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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-19 · Heft 38 (19.9.1889) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 38 (19.9.1889)
Date
1889-09-19
Page
Seite 601 (sequence 13)
Language
German
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601 Finger mächtig! Schmerbauch prächtig! Was ihm bin ich? Was gewinn ich? Eins nur Hab ich: den Verstand! Doch Verstand ihn Niemals störet! Thor und Tölpel, Weinbethöret! Thorheit ist mir fremd und dunkel. Mein Verstand verläßt mich nicht. Er schaut nieder, Dünkt sich bieder, Reiner, feiner. Spottet meiner! Ich — nur spotte! — Wie die Motte Unten kriech' — er obenauf! Doch ich prüf' ihn Jede Stunde, Steht im Büchlein! Ist meine Kunde! Hier bin nicht, wie sonst ich unten, Nein, ich stehe obenan. Weinberg, Garten Glücksstandarten! Freudenspende Ohne Ende! Mit mir Armen Kein Erbarmen! Gott allein mein Beistand ist! Doch er bebet: Könnt' einst darben! Sturm könnt' brechen Seine Garben!- Zittern kennt nicht meine Seele, Eins mit meinem Gott mich weiß. Winter dräuet: Pelz ihn freuet! Gleicht — auf Ehr'! — Wolf und Bär. Und — o wehe! — Nackt ich gehe, Nur ein Lumpen deckt die Haut! Doch verzärtelt Ganz nach Brauche, Springt die Haut vor Jedem Hauche . . . Kalt läßt mich die Eiseskälte, Sturm und Wetter thun mir nichts. Daß vor Hitze Er sich schütze, Sitzt auf Matten Er im Schatten. Sonnengluten Auf mich fluten, Keine Mauer wehrt dem Brand! Doch sein Blut ihm Brennt und siedet, Und sein Fleisch die Sonne schmiedet.' An dem Tag des Himmelsfeuers Ist der Herr ein Schatten mir! Hört ihr ziehen, Melodieen? Festgepränge! Flötenklänge! „Arm an Tönen" Sie mich höhnen! Meine Feder ist mein Sang! — Im Vergnügen Geht er irre, Und verzehrt sich Im Gewirre Mein Herz trennt sich nicht vom Jubel, Meine Feder — meine Lust! Fahrt spazieren Bald mit vieren, Bald mit zweien, Zweimal dreien! Fahre nimmer, Denn mir immer Fuß und Stock Karosse sind. Doch er plötzlich Strauchelt, weilet! Rosse stürzen! Unglück eilet! Langsam zieh' ich durch die Straße, Kehre glücklich wieder heim. — Liebumkettet Schläft gebettet Er auf Daunen — Ihr mögt staunen! Ach, wie mager Ist mein Lager!

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