Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1889)
- Date
- 1889-09-19
- Page
- Seite 595 (sequence 7)
- Language
- German
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595 Gelds verhalf, und Milde für diesen, daß er für ihn aus seinen Mitteln bezahlte. Und so war es auch bei David, von dem es heißt: „Er übte Recht und Milde an seinem ganzen Volke," d. i. das Recht an diesem, daß er ihm zu seinem Gelde verhalf, und Milde an diesem, daß er für ihn aus seinen Mitteln bezahlte. Rabbi warf die Frage auf: Da sollte es doch nicht heißen: Er übte Milde an seinem ganzen Volke, sondern es müßte heißen: Er übte Milde an den Armen? Deshalb meint Rabbi es so: Obgleich er (David) nicht für ihn aus seinen Mitteln bezahlte, war doch Recht und Milde vorhanden, Recht für den, dem er zu seinem Gelde verhalf, und Milde für den, weil er den Raub (das Geraubte) ihm (dem Räuber) aus seiner Hand zog. Diese Ansicht aber streitet mit R. Tanchum bar Chamilai, denn dieser hat gesagt: Die Schriststelle (Ps. 10, 3) bezieht sich nur auf das Werk des (goldenen) Kalbes, wie es heißt Ex. 32,5: „Und Aaron sah (nvi) uni) baute einen Altar vor ihm." Was sah er?"1) R. Benjamin bar Jephet hat im Namen des R. Eleasar gesagt: Er sah wie Chur vor ihm geschlachtet worden war. Daher dachte er: Wenn ich ihnen nicht willfahre, so thun sie mir jetzt, wie sie Chur gethan haben, und es bestätigt sich an mir Threni 2, 22: „Wenn ermordet wird im Heiligthuwe des Ewigen Priester und Prophet," und es giebt für sie keine Wiederherstellung (Hilfe), es ist daher besser, sie dienen dem Kalbe, vielleicht giebt es für sie eine Wiederherstellung (Hilfe) durch Buße. R. Simeon ben Manasja hat gesagt: Wenn zwei Personen vor Gericht vor dir erscheinen, so darfst du, ehe du ihre Worte hörst, oder wenn du ihre Worte hörst und nicht weißt, wohin das Recht sich neigt, zu ihnen sagen: Geht und bringt einen Vergleich zwischen euch zu Stande. Hast du aber ihre Worte gehört und weißt du, wohin das Recht sich neigt, da darfst du nicht mehr zu ihnen sagen: Geht und bringt einen 1) Der Talmud deutet die Textworte: pn N~ri und Aaron sah und baute einen Altar vor ihm, in dem Sinne: nizJD p-'i '« NV], Aaron sah und merkte sich den, der erschlagen vor ihm (lag)W. Der Sinn der Textworle ist: Aaron sah's, d. h. was das Volk gethan. Die Erklärung giebt V. 21 sf. Vergleich zu Stande, denn es heißt Prov. 17, 14: „Ein Wasserdurchbruch ist der Beginn des Zankes, darum, bevor er herausbricht, laß ab vom Streit", d. i. ehe der Streit ausbricht (d. i. vor dir klar dargelegt worden ist), darfst du das Recht verlassen 2), nachdem der Streit dir aber schon klar dargelegt worden ist, darfst du das Recht nicht verlassen. *) Re sch Lakisch hat gesagt: Wenn zwei vor Gericht kommen, von denen der eine weich und der andere hart ist, ehe du noch ihre Worte hörst, oder wenn du sie schon gehört hast, du weißt aber noch nicht, wohin das Recht sich neigt, so darfst du zu ihnen sprechen: Ich bin für euch nicht zur Verfügung; denn vielleicht wird der Starke für schuldig befunden und er verfolgt ihn (den Richter); wenn du aber ihre Worte gehört hast und weißt, wohin das Recht sich neigt, so darfst du nicht mehr zu ihnen sagen: Ich bin für euch nicht zur Verfügung, denn es heißt Deut. 1, 17: „Fürchtet euch vor keinem Manne." R. Josua ben Karcha sagt: Woher wissen wir, daß ein Schüler, wenn er vor seinem Lehrer sitzt und die Unschuld auf der Seite des Armen und die Schuld auf Seiten des Reichen sieht, nicht schweigen soll? Weil es heißt: „Fürchtet euch vor keinem Manne" und R. Chanin das erklärt: Du sollst deine Worte nicht vordem Manne hineinführen (zurückziehen). Die Zeugen sollen wissen, gegen wen sie zeugen und vor wem sie zeugen und wer sie einst bestrafen wird, denn es heißt daselbst 19, 17: „Es stehen die zwei Männer, die einen Streit haben, vor dem Ewigen," und die Richter sollen wissen, wenn sie Recht sprechen, vor wem sie Recht sprechen und wer sie einst bestrafen wird, denn es heißt Ps. 82,1: „Gott steht in der Gemeinde Gottes, in der Mitte der Richter richtet er." Und so heißt es von Jehosaphet 2. Chron. 19, 6: „Ec sprach zu den Richtern: Seht was ihr thut; ihr richtet nicht für Menschen, sondern für Gott." Sollte vielleicht der Richter denken: Was soll mir diese Angst (vor der Strafe, wenn ich irre)? so heißt es: „Wie es bei euch (nach eurer Ueberzeugung) ist in Sachen des Rechts;" der Richter hat sein Urtheil nur darauf zu gründen, was seine Augen sehen. (Forts, folgt.) 2) Einen gütlichen Vergleich zu Stande bringen. W. 3) Du mußt dem strikten Recht seinen Laus lassen. W- Deutschland. Berlin, 9. September. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit wird die Frage über die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, welche die ihnen irrthümlich auferlegte Strafe ganz oder theilweise verbüßt haben und durch eine wieder aufgenommene Untersuchung für unschuldig erklärt wurden, vielfach ventilirt und eine desfallsige Forderung an den Staat gestellt. Die Gesellschaft ist es, welche jenen Unglücklichen so tiefe Wunden geschlagen und zwar ungerechter Weise; also, folgert man, ist auch die Gesellschaft verpflichtet, eine mögliche Entschädigung zu leisten. Eine mögliche, denn in vielen