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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-03 · Heft 40 (3.10.1889) · p. Seite 631

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 40 (3.10.1889)
Date
1889-10-03
Page
Seite 631 (sequence 11)
Language
German
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631 nützlich, daß für die gegenwärtige Generation und ihre Nachfolger die Materialien sich mehren, durch welche das Wesen und die Form des Talmuds erkennbar und verständlich gemacht werdend Ist doch auf diesem Gebiete eine auch beschränkte Einsicht der völligen Unkenntniß vorzuziehen, die nicht weiß, ob sie sich auf die Seite des Vorurtheils oder der Apologie werfen soll. IseuiL August Abrahamson?) August Abrahamson, geboren am 29. December 1817 zu Carlskrona, ist einer Familie entsprossen, in welcher Anlagen für mechanische und technische Fertigkeiten erblich sind, und aus welcher auch die beiden bedeutenden deutschen Wappen- und Petschierstecher I. und A. Abrahamson hervorgegangen sind. Wahrscheinlich ist es dieselbe Familie, derer die Bossische Zeitung in Nr. 498 vom 20. October 1888 in einem Aussatze gedenkt, welcher schildert, in wie hoher Blüthe die Wappenschneidekunst zur Zeit Friedrichs des Großen in Berlin stand. Da die Eltern nicht bemittelt waren, so mußte der Knabe schon mit elf Jahren im Geschäfte thätig sein, welcher frühen Gewöhnung Abrahamson jene Lust und Kraft zur Arbeit verdankt, die ihn so sehr auszeichnet. Als er herangewachsen war, trat er bei einem Kaufmanne in Gotenburg als Lehrling ein und erhielt wegen seines Fleißes nnd seiner Tüchtigkeit schon nach wenigen Jahren ein für jene Zeit hohes Gehalt, mit welchem seinen unbemittelten Eltern zu Hilfe zu kommen für ihn, wie er heute noch gern erzählt, die größte Freude war. — Hand in Hand mit der Ausbildung in dem erwählten Berufe ging sein Bestreben nach Kenntnissen und nach künstlerischen Fertigkeiten. Nnd als er im Alter von 22 Jahren Muth und Tüchtigkeit genug besaß, um ein eigenes Geschäft zu begründen und in Blüthe zu bringen, wußte er die Frucht seiner Thätigkeit nicht schöner auszunutzen, als daß er Eltern und Geschwister zu sich nahm und für die Seinigen und sich einen glücklichen Hausstand begründete. Mit dieser Uebernahme von großen Pflichten wuchs die Arbeitsfreudigkeit. Seine Geschäftstüchtigkeit, sein umfassender Blick und seine Rechtschaffenheit machten ihm immer ausgedehntere Unternehmungen zugängig, und nach nicht zu langer Zeit wurde sein Handelshaus eines der angesehensten in Schweden. Neben den geschäftlichen Erfolgen gewann er in hohem Maße das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger. Seine schon in den Jünglingsjahren ausgesprochene Liebe zu Kunst und Wissenschaft führte ihn dazu, sich einen 1) Aus den „Mittheilungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" Nr. 24, le 1 on. gewählten Umgang zu suchen, und seine persönliche Liebenswürdigkeit, seine Gastfreundschaft, dazu sein wachsender Wohlstand machten sein Haus zu einem Sammelpunkt der guten Gesellschaft Gotenburgs. Dieser Verkehr gewann aber dadurch noch besonderen Glanz, daß die zu jener Zeit gefeierte Sängerin Euphrosyne Lemann als Gattin in Abrahamson's Haus einzog, welches nun von allen Gebildeten und namentlich von Jüngern der Kunst, speciell der Musik, mit großer Liebe besucht wurde. Nicht lange sollte das Glück dieser Ehe währen. Abrahamson sah die heißgeliebte Gattin erkranken und ihrem Leiden erliegen. Er ertrug den schweren Schlag mit Seelenstärke und suchte und fand seinen Trost darin, das Andenken der Verstorbenen zu ehren. Zunächst überwies er der musikalischen Academie in Stockholm eine Stiftung von 25,000 Kronen, deren Zinsen zur Unterstützung von Musikstudirenden verwandt werden sollen. Sodann verließ er den Ort seines Schmerzes, Gotenbnrg, übertrug fremden Händen sein Geschäft und kaufte für sich als Ruhesitz die etwa eine Meile lange Insel Nääs mit ihrem prächtigen Schlosse. Zu jener Zeit brach sich in Schweden die Erkenntniß Bahn, daß bei der Erziehung der Jugend mehr als bisher auf die Erwerbung von Fertigkeiten für practische Berufe Rücksicht genommen werden müsse. Wohl war das schwedische Volk in früheren Zeiten an Hausfleiß gewöhnt, doch als die fortschreitende Cultur Maschinenfabrikate zu Preisen herstellte, mit denen die häusliche Arbeit nicht wetteifern konnte, da erlahmte die Lust zur Hausindustrie, und mit ihr schwand auch bald das Können. Beides wieder zu erwecken, war das Ziel einer Bewegung, deren eifriger Vorkämpfer Abrahamson wurde. Hatte er ja selbst frühzeitig den idealen Werth der Arbeit kennen gelernt. Doch während seine Gesinnungsgenossen sich damit begnügten, in Schrift und Wort für den Hausfleiß einzutreten, suchte er sogleich durch thatkräftiges Handeln die Frage der Lösung näher zu bringen und errichtete 1872 auf Nääs eine Hausfleißschule für Mädchen, zu deren Unterhalt er die Summe von 50,000 Kronen bestimmte. Noch in demselben Jahre folgte eine gleiche Anstalt für Knaben, welche Abrahamson mit einem Fonds von 25,000 Kronen ausstattete. Bald konnte man erfreuliche 40*

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