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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-26 · Heft 39 (26.9.1889) · p. Seite 613

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 39 (26.9.1889)
Date
1889-09-26
Page
Seite 613 (sequence 9)
Language
German
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613 hinzu, er werde in der Pflege des Patriotismus und der Kultur stets Hand in Hand mit dem Lehrkörper gehen. JaroSlau, 8. September. Von den beiden Offizieren, welche, wie man vermuthet, aus politischen Motiven einem Attentate zum Opfer fielen, ist der eine, Oberlieutenaut Douat, der Sohn einer armen jüdischen Wittwe aus Böhmisch- Brod, der sich vom ehemaligen Feuerwerker zum Offizier emporgeschwungen hat. Er wird von Vorgesetzten, Kameraden und Untergebenen, wie nicht minder von Civilisten, mit denen er Umgang hatte, als ein Mann von seltener Güte und Freundlichkeit gepriesen. Sein heute stattgehabtes Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer Kundgebung allgemeiner ehrenvoller Theiln ahme. Der Sarg war ganz mit Kränzen bedeckt. Nebst den Mitgliedern des gesammten hiesigen Offizierkorps und der gesammten Mannschaft der Batterie-Division, bei welcher der Verstorbene gedient hatte, begleiteten die Spitzen sämmtlicher Stadtbehörden, wie auch die Elite der hiesigen Bürgerschaft sammt deren Frauen den Sarg, hinter welchem unmittelbar die beiden aus Schwarz-Kostelets und Böhmisch- Brod hierhergekommenen Brüder des Verstorbenen einherschritten. Eine nach mehreren Tausenden zählende Volksmenge folgte dem Zuge; hinter dem Offiziercorps ging die Repräsentanz der hiesigen jüdischen Kultusgemeinde mit dem Rabbiner Herrn S. Waldberg und dem Synagogen-Chor. An der Grenze des Stadtgebietes hielt der Zug» Rabbiner Waldberg hielt eine ergreifende Abschiedsrede, und nachdem die Sänger einen Choral vorgetragen, wurde der Sarg nach j dem fast eine Meile von der Stadt entfernten jüdischen Friedhofe gebracht. Kisber (Galizien), 15. Sept. Kaiser Franz Joseph ist heute früh hier eingetroffen und wurde am Bahnhof, sowie beim Einzug in die Stadt von der Bevölkerung sehr enthusiastisch begrüßt. Um 9 Uhr wohnte der Kaiser dem Gottesdienste bei und empfing nach Beendigung desselben verschiedene Deputationen. In Beantwortung der Ansprache der Deputation des katholischen Clerus drückte der Kaiser die Hoffnung aus, die Geistlichkeit werde stets Treue für den Thron und das Vaterland zeigen und brüderliche Eintracht unter den Bewohnern aller Confessionen fördern. Rußland. Petersburg, 15. September. (Privatmitth.) Was in diesen Blättern stets behauptet wurde, daß die Intoleranz, die sich gegen eine Confession richtet, sich bald auch anderen Confessionen fühlbar macht, geht jetzt an der lutherischen Kirche in Erfüllung. Die Bekenner dieser Kirche haben in den baltischen Provinzen sich stets an der Verfolgung der Juden betheiligt und ihnen, so lange sie noch Macht dazu hatten, das Leben sehr sauer gemacht. Jetzt geschieht ihnen von der russischen orthodoxen Kirche ganz dasselbe, was bisher das Loos der Juden gewesen. Ja, in jüngster Zeit ist das Schicksal der beiden Glaubensgenoffenschaften ganz nahe an einander gerückt worden. Um nämlich dem Andrang lutherischer Studenten zu den Universitäten zu steuern, hat die Regierung jetzt beschlossen, daß von lutherischen Studenten nur derselbe Procentsatz zugelassen werde, der vor einigen Jahren für die jüdischen Studenten bestimmt worden. Noch mehr, nach der „Now. Wr." wird diese Maßnahme damit motivirt, es ließen sich viele Juden lutherisch taufen, um Zutritt zur Universität zu erlangen! Zuerst ist nicht ersichtlich, warum Juden zu der in Rußland so verfolgten lutherischen Kirche übertreten sollten, da, wenn sie eines Bortheils willen sich von ihren väterlichen Glauben trennen, sie doch größere Vortheile auf Seiten der orthodoxen Kirche fänden. Wir glauben deshalb an diese Sache nicht. Alsdann wäre es doch ungeheuerlich, um ein paar jüdischer Protestanten willen den Bekennern dieser Kirche insgesammt eine solche Beschränkung aufzuerlegen. Das Geschwätz der fanatisch antisemitischen „Now. Wr.", die in allen Händeln Juden wittert, und wahrscheinlich Antipathie der Regierung auch gegen die getauften Juden wenden will, lassen wir deshalb bei Seite und constatiren nur die gegen die Lutheraner gerichtete Maßregel. Bosnien. Sarajewo, 16. September. Anläßlich der Einweihung! einer neuen katholischen Kathedrale in Sarajewo (Bosnien)! hielt beim Festmahle, welchem Vertreter aller Konfessionen beiwohnten, Bischof Stroßmayer eine patriotische und sehr! loyale Rede, worin er sagte: „Dieser wunderbare Kirchenbau - wurde ermöglicht durch die Einigkeit aller im Lande veri tretenen Konfessionen und Nationen, welche als gemeinschaft- I lichen Zweck die Wohlfahrt Bosniens anstreben. Hier giebt es keine Serben, Juden oder Christen, hier giebt es nur! Brüder." i! Großbritannien. London, 18. September. Bor einigen Tagen wurde der Bericht des parlamentarischen Ausschusses zur Untersuchung der Einwanderung in das Ver. Königreich veröffentlicht. Die Einwanderung ist in den letzten Jahren stärker gewesen, als je zuvor, und stellen ans Rußland vertriebene Juden ein erhebliches Kontingent zu derselben. Am meisten Einwanderer treffen in Hüll ein, aber nur 6—10 pCt. der Ankömmlinge lassen sich in Hüll, Manchester, Leeds und ss

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