Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1889)
- Date
- 1889-09-12
- Page
- Seite 579 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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579 lichst bei Seite und thut wohl daran, wenn er auch hier und da eine etwas tiefere Auffassung, namentlich der Institutionen und allgemeineren Tendenzen, vermissen läßt. Wir sehen also der Vollendung dieses großartigen Werkes entgegen. — „Katechismus für israelitische Cvnftrmandcn, nebst einem Anhang für den Bar Mitzwa, bearbeitet von A. Levin, Religionslehrer (Breslau, Köbener, 1889)." Wir können nicht sagen, daß diese Zusammenstellung von Definitionen in nüchterner Form uns für den Confirmandennnterricht genüge. Außerdem faßt der Vers, die „Religion" einseitig ans, wenn er sagt: „die Religion bezweckt, dem Menschen den Frieden des Herzens und die Ruhe des Gewissens zu gewähren." Abgesehen davon, daß diese beiden Momente identisch sind, übersieht! der Vers., daß die Religion, die unsrige am meisten, die Er-! kenntniß Gottes, der Schöpfung und des Menschen erzielt,! wie schon die Bezeichnung min und die oftmalige Aufforde- \ rung zur Forschung und Erkenntniß erweisen. Diese Ein- ■ seitigkeit zeigt sich auch darin, daß er als die einzigen Quellen der Religion die h. Schrift und die Tradition bezeichnet; Natur und Geschichte müssen wir ebenfalls als Quellen der Religion heranziehen, wie schon die meisten Bücher der h. Schrift zugleich Geschichte enthalten und von Propheten und den h. Sängern auf die Natur als Beweis für das Dasein und das Wesen Gottes hingewiesen wird. — Deutschland» Bonn, 29. August. (Privatmitth.) Es haben sich bei uns die Jahresberichte vieler wohlthätiger Vereine und Anstalten aufgehäuft. Da es nach dem Raume unseres Blattes nicht möglich ist, ausführliche Referate über dieselben zu geben, wir jedoch die zur Aufmunterung dienende Oeffentlichkeit ihnen nicht ganz entziehen möchten, begnügen wir uns mit einigen Notizen. — Der 29. Jahresbericht des „israel. Freitisch-Vereins in Prag", der bestimmt ist, armen Schulkindern eine gesunde Kost zu verabreichen, erfreut sich eines stets wachsenden Wohlwollens. In seinem Anfangsjahre 1860 beliefen sich die Beiträge auf 175 fl., im Jahre 1888 auf 4440 fl. Die Zahl der Mitglieder ist auf 1846 gestiegen, das Fondvermögen auf 23,550 fl. Dargereicht wurden 37,575 Kostportionen im abgelaufenen Jahre und bestanden dieselben aus Suppe, Rindfleisch, Zuspeise und Brot. Ebenso florirt der „Krunger Verein zur Unterstützung armer israel. Waisenmädcheu im Königreich Böhmen." Seit 10 Jahren bestehend, zählt er gegenwärtig in Prag und Böhmen 6886 Mitglieder. Die Einnahmen betrugen 1887 12,400 fl. An Stipendien wurden verabreicht 5775 fl., und das Vermögen besteht in 64,877 fl. Die Zahl der unterstützten Waisenmädchen beläuft sich auf 123. — Nicht so günstig war der „Israel. Unterstützungs-Verein in Worms" in seinem 28. Vereiusjahre: die Zahl seiner Mitglieder hat wiederum etwas abgenommen, wogegen sich die ihm gespendeten Geschenke gemehrt haben. Die Ausdehnung, welche der Verein seinen Unterstützungen gewährt, ist gewiß sehr anerkennenswerth. Hat er dochallein 139 Handwerker unterstützt und an besonders würdige Arme Gaben von 20—50 Mark verliehen. — Das „Israel. Asyl für Kranke und Altersschwache zu Köln" setzt seine segensreiche Wirksamkeit emsig fort. Im Jahre 1888 beherbergte es 24 Altersschwache; außerdem nahm es 66 Kranke auf, von denen 45 der jüdischen, 21 der christlichen Religion angehörten. Die Bilanz, einschließlich des Vermögens, betrug 401,303 M. — Die israelitische Waisenstiftung in München hat ihren Fond durch Zuwachs auf 119,269 M. ansteigen gesehen; aus den laufenden Einnahmen von 4373 M. wurden für Erziehungsbeiträge 2250 M. verausgabt. — Der Wohlthätigkeits- und Beerdigungsverein in Graz durfte in seinem Vorwort „die Befriedigung einer ebenso getreuen als lohnenden Pflichterfüllung und die Anerkennung einer zielbewußten und erfolggekrönten Arbeit beanspruchen." In der verhältnißmäßig jungen Gemeinde wurde diese Chewra Kadischa 1871 gegründet, zwei Jahre nach der Constituirung der israelitischen Cultusgemeinde. Der größte Theil der Gemeindemitglieder trat dem Vereine bei, und seitdem hat er emsig alle Aufgaben, die er zu lösen hat, auszutragen gestrebt. Die in dem Berichte erzählte Geschichte des Vereins bietet mancherlei Interessantes. Spiegelt sich doch in der Entwickelung kleiner jüdischen Gemeinden das ganze Culturbild der Zeit ab. Im Jahre 1881 beliefen sich die Einnahmen auf 1991 fl., von denen 444 fl. übrig blieben. — Der 18. Jahresbericht des isr. Unterstützungsvereins zu Wiesbaden hat ein erfreuliches Wachsthum zu verzeichnen. Die Zahl seiner Mitglieder vergrößert sich jährlich und beträgt jetzt 163 mit einer Summe von 2409 M. als Beiträgen. So fließen ihm auch recht ansehnliche Schenkungen zu. Seine Einnahmen betrugen 1888: 6632 M , wovon 3026 M. auf den Ankauf von Werthpapieren verwendet werden. Das Vermögen besteht in 13,440 M. Um heute mit zwar kleinem, aber sehr erfreulichen Gegenstände zu schließen, machen wir noch auf den isr. Armen-Holz-Verein, der seit 1818 in segensreicher Thätigkeit besteht, und den Verein zur Ausstattung