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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 583 (sequence 11)
Language
German
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583 Frankreich. Paris, 1. September. Wie aus den Zeitungen bekannt ist, hatte der Stadtrath von Paris zur Feier des 18. August 1789 die Bürgermeister aller Gemeinden Frankreichs zu einem Bankett eingeladen, und ungefähr 11,000 Bürgermeister folgten der Einladung. Unter diesen befanden sich auch einige Israeliten, deren Zahl nach dem numerischen Verhältniß der Juden in Frankreich recht bedeutend war. Man sah hier Herrn Pollonais, Bürgermeister von Villefranche sur mer (Seealpen), Abram, Bürgermeister von Aix (Rhonemündung), Ulmo, Bürgermeister von Rimaucourt (Obermarne), Eduard Schwöb, Bürgermeister einer Gemeinde der Obersaöne, und Levy, Bürgermeister einer Gemeinde des Seinedepartements. Italien. Rom, im August. (Privatm.) Das Königreich Italien mit seiner Spitze, der piemontesischen königlichen Familie, zeichnete sich von seinem Entstehen an durch die völlige, in Thatsachen sich verwirklichende Gleichberechtigung der Israeliten, durch die Beseitigung jedes Vorurtheils aus. Da offenbarte sich denn sowohl, daß die italienischen Israeliten schon längst für die Emancipation reif waren — hatten sie dies doch bereits unter der französischen Herrschaft, welche auch in Italien die Gleichstellung eingesührt hatte, bewiesen — als auch, daß sie ihrer geringen Zahl nach sehr viele geistige Kräfte dem Vaterlande zu Gebote zu stellen hatten. In der jüngsten Zeit hat Italien zwei Israeliten zn seinen Vertretern in fremden Ländern, republikanischen nämlich, denn außer dem Sultan nehmen europäische Monarchen an ihren Höfen noch keine Juden als Gesandten an, erwählt, nämlich den Herrn Segrö als Gesandten in Montevideo, und nun auch Herrn Giulio Levy als Gesandten in Washington, welcher am 9. Juli sein Beglaubigungsschreiben in die Hände des Präsidenten der Vereinigten Staaten legte. So sieht der letztere einen Israeliten im diplomatischen Corps, wie er einen solchen nach Konstantinopel geschickt hat. Rußland. Warschau, im August. (Privatmitth.) Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß die russische Regierung keinen ausländischen, jüdischen Geschäftsmann innerhalb ihres großen Reiches dulden, ja einem solchen nicht einmal einen vorübergehenden Aufenthalt gestatten will. Die jüdischen Geschäftsleute im Auslande müssen sich dies bei Anknüpfung von Geschäften mit Russen wohl merken und in ihre Berechnung ziehen. Daß dies dem russischen Handel keinen geringen Schaden thut, kann nicht bezweifelt werden, um so mehr, als auch ausländischen christlichen Geschäftsleuten der Aufenthalt in Rußland sehr erschwert und durch bedeutende Abgaben sehr vertheuert wird. Dagegen müssen wir entschieden protestiren, daß dieses Verbot der russischen Regierung ebenso als ein schlechtes Leumundszeugniß für die jüdischen Kaufleute angesehen werde. Dies wäre grundfalsch. Jeder, der mit russischen Geschäftsleuten zu thun gehabt, weiß, daß diese sehr schlau und gerieben sind, und schon Peter der Große hat gesagt, er fürchte nichts von den Juden, denn ein Russe sei listiger als drei Juden. Jenes Verbot ist nämlich ein Ausfluß der von der gegenwärtigen russischen Regierung festgehaltenen Tendenz der Unification, einer Tendenz, von welcher die Evangelischen in den Baltischen Provinzen so viel zu leiden haben, ebenso wie die russischen Sekten. Nach der Volkszählung vom 1. Januar 1888 gab es unter den 440,135 Bewohnern von Warschau 149,711 Israeliten. Ist hiermit die jüdische Bevölkerung hier eine massenhafte, ein Drittel der Gesammtzahl, so bildet sie auch die größte Gemeinde auf dem ganzen Erdenrund. Asiatische Türkei. Bagdad, im August. Das eben erschienene Monatsbulletin der Alliance isr. univ. enthalt Folgendes: „Am 19. August erhielt das Central-Comite folgendes Telegramm, welches der Großrabbiner von Bagdad und der Direktor der Schule der Alliance in dieser Stadt abgeschickt hatten: „Die Cholera wüthet mit Heftigkeit; große Sterblichkeit in unserer Gemeinde. Sind ohne Hilfsmittel zum Beistände der Kranken und zur Beerdigung der Todten. Bitten dringend um Hilfe." Der Herr Baron von Hirsch übermittelte sofort dem Central- Comite 20000 Francs, um den Familien zu Hilfe zu kommen, welche Opfer der schrecklichen Krankheit sind. Herr S. H. Goldschmidt, Präsident der Alliance, sandte ebenfalls zu diesem Zwecke eine Unterstützung von 1000 Francs. — Nach den letzten von den Zeitungen veröffentlichten Nachrichten greift die Epidemie weiter in Bagdad und den Umgebungen um sich. Das Central-Comite richtet an seine Freunde einen Aufruf zu Gunsten der jüdischen Bevölkerung jener Gegend und wird glücklich sein, den Opfern die Hilfe zukommen zu lassen, welche man ihm für diesen Zweck übersenden wird. Bonn, 8. September. (Notizen.) Man schreibt aus Lissa i. P., daß am 5. September der dortige Rabbiner Herr vr. Bäck sein 25jähriges Amtsjubiläum begeht. Die Gemeinde wird eine besondere Feier, namentlich eine gottesdienstliche in der Synagoge veranstalten, bei welcher der Rabbiner Herr Dr. Rizzner in Glogau die Festrede halten wird. — Zur Berichtigung schreibt man uns aus Gießen, daß das Jubiläum des Herrn Rabb. Dr. Levi nicht am vierten, sondern am ersten October stattfindet. — Man 37*

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