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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-26 · Heft 39 (26.9.1889) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 39 (26.9.1889)
Date
1889-09-26
Page
Seite 606 (sequence 2)
Language
German
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bedeutend mit dem Frieden. Nicht minder aber wird das Schophar geblasen (6, 1) zur Warnung vor nahender Gefahr, daß Alles sich rüste zum Kampfe (Ezech. 7,14. 33, 5. j Joel 2, 1). Ja, wenn irgend ein Unheil in der Stadt los ist, bläst man das Schophar (Arnos 3, 6. Zeph. 1,16. vgl. Sech. 9, 14). So läßt Nehemia (4, 12) den Schopharbläser neben sich gehen, als die Mauer Jerusalems gebaut werden sollte und bedeutet das Volk, daß, wenn er blasen ließe, sich alle zu ihm sammeln sollten (4, 12). In der meisterhaften Schilderung des Rosses im Buche Hiob (39, 24) wird hervorgehoben, wie dasselbe, wenn es das Schophar hört, wiehert und davon jagt wie zur Schlacht. Es ertönte das Schophar, wenn das Volk versammelt werden sollte (Jerem. 4, 5) und Jesaias (18, 3) ruft alle Völker auf zu hören, wenn das Schophar geblasen wird, um sich nach Zion zu versammeln. Derselbe (27, 13) läßt „in das große Schophar stoßen, um alle Vertriebenen Israels aus allen Ländern zu sammeln." — Fragen wir nun, wie weit wir in der h. Schrift Andeutungen vom Gebrauche des Schophar bei gottesdienstlichen Feierlichkeiten finden, so sehen wir zuerst, daß bei der Offenbarung auf Sinai Schopharschall stark und eindringlich ertönte (2. Mos. 19, 16. 20). Weiterhin brachte David die Lade bei Schopharklang nach Zion hinauf (2. Sam. 6, 15). Joel läßt das Schophar auf Zion ertönen, um das Volk zu einem Fasten zu versammeln (2, 15). Am öftersten aber lassen die h. Sänger das Blasen des Schophar mit Gesang und den übrigen Instrumenten ertönen, um Gott Lobgesänge und Tankgebete anzustimmen (47,6. 98,6. 150,3). Ob 81,4 das Rösch haschanah oder das Peßachsest gemeint ist, an welchem Feste das Schophar geblasen werden soll, ist fraglich.*) Schließlich ruft der Psalmist (89, 16) aus: „Heil dem Volke, das kennet den Drommetenklang2;, Ewiger, in deines Singe» sichtes Lichte wandeln sie." Der Drommetenklang ist hier als ein integrirender Theil des Cultus zu verstehen, welcher Träger der Gottesverehrung ist. Der Vers toill also sagen. Heil dem Volke, das den im Vorhergehenden gepriesenen Weltherrscher und Weltschöpfer erkennt und anbetet, und in dieser Erkenntniß und Anbetung sittlich wandelt." Wir haben diese ausführliche Zusammenstellung gegeben, 1) Für das Peßach spricht, daß das Schophar zugleich mit den übrigen Jnstiumemen und mit Gesang (V. 3) verbunden wird; ferner, daß das Fest am Vollmond r022 (Spr. Sal. 7, 20) gedacht ist und düses «V. 6) eingesetzt sein soll beim Auszuge aus Egypten und zur Erinnerung an diesen. Die Tradition dachte an das 2aubhütnnftst, das am i4- Tage des 7. Monats gefeiert wird. j 2) ~r~n ist hier ganz absolut ohne erklärendes und bestimmen-! des Beiwort gebraucht; es mutz also ein bestimmtes nj/'rn gemeint fein, wofür es techn scher Ausdruck ist. Danu kann es nichts anderes > bedeuten als das Blasen des Schophar, das im Gottesdienste theils! vorgeschr ebener Mafien, theils in Begleitung des Gesanges und der! übrigen Instrumente verwendet wurde. Ebenso wird das Wort zur! Bezeichnung des Festes Rosch-Haschana im Gesetze gebraucht.! um zu zeigen, welche mannigfaltige Verwendung das Schophar im alten Israel gefunden. Wir hören es mit den! übrigen musikalischen Instrumenten und dem Gesang bei den gottesdienstlichen Festlichkeiten ertönen und zu diesen das Volk zusammenberufen. Wir erfahren aber auch, daß es bei allen Gelegenheiten, die das Volk betrafen, gebraucht wurde. Es leitete die Verkündigung des Friedens ein, warnte vor nahender Gefahr, zeigte dem Volke an, daß in der Stadt ein gefahrdrohendes Unglück eingetreten, es rief die Männer zum Kampfe auf, sich zum Kriege zu rüsten und zu sammeln, es ertönte in der Schlacht um die Bewegung des Heeres zu leiten, zum Angriff oder zum Rückzug. Aber für sich allein, um dem Feste einen besonderen Charakter zu verleihen, wurde das Blasen des Schophar vom Gesetze für den ersten Tag des siebenten Monats verordnet. Das Fest erhielt seinen Namen hiervon, und um die Einwirkung dieser Ceremonie anzudeuten, braucht das h. Wort die Bezeichnung nyrn ynuT d. h. der Erweckung eingedenk zu sein, welche durch dieses Blasen in den Seelen der Hörer hervorgebracht werden soll. (3. Mos. 23, 2!.) Sehr bezeichnend ist es, um zum richtigen Verständniß zu gelangen, daß, wie wir schon angeführt, dasselbe Blasen des Schophar und zwar durch das ganze Land zum Beginn des Jobeljahres, das davon den Namen hat, vom Gesetze verordnet worden, um Freiheit auszurufen für jeden in der Dienstbarkeit Befindlichen und zur Rückgabe jedes veräußerten Grundstückes an seinen Erbbesitzer oder dessen Rechtsnachfolger ohne Rückerstattung des Kaufgeldes, welches letztere daher nur in einem Pachtgelde für die Jahre bis zum Jobeljahre bestand. — Erinnern wir uns nun, daß dieser Festtag gewissermaßen zur Einleitung zum Bersöh» nungstage und dessen heiligenden Werke bestimmt ist, so kann uns die Bedeutung des Schopharblasens am Rosch haschana nicht mehr zweifelhaft sein. Es soll unsere Seele aus dem Schlummer erwecken, der in religiös-sittlicher Beziehung unseren Geist im Gleichmaß der Tage umfangen hält. Wer weiß es nicht, wie selten wir Einkehr halten in das Innere, in die Tiefen unserer Seele; wie. selten wir unseren religiössittlichen Seelenzustand prüfen und uns im Lichte der Wahrheit, der Aufrichtigkeit unsere Mängel und Fehler, unsere Verschuldungen zum Bewußtsein bringen, so sehr, daß wir ernstlich an unsere Läuterung und Besserung und an das Wiedergutmachen des Unrechtes, das wir begangen, denken und wirklich Hand anlegen. Und doch ist dies nothwendig, wenn das, was am Versöhnungstage unsere Aufgabe und unser Ziel sein soll, wirklich erfüllt werde. Das Blasen des Schophar soll uns hierzu erwecken,soll uns davor warnen, immer tiefer in unsere Schuldhaftigkeit zu versinken, soll uns hineinleiten in den Kampf mit uns selbst, mit unseren Neigungen und Leidenschaften, uns zu demselben anspornen und kräftigen. Wenn wir diese Bedeutung der uralten Ceremonie richtig

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