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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 578 (sequence 6)
Language
German
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578 rühren zumeist von Sachs, Geiger, Kämpf, Stein u. A. her und sind oft meisterhaft. Für den Unkundigen wird es eine große Ueberraschung sei», so viele gediegene lyrische Gedichte vor sich zu sehen, von deren Existenz er nichts gewußt. Wie Jeder voraussetzen wird, sind die meisten dieser Gedichte echt religiösen Gehaltes und schließen sich hierin den Psalmen an, in Form und Gedankenrichtung neue Wege betretend. Aber auch an weltlichen Gedichten ist kein Mangel und zarte Liebe, feine Naturbctrachtung, strenge Mahnung und selbst Ironie haben bemerkenswerthe Plätze in der Sammlung. Die vorliegende Schrift ist deshalb sehr geeignet, in der jüdischen Jugend nicht allein Achtung vor unserer Literatur zu wecken, sondern auch wahrhaft religiösen Sinn, Liebe zu unsrer Religion und unsrem Stamme und den Geist wahrer Sittlichkeit zu fördern und zu befestigen.— Der gelehrte und unermüdliche Hr. Dr. Aug. Wünsche in Dresden hat die dritte Abtheilung des zweiten Halbbandes seines Werkes: „Der babylonische Talmud in seinen hagadischen Bestandtheilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert (Leipzig, Otto Schulze 1889)" erscheinen lassen. Hier behandelt er die letzten sieben Tractate der Ordnung Ncsikin. Er hat nur wenige Stücke wegen ihres unbedeutenden Inhalts weggelassen. Das Werk hat auch eine actuelle Wichtigkeit. Es enthält viele Stücke, welche, wie der Vers, in seinem Vorwort sagt, „in Folge der antisemitischen Umtriebe in Broschüren und Hetzartikeln wegen falscher Uebersetzung, Herausreißung aus dem Zusammenhänge oder sonstiger Mißverständnisse des Textes als gemeingefährlich bezeichnet worden sind und somit eine tragikomische Bedeutung gewonnen haben." Er fährt fort: „An der Hand unserer Uebertragung wird selbst der nur im geringen Maße des Hebräischen kundige Leser ein sachrichtiges Urtheil über die angebliche Verworfenheit der talmudischen Moralgrundsätze sich bilden können. Die des Hebräischen völlig unkundigen Leser aber verweisen wir auf die Kritik; wir hoffen, selbst der strengste Recensent wird unsere Uebersetzung solcher Stellen als adäquate Wiedergabe des Originals bezeichnen dürfen." Wir können dies unsererseits dem Vers, bestätigen. Derselbe ivill Niemandem zu Danke arbeiten, sondern mit echt wissenschaftlichem Ernste unparteiisch das richtige Verständniß vermitteln. Man kann demnach der Arbeit des Herrn Wünsche außer ihrem bleibenden wissenschaftlichen Werth auch eine actuelle Bedeutung zusprechen. Da insonders die hagadischen Theile des Talmuds den antisemitischen Hetzern Angriffspunkte hergeben müssen, während die halachischen in ihren streng consequenten Entwickelungen hierzu keine Gelegenheit bieten, so kann Jeder, welcher nicht der Wahrheit absichtlich ins Gesicht schlagen will, sich aus dem Werke Wünsche's die richtige Unterweisung holen. Haben doch nun diejenigen namentlich österreichischen Schreier, welche eine Uebersetzung des Talmuds verlangen und selbst die Staatsmittel zu diesem Zwecke beanspruchen, diesen Vorwand verloren. Es sind nun bereits in deutscher, französischer und lateinischer Sprache so viele Theile des Talmuds übersetzt, daß, wer da will, sich die Kenutniß seines Inhalts hinreichend verschaffen kann. In dem vorliegenden Bande sind die Tractate Sanhedrin, Aboda Sara, Maccoth, Schebuoth, Horajoth, Edijoth und Pirke Aboth, letzteres vollständig behandelt. Wir können dem Verfasser wie dem Verleger für ihre Ausdauer und die Ueberwindung aller Schwierigkeiten nur unseren vollen Dunk, unsere ganze Anerkennung aussprechen. Abgesehen von der Verbreitung, welche wir aus allgemeinen Gesichtspunkten diesem Werke wünschen, erhoffen wir, daß Verfasser und Verleger auch einen äußerlichen Erfolg erlangen. — Der 14. Band von „Meyers Conversations- Lexicon" ist erschienen und bringt, wie seine Vorgänger, eine Fülle lehrreicher Artikel und künstlerisch ausgeführter Illustrationen. Man hat gegen Conversationslexica überhaupt ein- ' gewendet, daß sie doch nur eine oberflächliche Kenutniß von ’ den Gegenständen verschaffen, um derentwillen sie nachgeschla- ■ gen werden. Allein wer könnte auf allen so zahlreichen und : so sorgfältig angebauten Feldern des Wissens eine genauere! Kenntniß besitzen oder nur anstreben wollen? Es ist aber! immer vortheilhaft, wenigstens einige richtige Kenntniß von j den Dinge» zu erhalten, auf die man stößt. Es ist eine! anerkannte pädagogische Regel, das Fragen der Kinder nicht zu unterdrücke», sondern durch Beantwortung zu fördern, damit ihre Wissenslust erhalten und genährt werde. Dies kann auf ein gutes Conversationslexicon angewendet werden, damit der Laie dem Triebe folge, sich über jeden Gegenstand einige Kenntniß und eine richtigere Vorstellung zu verschaffen. Und diese Obliegenheit wird in reichem Maße von dem ' Meyer'schen Conversationslexicon erfüllt. Namentlich in dieser 4. Auflage enthält es einen wahren Reichthum angemessen verfaßter Artikel in jedem Wissenszweige und trefflicher Illustrationen, durch welche die Anschauungen, also auch die richtigen Vorstellungen der naturwissenschaftlichen und technischen Gegenstände, sowie der geographischen Beschaffenheit sehr gemehrt werden. Was unser specielles Interesse betrifft, so bringt gerade dieser 14. Band (Rübe — Soda) eine Menge Artikel aus dem Gebiete des Judenthums. So Saadia, Sabbath — wo uns die irrthümliche Bemerkung auffiel, daß der Sabbath von den ersten Propheten nicht erwähnt werde, während im 2. Buche d. Kön. wiederholt der Fall ist — Sabbathjahr, M. Sachs, Salomo, Samuel, Samaria, Samaritaner, Saul, Semiten, Sinai, Salmanassar, Sanherib; vermißt haben wir Safed, Salvador. Wie wir schon früher bemerkt, hält sich der Vers, dieser Artikel an die geschichtlichen und traditionellen Thatsachen, die er in einfacher, klarer Sprache darstellt, Kritik und Hypothese läßt er mög-

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