Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1889)
- Date
- 1889-09-26
- Page
- Seite 612 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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612 ja bei einer guten Schulbildung erst recht gedeihlich werden. Nach dem gleichen Ziele, und nicht blos mit Worten, sondern auch mit der That strebt der Gemeindebund und wir widmen willig diesem Zweige seiner Thätigkeit die vollste Anerkennung mit dem Wunsche, daß er dieselbe immer mehr ausdehne. Zunächst giebt der Bericht eine kurze Uebersicht über die Geschichte des Handarbeitsunterrichtes, namentlich in Deutschland und schließt hieran die Lebensgeschichte des Herrn August Abramson, der in Schweden diesen Unterricht mit großer Hingebung eingeführt und zur Blüthe gebracht hat. (Wir werden in einem der nächsten unserer Feuilletons diese Biographie wiedergeben. Redact.) Der Gemeindebund setzte sich mit Abramson in Verbindung und sandte zwei junge Lehrer nach dessen Seminar, um so seine Methode zu uns zu verpflanzen. Außerdem trat er in Correspondenz mit den Ortsvereinen, welche in Deutschland zur Förderung des Handwerks unter den Juden bestehen. Es werden hier aufgeführt die bez. Gesellschaft zu Berlin, Beuthen O.-Schl., Fränckel'sche Stiftung in Breslau, Gesellschaft in Danzig, Mendelssohn-Verein in Dresden, Verein in Düsseldorf, Israelitisches Waisenhaus in Eßlingen, Verein in Frankfurt a. M., Freiburg, Munk-Lefeld'sche Stiftung in Glogau, Verein in Hamburg, Hannover, Hildesheim, Schülerwerkstätte in der israelitischen Elementarschule zu Köln, Philanthropischer Fond in Köln, wohlthätige Gesellschaft in Königsberg i. Pr., Verein des Crefelder Rabkinats-Sprengels, Handwerker- und Dienstboten-Stiftung in Leipzig, Händler- Stiftung in Leipzig, Marks-Haindorff'sche Stiftung zu Münster, Verein zu Remagen, Schwerin, Breslau, Gleiwitz, Hannover, Kassel, Löbau, Mühlhausen im Elsaß, Nürnberg, Posen. Die dem Gemeindebunde zugekommenen vieler dieser Vereine werden in dieser Nummer der Mittheilungen abgedruckt. Außerdem unterhält der Gemeindebund aus seinen Mitteln 52 Lehrlinge. Unter den orthodoxen Juden halten viele ihre Kinder vom Handwerk zurück, weil sie fürchten, daß diese von der Beobachtung des Sabbaths und der Festtage abgehalten werden. Der Gemeindebund ließ daher durch seine Delegirten Erkundigungen einziehen, ob sich christliche und jüdische Handwerksmeister dazu verstehen, Lehrlinge anzunehmen, denen sie gestatten, Sabbath und Festtage zu halten. Die Antworten fielen günstig aus und es waren fast 200 Meister, die sich hierzu bereit erklärten. Wie gesagt, wir begleiten diese Thätigkeit des Gemeindebundes mit den lebhaftesten Wünschen. Oesterreich-Ungarn. Prag, 11. September. Unter den Führern der altczechischen Partei nimmt jetzt eine der ersten Stellen ein Glaubensgenosse, der Abg. Prof. vr. Zucker, ein. Bekanntlich ist jetzt das czechische Lager in Altczechen und Jungczechen gespalten, die einander recht heftig bekämpften. In diesen Tagen hielt Zucker eine Programmrede vor einer Wählerversammlung in Choteborz. Zugegen war das alte Haupt der Czechen Rieger. Es ist hier nicht der Ort, in die Rede Zuckers näher einzugehen. Als Zucker geschlossen, erhob sich Rieger, um an die Versammlung folgende Worte zu richten: „Professor Zucker ist einer der hervorragendsten, fähigsten und erleuchtetsten Parlamentarier, welche das böhmische Volk in den deutschen Reichsrath entsendet hat. Freund und Feind zollen seinem lauteren Charakter unbedingte Verehrung und ob seiner ausgezeichneten Qualitäten im juristischen Fache wie auch in der Kunst der Rede Anerkennung. Dabei kann ich nicht umhin, noch ein Moment zu berühren, das seine Person betrifft. Abgeordneter Zucker ist nämlich Jude. Ich, meine Herrn, sehe in diesem Umstande kein Hinderniß, warum Sie ihm nicht mit dem gleichen Vertrauen entgegenkommen sollten, wie überhaupt darin ein Hinderniß kein wahrhaft erleuchteter Mensch sehen wird. Gebe Gott, daß wir noch mehr solche Vertreter jüdischer Abstammung unser nennen könnten." (Stürmische Slava- und Vyborne-Rufe.) (Es ist schlimm genug, daß so etwas noch gesagt werden muß, was in den sechsziger Jahren und bis etwa 1875 nicht nöthig war.) Pest, 9. September. (Privatmitth.) Der Kultus- und Unterrichtsminister Graf Csäky besuchte heute in Begleitung des Staatssecretärs Berzeviczy und zweier Ministerialräthe die Landes-Rabbinerschule. Zum Empfang hatten sich neben dem Lehrkörper der Präsident des leitenden Komitss der Landes-Rabbinerschule Herr Martin Schweiger, ferner die Herren vr. S. Kohn und vr. I. Simon eingefunden. Herr vr. Kohn begrüßte den Minister und empfahl die Anstalt, deren geistiger Schöpfer Baron Eötvös und deren Gründer Trefort gewesen, dem Wohlwollen des Ministers. Graf Csaky versichert den Sprecher seines Wohlwollens und lebhaftesten Interesses für die Anstalt, wofür auch der heutige Besuch zeuge. Sodann schritt man an die Besichtigung des Tempels, der Lehrsäle — in einzelnen hörte der Minister den Unterricht an, an die betreffenden Professoren über die vorgetragene Disziplinen Fragen stellend —, der Bibliothek, woselbst Se. Excellenz besonderes Interesse für die zur Ansicht aufgelegten Jncunabeln und Grabsteinsinschriftswerke bekundete. Beim Scheiden sprach der Vorsitzende des Lehrkörpers Prof. M. Bloch dem Minister den Dank für die Ehre, deren die Anstalt theilhaftig wurde, aus, und empfahl diese dem Schutze Sr. Excellenz mit dem im eigenen und im Namen der Kollegen abgegebenen Versprechen, alles aufzubieten, um Religiosität, Vaterlandsliebe und Kultur zu fördern und zu pflegen. Der Minister dankte für diese Worte und fügte