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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-19 · Heft 38 (19.9.1889) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 38 (19.9.1889)
Date
1889-09-19
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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599 Condö nennt, und welches unfern berühmten Glaubensgenossen, den Vicedirector der Sternwarte, Herrn Loewy, zum Erfinder hat. Die Kosten für die Herstellung dieses Instrumentes, die sich auf 300,000 Frcs. belaufen, hat ein anderer Glaubensgenosse, Herr R. Bischofsheim, der schon so viel für die astronomische Wissenschaft gethan — bekanntlich hat derselbe das große Observatorium zu Nizza mit seinen vorzüglichen Instrumenten auf seine Kosten errichtet — hergegeben. Großbritannien. London, im September. Der nächste Lordmayor von London, Sir Henry Jsaacs, wird der dritte Bürgermeister der City sein, der dem jüdischen Glauben angehört. Die beiden früheren Lordmayors jüdischer Konfession waren Sir David Salomons und Sir Benjamin Phillips. Persien. Pest, im September. Aus Urmia, einer Stadt des großen persischen Reiches, sind zwei jüdische Unterthanen des Königs der Könige bis nach Budapest gewandert, um ihre Beschwerden gegen die grausamen Unterdrückungen und Ausbeutungen, welchen ihre Glaubensgenossen von Seiten der persischen Beamten ausgesetzt sind, an Nassr Eddin's Barmherzigkeit und Gerechtigkeitsgefühl zu appelliren. Die Juden in Persien, welche von der Residenz entfernt wohnen, werden von den Beamten förmlich geplündert, und wenn sie Klagen führen, zu Tode gepeitscht. Schon anläßlich des Aufenthaltes des Schah in London erschien bei Nassr-Eddin unter Führung des Lord Nathaniel Rothschild eine Juden-Deputation, um seinen Schutz für die in Persien wohnhaften Juden zu erbitten. Der König der Könige zeigte sich über die Bitte sehr erstaunt und bemerkte, daß in seinem Reiche die Juden nach wie vor dieselben Rechte genießen, wie die anderen Einwohner. Der Premierminister, an welchen der Schah bei dieser Erklärung einige fragende Blicke richtete, bekräftigte dann wiederholt die Worte seines Herrn, allein die englischen Blätter meinten, daß sich der Schah mit diesen Worten blos aus der Affaire ziehen wollte, während thatsächlich Alles beim Alten bleiben werde. Als nun die beiden persischen Juden aus Nrmia Rachim Valad Baba und Jichoja Valad Jsmael in Budapest eintrafen, wandten sie sich an Professor Vümbvry, um durch seine Vermittelung eine Audienz beim Schah zu erwirken. Die Armen machten die weite Reise, wohl wissend, daß sie niemals mehr in die Heimat zurückkehren dürfen, wenn sie nicht dem Zorne der Beamten verfallen wollen. Die Beiden opferten sich aber für ihre Glaubensgenossen, denn sie wußten, daß in Teheran ein beschwerdeführender Jude nicht vorgelassen werde. Bämböry versprach das Gesuch der Juden dem König der Könige zu unterbreiten und der berühmte Gelehrte hielt auch redlich Wort. Am zweiten Tage des hiesigen Aufenthaltes des Schah war ein Saal in den Apartements Nassr-Eddin's — wie „Egienlösög" meldet — der Schauplatz einer erregten Szene. Der Gesandte Nerinan Khan überreichte dem Schah das von Vämbdry empfohlene Gesuch, doch kaum hatte der König der Könige dasselbe gelesen, rief er den Premierminister Mirza Ali herbei und fragte ihn, indem er ihm das Gesuch vor's Gesicht hielt: „Was hat das zu bedeuten? Mir sagt Ihr, daß die Juden keine Ursache zur Klage haben und siehe da. jene Menschen unternehmen — weil Ihr sie zu mir nicht vorlasset — eine Reise von vier Monaten, um ihre Beschwerde mir einznhändigen." Mirza Ali ward leichenblaß und lispelte einige Worte der Entschuldigung, aber Schah Nassr-Eddin rief ihm in barschem Tone zu: „Untersuche die Sache! Uebrigens werde ich auch dabei sein." Der Zorn des Schah hat den ganzen Hof verstimmt, aber umsomehr Freude verursachte er den beiden Bittstellern, welche nun auch Muth geschöpft haben, wieder heimzukehren. Bonn, 15. September. (Notizen.) Aus Alexandrien wird der Tod des Herrn Gabriel Pereyra de Leon gemeldet, durch dessen Hinscheiden die jüdische Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Er war „Kanzler" der Gemeinde, die Hauptstütze ihrer Verwaltung und ihrer meisten Institutionen. Er war zu Livorno im Jahre 1818 geboren und als glühender Patriot hat er sich 1848 an den politischen Ereignissen stark betheiligt. In Folge dessen mußte er Italien verlassen, ging nach Egypten, wo er sich eine geachtete Stellung zu erwerben wußte. Seiner Beerdigung und der Trauerfeier in der Synagoge wohnte auch der Vertreter Italiens an. — An Stelle des verstorbenen Fingi hat die spanische Gemeinde in Serajewo (Bosnien) den Rabbiner Ab. Abeon aus Trawnick berufen. — Aus Stockholm wird berichtet: Der bekannte Orientalist aus Pest, Hr. Ignatz Goldziher, der gegenwärtig als Delegirter der ungarischen Regierung beim Orientalisten-Congreß in Stockholm weilt, hat eine der vom König von Schweden vertheilten zwei Goldmedaillen erhalten. — An Stelle des Herrn vr. Gelbhaus ist Herr Dr. Schönberger, Rabbiner in Pasewalk, zum Rabbiner in Nordhausen gewählt. Pest, 9. September. (Literarische Notizen.) Das mit einem Kalender versehene rumänische Jahrbuch der Israeliten ,L.ouar pentru Israeliti“, das für das Jahr 5050 (1889/90) in seinem 12. Jahrgange erschienen ist (6uenrssti 1889), fährt fort, Cultur und Wissen unter den Juden Rumäniens zu verbreiten. Bon besonderem Interesse i» 38*

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