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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 586 (sequence 14)
Language
German
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586 Wie süß war doch des Schlummers Rast Nach heißer, schwerer Arbeitslast, Und wie hat neugekräftigt wieder Der süße Schlaf die müden Glieder — O, Träumer, auf, zerbrich des Schlafes Ketten! Vernimmst du Gottes Stimme nicht im Allgetrieb'? Wie sie zur Arbeit ruft, zum Wagen, Wetten, Und mahnend weckt des Menschen Schaffenstrieb — Zu Pflügen und zu säen, Zu pflanzen und zu mähen, Kunstgebilde zu gestalten, Forschungseifer zu entfalten — Und du, du könntest müßig trübe brüten?! Erwach', mein Schaffenstrieb, und fasse frohen Muth, Der Erd' entlockt des Himmels Licht nur Blüthen, Und deine Saaten reift des Tages heiße Glut! Salomon Jakob Cohn. Geb. zu Groß-Meseritsch in Mähren 176«, gest. in Hamburg 1845. Israels Ruhm. — Verstummen muß der Feind, der uns geschmäht, Denkt er der Macht, die niemals untergeht. Ihr könnt die Seher, die Geschichte fragen, Noch lebt der Gotteshauch, der uns getragen! Der Holzstoß nicht und nicht der blanke Stahl Hat unserm Volk gemindert seine Zahl. Wo aber ist der alten Völker Macht? Vernichtet hat der Herr sie und verlacht! Nicht Aschur, Babel nicht, — des Ruhmes Pole, — Nicht Hellas, Rom, — der Kunst, der Kraft Symbole, — Hat der Vernichtung Wetterstrahl verschont. Dahin, was nach dem Weltbesitz gestrebt, Was auf der Menschheit Höhen einst gethront; Ihr Name blos und ihre Sprache lebt! Und du, Jeschurun, unstät hier und dort, Deß Pfeil die Klage, dessen Schwert das Wort, Und dessen Lebensgift der Völker Wuth, Wie schleifst die Kette du so stolz dahin! Jahrtausende sahst du vorüberzieh'n — Nie wankte noch dein Sinn, dein Glaubensmuth. Ja, ruhmvoll lebst und wirkst du fort und fort, Die Heimath blüht dir nun an jedem Ort. Der Rest der Hartgeprüften füllt die Welt; Und fehlt das Scepter dir, die Herrschermacht, Doch lebst du sicher, vom Gesetz bewacht, Der Herrscher milder Sinn dich aufrecht hält! Und was mit dem Leide uns versöhnt, Als uns des Feindes Haß verfolgt, verhöhnt? Das Band der Liebe, Mitleid, Einigkeit! Wer im Exile einen Freund erschaut, Wähnt Zions Tempel wieder aufgebaut, Vereint zu dulden sind sie froh bereit. (Ueberseht von Lettens.) Max Letteris. Geb. in Lemberg 1807, gest. in Wien 1875. Die Taube girrt. O, wie weh ist mir zu Muthe, Ruhelos zu irren, Aus der sichern Felsenhut Muß dahin ich schwirren, Daß von wildem Sturm erfaßt, Doch die matten Schwingen Mich auf ödem Zweig zur Rast Nach dem Walde bringen. Ach, mein Liebster ließ zurück Grollend mich in Bangen, Als mich zog zu schnödem Glück Sündiges Verlangen. Fremden Buhlen ging ich nach, Treulos meinem Trauten, Rief der Feinde Grimm ich wach, Scheel sie auf mich schauten. Seitdem er sich mir entwand, Steht mein Aug' in Thränen, Mit ihm jede Freude schwand; Hoffnungsleeres Sehnen Ist das ganze Leben mir Nach des Grabes Schatten. Unglückselige, mit dir Mag der Tod sich gatten! Turtelpaar an jenem Ort, Mit verliebten Augen, Sieh, aus süßen Küssen dort Eden's Honig saugen. Sorglos schäckernd, sein Gemach Fand es kosend droben In des Oelbaums Blätterdach, Blüthenduftumwoben. Heimathlos bin ich allein, Unstät muß ich harren, Aus dem Nest am Felsenrain Dorn und Distel starren.

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