronen aus. In seinem Neffen Otto Salomon fand er für die Verwirklichung' der Hoffnungen, welche er an die Begründung der Anstalt knüpfte, den geeigneten Mann, und die beiden Namen Abrahamson und Salomon sind nicht allein mit dem „Slöjd"-Seminar zu Nääs, sondern mit Allem, was auf die Entwickelung des Handarbeitsunterrichts Bezug hat, eng verbunden. In großer Anzahl strömten die Schüler dem Seminar zu, und in den wohlausgerüsteten Werkstätten begann alsbald rege Thätigkeit. Da kamen alte, im Dienste der Schule ergraute Lehrer, nahmen neben den jugendlichen College« an der Hobelbank und am Drechseltisch ihren Platz und folgten im Lehrsaale dem klaren Vortrage Otto Salomon's. Bald drang der Ruf der Anstalt über die Grenzen Schwedens hinaus, und aus allen Culturländern sowohl der alten als der neuen Welt, kamen Lehrer, um hier Schüler in dem neuen Unterrichtsgegenstande zu werden. Auch die fremden Regierungen fingen an, dem Unternehmen Beachtung zu schenken. So schickte das deutsche Reich eine Commission von Fachmännern nach Schweden, um sich an Ort und Stelle von den Leistungen der Handfertigkeitsschulen und des Nääser Seminars zu überzeugen. Beglückt durch solche Erfolge widmete sich Abrahamsohn mit stets erneutem Eifer seinem Werke. Kein herrlicheres Fest wird auf Nääs gefeiert, als wenn die Schüler der Werkstätten nach beendigtem Kursus in den schönen Räumen des Schlosses zum letzten Male als Gäste Abrahamson's versammelt sind. Dann sieht man den Wirth freudestrahlend und mit fast ängstlicher Bescheidenheit zwischen den Männern umhergehen, die nun bald in die weite Welt hinausziehen sollen, um an der gemeinsamen Aufgabe praktischer Jugenderziehung zu arbeiten. Das Streben nach äußerer Anerkennung liegt dem bescheidenen Manne fern. Trotzdem ist ihm dieselbe vielfach zu Theil geworden. Ehrenzeichen seiner vaterländischen und auswärtigen Regierungen schmücken seine Brust, wissenschaftliche und gemeinnützige Gesellschaften haben Abrahamson zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt. Für die erste Weltausstellung in Paris wurde er schwedischerseits in's Comit« berufen, und man ehrt in fremdem Lande sein Urtheil durch seine Ernennung zum Preisrichter für das Unterrichtswesen. Auch König Oskar von Schweden hat sich mit den Leistungen Abrahamson's durch vielfache Besuche auf Nääs näher bekannt gemacht. — Allmählich ist Nääs zu einer Stätte geworden, die von Fremden gern ausgesucht wird. Alle wollen den Ort sehen, der in der Geschichte des schwegischen Schulwesens so hochberühmt ist und dem Namen Abrahamson's ein bleibendes Gedächtniß sichern wird. Das ist August Abrahamson, ein edles Vorbild allem Volke, vor allem aber uns Israeliten, die wir mit Stolz unfern Glaubensbruder nennen. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Freude an seinen Werken zu genießen! Der Landsitz des Lir Moses Moniesiore. Ein Correspondent der „Frkft. Ztg." beschreibt diesen Landsitz in folgender Weise: Ramsgate, im September. Bon keinem Punkte der nach Osten ausschauenden Küste von Kent hat man einen besseren Ausblick auf die der Schifffahrt im Kanal so gefährlichen Goodwin-Sandbänke, den Leuchtthurm bei Kingsgate vielleicht ausgenommen, als vom Landgute des Herrn Joseph Sebag Montefiore, auf dem Eastcliff bei Ramsgate. Bei meinen ersten Besuch in Eastcliff Lodge war der Besitzer abwesend. Einer freundlichen Einladung folgend, den Besuch zu wiederholen, begab ich mich einige Tage später abermals nach Ramsgate, und wurde bei dieser Gelegenheit in den Familienkreis der Montefiore eingeführt. Die Eastcliff Lodge, der ich in meinem früheren Briefe einige Worte widmete, nimmt sich bei näherem Betrachten weit hübscher aus. Aus den herrlichen Schattengängen, welche von Zeit zu Zeit einen prächtigen Ausblick auf das sturmbewegte Meer gewähren, tritt man durch einen massiven Thorweg in einen beinahe viereckigen Hvsraum, um welchen das zinnengekrönte Wohnhaus gebaut ist. Großartig läßt sich das Gebäude kaum nennen; aber was ihm an Prätensionen abgeht, das ersetzt es durch äußere Gefälligkeit, Bequemlichkeit im Innern, schmucke Ausstattung und prächtige Lage. Auf der Thürschwelle ist das Wort „Willkommen" in Mosaik eingelassen, und über der Thür liest man über dem Familienwappen die Devise „think and thank“ und den Wahlspruch des hochherzigen Sir Moses: Deo et labore. Ich wurde von Frau Montefiore sehr zuvorkommend empfangen, und nach wenig Minuten folgte uns auch Herr Montefiore, der würdige Neffe und Erbe des Sir Moses, in

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