Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1889)
- Date
- 1889-10-03
- Page
- Seite 630 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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630 wickelte, wie er sein Amt auffasse und zum Heile der Gemeinde auszuführen gedenke. — In Rosenberg (Oberschlesien) wurde am 19. September die neuerbaute Synagoge feierlich eingeweiht, woran die gesammte Bürgerschaft eine herzliche Theilnahme erwies. Festreden hielten der Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beuthen und der Cantor Blumenfeld. Abends fand ein gemeinschaftliches Mahl mit 175 Theilnehmern statt. — Aus Hamburg wird uns vom 21. September mitgetheilt: die Amtseinführung und Antrittsrede des neu erwählten Predigers am Hamburger Tempel, Herrn Dr. E. Seligmann, fand heute Vormittag statt. Er tritt an die Stelle des verstorbeuen Predigers Dr. Jonas. Der beliebte Kanzelredner Dr. Leimdörfer hielt die Ansprache an den neuen Prediger, in welcher er die Verdienste des Hamburger Tempels rühmte. — Gewiß ist es anzuerkennen, daß es der Hamburger Tempel war, der den Anstoß zur Verbesserung des Gottesdienstes und zur Beseitigung veralteter Mißbräuche gegeben und der Neugestaltung unseres Cultus einen richtigen Weg angebahnt hat, indem er das geschichtlich Gegebene mit den Bedürfnissen unserer Zeit zu vereinigen suchte. Jndeß hielt sich der Redner, wie es bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt, nicht von Uebertreibungen fern, namentlich wenn er die Vereinigung der Wissenschaft und ihrer Fortschritte mit dem Glauben und der überkommeuen Satzung vom Hamburger Tempel ausgehen ließ. Im Grunde hat dieser mit der Verbesserung des Gottesdienstes seine Mission als geendet angesehen und keine weitere Leistung in der langen, seitdem verflossenen Zeit auszuweisen. — Der neue Prediger hielt eine recht eindringliche Predigt. Er sagte u. A.: „Wir leben noch immer in der Zeit des Ueberganges. Leider bestehen immer zwei Lager im Judeuthum, die wir zu versöhnen bestrebt sind. In Liebe und Frieden ist unsere Kraft, unser Streben, zur Versöhnung bestehender Differenzen. Vereinigen i wir uns in dem theuren Glauben; — was uns trennt, ist i nicht so schwer, als Das, was uns vereinigen sollte. Wir! Alle haben uns im Strom der Zeit geändert; die Stürme ' sind über uns hinweggegangen und haben uns geläutert. Ich gehöre nicht zu Denjenigen, die das Althergebrachte unentwegt preisen, ohne eingehende Prüfungen angestellt | haben, aber wir dürfen uns den Glauben und die Pietät für die alte Lehre nicht aus dem Herzen reißen lassen. Das treue jüdische Herz soll den Friedensboten zwischen den Par- : kieit machen. — Am 22. d. wurde zu Enghien les Bains! bei Paris eine neu erbaute Synagoge eingeweiht. — Aus « Pest wird uns geschrieben: Der Rabbinats-Candidat Dr. M. I Sebök, ein Zögling des Breslauer Rabbiner-Seminars, der 1 für die hohen Feiertage nach Czegzard berufen war, ver- 1 schied hier den 19. d. M. im Alter von 27 Jahren. — In \ Rawicz wurde am 20. d. die neuerbaute Synagoge feierlichst j eingeweiht. Die dortige Zeitung nennt sie einen „Prachtbau", dessen Schönheit sie nachdrücklich rühmt. Alle Behörden der Stadt, Civil und Militär, nahmen an der Feier und dem darauf folgenden Festmahl Theil. Der Rabbiner, Herr Dr. Lob, hielt die Festpredigt in eindringlichster Weise. In seinem Toaste hob der Bürgermeister das friedliche Einvernehmen hervor, das stets zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung der Stadt geherrscht hat, und auf dessen Fortbestand er sein Glas leerte. Bonn, 24. September. (Literarische Notizen.) Von der bereits angekündigten „Mendelssohn-Bibliothek" liegen in ansprechender Ausstattung Nr. 1—6 uns vor. Nr. 1 enthält die „Rettung der Juden von Manasse ben Israel", welche in englischer Sprache London 1656 und in deutscher Uebersetzung von Mendelssohn, Berlin 1782, erschienen. Nr. 2 und 3 die Frauen in der jüdischen Literatur, ein Bortrag von Dr. Gustav Karpeles, Nr. 4 das Mädchen von Tanger von Dr. W. Herzberg, Nr. 5 Abtrünnig von Leo Herzberg-Fränkel, Nr. 6 Wenn das Glück will von S. D. Weiskopf. Wir wünschen recht sehr, daß dieses Unternehmen, welches eine lebhafte Wirkung auf das größere Publikum beabsichtigt, vollen Auklang finde und die Herausgeber stets eine angemessene Wahl treffen mögen. — Herr Dr. Leimdörfer in Hamburg hat die Festrede, die er zur goldenen Hochzeit des Herrn Rabb. Prof. Philipp Heidenheim am 28. August gehalten unter dem Titel „Die Zelte der Frommen" im Druck erscheinen lassen. Dieselbe ist in höchst würdiger Weise der Veranlassung angemessen gehalten und ebenso gemüthswie geistreich. — Von dem „Kurzgefaßten Leitfaden für den grammatischen Unterricht in der hebräischen Sprache von Dr. L. Knoller (Breslau, Jacobsohn 1890)" ist die zweite verbesserte Auflage erschienen, und kann das Schriftchen zu seinem Zwecke wohl benutzt werden, da es ebenso das Unerläßliche der bebräischen Grammatik bringt, als Ueberflüssiges für den ersten Unterricht vermeidet. — Bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. erscheint unter dem Titel bzz bw „Lehrbuch zum Selbstunterricht im babylonischen Talmud", Ausgewählte Musterstücke aus dem Talmud mit möglichst sinn- und wortgetreuer Uebersetzung des Textes und des Commentars Raschi, mit sprachlichen und sachlichen Erläuterungen und mit einer Einleitung in den babylonischen Talmud versehen. Nach Materien geordnet und bearbeitet von Rabb. Lederer in Marienbad. Die beiden ersten Hefte sind uns nicht zugekommen; das dritte Heft enthält Partien aus dem Tractate Chulin. Es versteht sich von selbst, daß diejenigen, welche den Talmud studiren wollen, durch dieses Werk gefördert werden; selbstverständlich kann es nicht ausreichen, das Selbststudium des Talmuds zu einem für die wirkliche Kenntniß und ein gewisses Verständniß wesentlichen Ziele zu führen. Jedenfalls ist es