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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 584 (sequence 12)
Language
German
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584 schreibt uns aus Sonders Hausen: Mittwoch den 28. August feierte Herr Rabbiner Professor Philipp Heidenheim und seine Gattin Lina geb. Leser das seltene Fest der goldenen Hochzeit, umgeben von 36 Familienmitgliedern, Kindern, Enkeln und Urenkeln, unter Betheiligung zahlreicher Freunde. Der Jubilar, der als Rabbiner 56 Jahre wirkt, war bis vor Kurzem Lehrer der höheren Staatsschule, Ordinarius in Prima und Secnnda, und gewann sich das Vertrauen des Fürsten und seiner christlichen Collegen in seltenem Maße. Vor Jahren zum Professor ernannt und mit einem Orden geschmückt, erwies anläßlich dieses Familienfestes das Fürstenhaus dem Jubelpaare wieder seltene Ehren. Der alte Fürst sandte einen prachtvollen Pokal mit Inschrift, der regierende Fürst Karl Günther eine Philippson-Dorö'sche Prachtbibel mit Widmung. Die Stadt ließ den Weg von der Wohnung des verehrten Paares bis zur Synagoge, wo die feierliche Einsegnung 11/2 Uhr Nachmittags stattfand, mit! Bäumen bepflanzen. Es erschienen die protestantischen Geistlichen, Militär- und Civilbehörden, Deputationen von Gewerbe- und Humanitätsvereine, die isr. Gemeinde, und zahlreiche andere Gratulanten mit reichen Geschenken und Blumenspenden. Bon allen Gegenden liefen nahezu 350 Depeschen ein, und die Glückwünsche von 300 Zöglingen, die Heidenheim in seinem trefflichen Pensionats früher erzogen hatte, zu dem auch Prof. Lazarus und Dir. Wahl zählten. Auch der D. I. Gemeindebund und die Alliance sandten schriftliche Ehrenbezeugungen. In der Synagoge, wohin sich der stattliche Festzug begab, hielt der langjährige Freund und College, Prediger vr. Leimdörfer aus Hamburg, die Festrede über Ps. 118, 15, die sowohl das seltene, innige Familienleben, als auch das Gottgesegnete Wirken des Patriarchenpaares in ergreifenden Worten feierte. Die Rede schloß mit einer feierlichen Einsegnung der Ehegatten. Diesem Festacte folgte ein Bankett, gewürzt von genußreichen Toasten und Tischliedern und ein Festspiel „Der Erntesegen," verfaßt von der als Dichterin bekannten Tochter des Hauses H., Frau Bier aus Cöln, das mit Ueberreichung eines riesigen, kunstvoll gestickten Goldkranzes endete. Möge dem Jubelpaare ein heiterer Lebensabend beschieden sein! I e u i 1 1 e i o n. Aeuhebriiische Gedichte. j Wir haben an einer anderen Stelle über die treff-! liche Schrift des vr. Gustav Karpeles: „Die Zionsharfe," eine Anthologie der „neuhebräischen Dichtung in deutschen Uebertragungen" berichtet. Um derselben weiterhin den Eingang in unsere Familien, den Zutritt zu den Salons zu erleichtern, wollen wir hier einige Proben aus der gedachten Sammlung herausheben. Da die classischen neuhebräischen Dichter dem größeren Publikum durch Monographien, Divans u. dgl., wie Gabirol, Juda Halevy, Mose ben Esra u. A. längst zugänglich gemacht worden, wählen wir einige Proben aus dem letzten Abschnitt „Aus der neuen Zeit" heraus, welche mit Wessely (1725—1805) begann. Juda Löb Margaliot. Er lebte gegen Ende des vorigen Jahrhunderts als Rabbiner zu Frankfurt a. O. und später in Polen. Sieg des Lichts. Warum that seinen ewigen Bund Der Herr im Regenbogen kund? Wie in der Wolke das fliegende Licht Sich hell und siebenfarbig bricht: So soll das dunkle Erdenleben Den Strahl der Gottheit wiedergeben, Daß du den Mächten, den zornesvollen, Entrinnest, die dich vernichten wollen. Lüge und Wahrheit. Viel Dunkel macht ein Fünkchen Licht zur Klarheit, Viel Lüg' zu Schanden macht ein Fünkchen Wahrheit. Das Wort. Ist es noch drin, bist du sein Mann, Ist es heraus, ist's dein Tyrann. Kriegsruhm. Willst du ein Bild vom Kriegsruhm, von dem so viele trunken? — Ein Stück vom Mast schwimmt oben, nachdem das Schiff versunken. Der Eitelkeit. Du ziehst ein Kleid dir an von schönen Eigenschaften; Allein dies Prachtgewand, bleibt es auch an dir haften? — Ter Tag des Unglücks kommt, der Sturm bricht auf dich los, Entreißt dir dein Gewand — da stehst du nackt und bloß.

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