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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-03 · Heft 40 (3.10.1889) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 40 (3.10.1889)
Date
1889-10-03
Page
Seite 625 (sequence 5)
Language
German
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625 diesen Gedanken nahe gelegt haben. Dann sehen wir ein für das Ansehen des Synedriums fanatisch eifriges Oberhaupt desselben in buchstäblicher Auffassung eines Schrift- Wortes den an sich richtigen Grundsatz, daß Alle vor dem Gerichtshöfe gleich seien, geltend machen, ohne Berücksichtigung, daß er hierdurch das Ansehen des Königs schädige. Er bleibt aber hierbei allein, von den übrigen Mitgliedern des Tribunals im Stich gelassen, und hieraus wurde als Schluß gezogen, was die Stellung des Königs auf dem Gebiete der Rechtspflege bestimmt definirte. — Um denjenigen Lesern, welchen das Original nicht zugänglich ist, von dem Wesen und der Form des Midrasch eine klare Vorstellung zu geben, sei hier folgende Stelle (Sanh. 22, 2) angeführt, die zugleich bezeugt, welche Bedeutung die Talmudisten der Ehe beilegten, woraus auch folgt, wie abgeneigt sie der Scheidung waren. R. Jochanan hat gesagt: Ein jeder Mensch, dem sein erstes Weib stirbt, ist so, als wäre der Tempel in seinen Tagen zerstört worden, wie es heißt Ezech. 24, 16: „Menschensohn! siehe, ich nehme mir die Lust deiner Augen durch eine Seuche, aber du sollst nicht klagen und nicht weinen und keine Thräne lassen", ferner heißt es das. 18: „Und als ich redete zu dem Volke am Morgen, da starb mein Weib am Abend", ferner das. B. 21: „Siehe, ich entweihe mein Heiligthum, den Stolz eurer Macht und die Lust eurer Augen." R. Alexander hat gesagt: Einem jeden Menschen, dem sein Weib in seinen Tagen stirbt, ist die Welt um sich verfinstert, wie es heißt Hiob 18, 6: „Das Licht ist finster in seinem Zelte und seine Leuchte über ihm erlischt." R. Jose bar R Chanina hat gesagt: Seine Schritte werden kurz, wie es heißt das. V. 7: „Kurz werden seine kräftigen Schritte." Abahn sagte: Sein Rath verfällt, wie es heißt das. B. 7: „Und es wirft ihn hin sein Rath." Nach Rabba bar bar Chana hat R. Jochanan gesagt: Die Paarung (Berheirathung) ist so schwer, wie das Spalten des Schilfmeers, wie es heißt Ps. 68, 7: „Gott führt die Einzelnen (Alleinstehenden) in ihr Haus, führt Gefesselte heraus in die Gradheit." Lies nicht: D'-'dx N'äiD, er führt Gefesselte heraus, sondern “tton wie man Gefesselte herausführt; ferner lies nicht: rnTtfiD:;, in Gradheit, sondern (das Wort theilend): rrT#; weinend und singend. Ist es denn also? Nach Rab Jehuda hat doch Rab gesagt: Vierzig Tage vor der Bildung des Kindes läßt eine Himmelstimme die Worte vernehmen: Die Tochter von dem und dem soll an den und den verheirathet werden? Es ist keine Schwierigkeit (Frage)? Das eine gilt in Bezug auf die zweite Berheirathung. R. Samuel bar Nachman hat gesagt: Für Alles findet ein Ersatz statt, ausgeuommen für das Weib der Jugend, wie es heißt Jes. 54, 6: „Und wie das Weib der Jugend, weil sie verhaßt geworden." Rab Jehuda hat seinem Sohne gelehrt: Ein Mensch findet nur bei seinem ersten Weibe Gemüthsruhe, wie es heißt Spr. Sal. 5, 18: „Es wird deine Quelle versiegt sein mtb freue dich des Weibes deiner Jugend." Dieser fragte ihn: z. B. welche? Er antwortete ihm: z. B. deine Mutter. Ist es denn also? Rab Jehuda las seinem Sohn Rab Jizchak doch den V. Koh. 7, 26 vor: „Ich fand, bitterer als der Tod ist das Weib, das selbst eine Falle ist und Netze ihr Herz?" Da fragte ihn dieser: z. B. welche? Er antwortete: z. B. deine Mutter. Antwort: Sie war leicht zornig, ließ sich aber durch Worte besänftigen. R. Samuel bar Onja hat im Namen Rabs gesagt: Ein Weib ist ein unvollendetes Geräth und es geht ein Bündniß nur mit dem ein, der es zu einem Gefäße macht, wie es heißt Jes. 54, 5: „Denn dein Gemahl ist dein Bildner, Ewiger der Heerschaaren ist sein Name." Es ist gelehrt worden: Der Mann stirbt nur seinem Weibe und das Weib seinem Manne. Ein Mann stirbt nur seinem Weibe, wie es heißt Ruth 1, 3: „Und es starb Elimelech, der Mann der Naemi", und ein Weib stirbt nur seinem Manne, wie es heißt Gen. 48, 7: „Als ich von Padan kam, starb mir Rachel."—Es spricht sich hier überall eine Innigkeit des Gefühls aus, die schon von selbst die Heiligkeit der Ehe voraussetzt und festigt. Deutschland, Berlin, 22. September. Wir lesen in der „Boss. Ztg.": In der am Mittwoch unter Vorsitz des Stadtraths Schreiner abgehaltenen Sitzung der städtischen Schuldeputation kam es zur Sprache, daß die Inhaberin der höheren Töchterschule in der Potsdamer Straße 113., Fräulein M. Boretius, grundsätzlich die Aufnahme von Schülerinnen jüdischer Eltern verweigere und dies den letzteren schriftlich mittheile. Eine Anzahl von Briefen lagen der Deputation vor und kamen zur Verlesung. Es wurde beschlossen, in eine nähere Prüfung der Angelegenheit auf Grund eines einzubringeuden förmlichen Antrages in einer der nächsten Sitzungen der Deputation einzugehen. — Hierzu bringt die „Bolksztg." einen Brief der betr. Schulvorsteherin, welcher dem Blatte zur Verfügung gestellt worden ist. Das vom 19. August datirte Schreiben lautet: „Villa 5, 113. Potsdamer Straße. Geehrter Herr! Ihre gefälligen Zeilen vom gestrigen Tage

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