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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 585 (sequence 13)
Language
German
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585 Mäßigkeit. Gott gab dem Pfefferkorn den Saft, Er pflanzte auch die Leidenschaft. Doch diese auch, das merk' dir fein, Muß Würze, darf nicht Speise sein. Israels anbeugsamer Sinn. „Tod" rief der Herr, „dem hartnäckigen Volke!" Doch Moses fleht: „Verschon'" zur Wetterwolke; „Sie werden einst, drum wolle jetzt verzeih'«, In ihrem Glauben auch unbeugsam sein!" Vorwitz und Bescheidenheit. Still brennt das Holz aus echtem Stamm', Und nährt die Gluth mit ruh'ger Flamm'; Doch das Geniste knistert laut: „Auch ich bin Holz — kommt her und schaut!" Dem Neider. Neider, welch' ein Narr bist du! Fügst du Leid dem andern zu? Nein; dir selbst nur schaffst du Leid; Blaß und gelb macht dich der Neid — Dächt' der Andre nur wie du, Fügt ihm das noch Freude zu. Das Geld. Besser im Tod Es hinterlassen den Feinden — Als im Leben Es betteln bei Freunden. (Uebers. von Stein.) Jona Jeitelcs. Geb. 1835 zu Prag, gest. das. 186«. Einer der begabtesten aus der Schule der Measfim, d. h. der Mitarbeiter an der ersten ncuhebrä« ischen Zeitschrift: Ha-Meassef (der Sainmler). Epigramme. Mit deinem Tode nimmt die Zahl Der Neider und Verläumder ab; Doch mehret sich dafür, o Qual, Das Lügenlob an deinem Grab. Ist ein Thor dein Gegner auch, Such' ihn dennoch zu versöhnen, Klug ist selbst der dumme Gauch, Dir zu schaden, dich zu höhnen. Der Haß des Feindes ist noch zu ertragen; Wer kann von Freundes Undank Gleiches sagen? (Uebers. von B. Placzek.) Salomo» Pasipentzeim. Geb. 1740 zu Ziilz in Schlesien, gest. 1815 in Breslau. Sein bestes Werk ist eine Weltbetrachtung in poetischer Prosa „Arbah Kossoth" (die vier Kelche), aus dem hier ein Theil des ersten Abschnitts „Kelch der Wermuth" und ein Theil des letzten „Kelch des Heils" folgen. Aus dem Kelch der Wcrmuth. Der müde Tag hat seinen Lauf vollbracht, Und seine dunkle Schwester steigt empor. Sie steigt empor die stille, schwarze Nacht, Umhüllt die Welt mit ihrem Trauerflor. Unter ihrem schwarzen Schleier Schlummert sanft in stiller Feier Unruh' und Begehren: Müd' ist jedes Aug' geschlossen, Himmelsruh' ist ausgegossen Ueber alle Sphären — Jedoch den Mattgehetzten flieht der Schlummer, In seinem Herzen nagen Gram und Kummer — O lasset mich, ihr wilden Gramgedanken, O laßt auch mich zur süßen Ruhe wanken! — Umsonst mein Fleh'n, vergeblich meine Worte, Verschlossen bleibet mir der Ruhe Pforte — Und mein Geist treibt ruhelos umher Auf unendlichem Gedankenmeer. Die wuthentbrannten Wellen schäumen, Die wildgepeitschten Wogen brausen, Und in den weiten Weltenräumen Nur Schreckgebilde voller Grausen. Will ich vorwärts ziehen, Hör' ich ächzen, bitt'res Stöhnen, Will ich rückwärts fliehen, Schau' ich Jammer nur und Thränen. Will ich mich zum Himmel schwingen, Er höhnt mein Werden und Entstehen, Wollt' ich in den Abgrund dringen, Er wies mir höhnisch mein Vorgehen: Verächtlich im Entstehen Und Moder im Vergehen. Zwischen beider Rand Steht auf flücht'gem Sand Meine Lebensburg gegründet. Gleichwie die Eisesdecke, die man sicher lvähnt, Plötzlich schmilzt, zerfließt und schwindet — So stürzt dein stolzer Bau, auf den du dich gelehnt! Aus dem Kelch des Heils. Die Nacht hat ihre dunkle Bahn beendet! O, Dank dir, Gott, du stelltest wieder mir zurück, Was für des Schlafes Gut ich dir verpfändet: Mein bess'res Ich, den klaren, ungetrübten Blick.

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