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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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587 Ach, mein Liebster ließ zurück Grollend mich in Bangen, Als mich zog zu schnödem Glück Sündiges Verlangen. Falk' und Habicht sind gepaart, Taube nur verlassen; Ihr Geschick, so rauh und hart Kann sie nimmer fassen. Ungestört und froh im Nest Haust das Raubgelichter — Lebt denn für den frommen Rest Ueber uns kein Richter? O, wie weh ist mir zu Muth, Ruhelos zu irren, Aus der sichern Felsenhut Muß dahin ich schwirren, Daß vom wilden Sturm erfaßt, Doch die müden Schwingen Mich auf ödem Zweig zur Rast Nach dem Walde bringen. Komm, mein süßer Trost, o komm, Seele meiner Seele, Hör' mein Flehen, reuig fromm, Sieh nicht meine Fehle! Gieb mir in dem trauten Heim Dein Erbarmen wieder, Deiner Liebe Honigseim, Neig' mir dein Gefieder. Durch die zauberstille Nacht Geht ein solches Klagen, Dringt in Ohr und Herz mit Macht, Mehr als Worte sagen. Hör' ich Täubchen girrend sich Nach dem Liebsten sehnen, O, dann sehe leidvoll ich Sulamit in Thränen! (Uebersetzt von Placzek.) (Schluß folgt.) Nachtrag. Deutschland. Frankfart a. M., 6. Sept. (Privatmitth.) Gestern Vormittag verschied hier einer unsrer bekanntesten jüdischen Gelehrten, der allerdings seit längerer Zeit die Feder niedergelegt hatte, Herr Raphael Kirchheim, in seinem 85. Lebensjahre. Er war zu Frankfurt geboren und stets in seiner Vaterstadt verblieben. Eine Zeit lang versah er hier das Schächteramt, that sich aber schon damals durch seine Gelehrsamkeit auf dem Felde der jüdischen Literatur hervor. Als Theilnehmer an einer Bankfirma erwarb er sich eine unabhängige Stellung. Einige Monographien und die Herausgabe älterer hebräischer Manuscripte machten ihn bekannt. Seine religiöse Richtung wechselte er, bekundete aber stets die Ueberzeugung, die er gewonnen, offen und eifrig, indem er sich zum Parteigänger machte. So war er früher ein heftiger Vertheidiger der Orthodoxie und stürmte besonders gegen die Rabbinerversammlungen an; später war er ein ebenso hitziger Anhänger von Geiger, als dieser Rabbiner von Frankfurt war. Er sammelte eine werthvolle Bibliothek, die wahrscheinlich in Frankfurt verbleiben wird. Rußland. Odeffa, im August. Die „Cocr. de l'Est" erfährt aus Odessa, daß die Behörden den jüdischen Lehrern verboten haben, in christlichen Schulen zu unterrichten oder auch nur Stellen als Privatlehrer einzunehmen. In den Straßen seien Plakate angeschlagen, in welchen die christliche Bevölkerung aufgefordert wird, unter keinen Umständen jüdische Lehrer zu beschäftigen, „welche die Schüler demoralisiren, ihre Moral und Religion in Gefahr bringen." Die Folgen solcher schamlosen Hetzerei werden gewiß nicht ausbleiben. (Diese Nachricht scheint uns in ihrem ersten Theile nicht ganz zuverlässig, da die Anstellung jüdischer Lehrer an öffentlichen Lehranstalten in Rußland stets bestand). Im Verlage von Leonhard Simiou in Berlin ist erschienen: [JJa4234: Aest- und Oelegenlieits- , predigten J von Dr. P. F. Frankl, Rabbiner der jüd. Gemrinde zu Berlin. VIII. u. 292 S. gr. 8°.! Preis broch. 5 M., geb. 6 M. Anzeigen. © Venlwnat und Höhere Töchterschule s von Amu Di'. Leverson & Art. Konstanze Levy, Hannover, Thiergartenstrasse 4. Arrf September? meeden Anmeldungen entgegengenommen. Zsr.Töchter-Pcusioiiat».Höhere Uiitcrrichis-'Uttstait. Institut I. Ranges. — Gegründet 1864. —Aufnahme jeder Zeit. — Prospekte auf Wunsch. ^rau Direktor Therese Orouan, Serlin, Hindersinstr. 11, Königsplatz.

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