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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 581 (sequence 9)
Language
German
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- * 0- 581 session die andere ausschließt. Jede Verletzung des Prinzips der Gleichberechtigung beseitigt dieses Prinzip selbst. Hier gilt keine Ausnahme. Jndeß heben wir aus der Rede Bachems Folgendes hervor: Nach einem einleitenden Ueberblicke über die Geschicke des Katholicismus in Preußen — stellt er fest, daß die Stellung der Katholiken heute noch nicht die verfassungsmäßig gewährleistete ist. „Unser Staatsgesetz kennt keinerlei Bevorzugung eines Bekenntnisses. Darum fordern wir: Keinerlei Verwendung von Staatsgeldern einseitig zu Gunsten des Protestantismus, keinerlei Staatspropaganda für den Protestantismus. Bachem spricht dann unter Anführung vieler Fälle von der Zurückdrängung der Katholiken auf allen Gebieten des amtlichen Staatswesens. Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Bürgermeister — fast alle sind protestantisch und mit ihnen, selbst in fast ganz katholischen Gegenden, wie im Rheinlande, ihre untergebenen Beamten. Zur Unterstützung seiner Behauptung verweist Redner auf die s. Zt. von Prediger Venter angezogenen Zahlen, nach deren Prüfung sich eine systematische Bevorzugung protestantischer Beamten im ganzen Staate und auf allen Gebieten ergeben habe. Selbst im katholischen Bayern, ebenso in Baden stünde es in dieser Hinsicht nicht minder traurig. Das sei anders in anderen constititutionellen Staaten, so in Holland, so in England, wo entschiedene Katholiken, denn nur solche, die sich öffentlich ohne Scheu als solche bekennen, kommen in Frage, in den Ministerien sitzen. „Was dort möglich ist, das soll auch bei uns möglich sein!" (Dasselbe ist aber in jenen Ländern mit den Juden der Fall, wo sie in vielen höheren Staatsämtern und selbst in den Ministerien einen Platz fanden. Redakt.) Diese thatsächliche Zurückdrängung sei aber ein Uebel für den Staat, der dadurch guter Kräfte verlustig gehe und eine allgemeine Unzufriedenheit Hervorrufe. Der Redner schließt mit den Worten von Görres, mit der ernsten eindringlichen Mahnung zu festem Zusammenhalten und unentwegtem Kampfe, bis die volle unbestrittene Parität — wir sagen Gleichstellung — erreicht worden sei. Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. August. Gestern hat der Ministerpräsident Graf Taaffe den Saatenmarkt besucht und bei der Gelegenheit seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, das Gedeihen des Markts zu fördern. Die „N. Fr. Pr." knüpft an diesen Besuch folgende Bemerkung: Ob das demonstrative Erscheinen des Grafen Taaffe, der gestern zum ersten Male sein Interesse für den Saaten - markt öffentlich bekundete, und sein Versprechen, demselben in Zukunft die Unterstützung der Regierung zu gewähren, dieser glücklich unterwühlten Einrichtung neues Leben einhanchen wird, muß abgewartet werden Die Regierungsblätter geben sich heute mit großer Zuversicht dieser Hoffnung hin und glauben, daß schon im nächsten Jahre die Zahl der Besucher wieder die frühere Höhe erreichen werde. Wir wollen es mit ihnen hoffen, aber der Gedanke ist nicht abzuweisen, daß der Niedergang dieser auch nach der Auffassung der Regierung für Wien und Oesterreich wichtigen Institution sich schwerlich wird aufhalten lassen, so lange die Ursachen des Niederganges, die antisemitischen Hetzereien, fortdauern. Ob es noch im Machtbereiche der Regierung liegt, diese zu beseitigen, ist mehr als zweifelhaft. In den ersten Tagen des nächsten Monats wird in Wien die Probe gemacht werden, ob die antisemitische Bewegung im Aufgange oder im Niedergang ist. Die Leopoldstadt hat am 9. September eine Ergänzungswahl für de» Landtag vorzunehmen. Früher war Professor Sueß Vertreter dieses Bezirkes. Nachdem derselbe nicht mehr Rektor der Universität und als solcher Mitglied des Landtages ist, ist er wieder wählbar. Seine Freunde zweifeln auch nicht an seiner Wiederwahl; während aber die „Vereinigten Christen" Tag für Tag Wählerversammlungen halten und für ihren Candidaten, Mechanikus Schneider, arbeiten, herrscht im Lager der Liberalen noch vollständige Stille und Unthätigkeit. Wien, 2. Sept. Anläßlich der Ersatzwahl für den niederösterreichischen Landtag in der Leopoldstadt ist die Spaltung in der Wiener Antisemitenpartei offen zu Tage getreten. Die klerikalen Antisemiten candidiren den Mechaniker Schneider, der sich hierbei der Unterstützung Lueger's erfreut, während die deutsch-nationalen Antisemiten den Hausbesitzer Papst als Candidaten aufstellen. Auf der Fahne der deutsch-liberalen Partei steht bekanntlich der Name Eduard Sueß. — Längere Zeit hindurch schien das österreichische Unterrichtsministerium nur auf die Tüchtigkeit, nicht auf die Confession der Universitätsprofessoren zu achten. Dies scheint sich geändert zu haben, wie folgende Correspondenz der „Franks. Ztg." bezeugt, welche die Entlassung eines ausgezeichneten Israeliten betrifft: „Die Wiener Universität hat eine hervorragende Kraft verloren: der als scharfsinniger Gelehrter und als anregender, erfolgreicher Lehrer gleich anerkannte außerordentliche Professor des Staats- und Völkerrechts, vr. Georg Jellinek, hat seine Entlassung gegeben. Vor 6 '/2 Jahren erlangte der durch seine trefflichen Erstlingsschriften rasch zu Ansehen gekommene Privatdocent Jellinek mit Rücksicht auf sein erstes umfangreicheres Werk über die Theorie der Staatenverbindungen die außerordentliche Professur für Staatsrecht an der Wiener Universität. Jellinek hatte alle Pflichten und, bis auf den Gehalt, auch alle Rechte eines Ordinarius, und da sich seine Beliebtheit als Docent und die Beachtung stetig 37

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