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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-12 · Heft 37 (12.9.1889) · p. Seite 577

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 37 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
Seite 577 (sequence 5)
Language
German
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577 lich auch eine völlige Verwüstung Roms selbst nach sich ziehen rnüßte. Selbst ein Sieg der römischen Curie würde keine Quelle des Friedens, sondern die Ursache immerwährender Unruhen und Aufstände sein. So wenig man daher den eifrigen Katholiken das Verlangen nach Wiederherstellung des Kirchenstaates verargen kann, wird es doch für eine un-! absehbare Zeit eine Utopie bleiben. Was uns betrifft, so würde die Wiederbesitznahme des Kirchenstaates durch den Papst für die daselbst ansässigen Juden die Zurückführung aller jener Beschränkungen und Bedrückungen bedeuten, von welchen sie durch die Beseitigung der päpstlichen Regierung befreit wurden. Liierarischer Wochenbericht. Bonn, 1. September. Durch Zufälligkeiten kam erst heute eine Sendung neuer Schriften, von welchen einige schon im Mai und Juni für uns abgegeben worden, in unsre Hände, und beeilen wir uns, unsre Pflicht, über sie Bericht zu erstatten, zu erfüllen.') Vor Allem wollen wir unsrer aufrichtigen Befriedigung Ausdruck geben, daß nunmehr die letzten Lieferungen (21 und 22) des „Neuhebräischen und Chaldäischen Wörterbuches über die Talmudim und Midraschim von Rabbiner Prof. vr. I. Levy" in vier Bänden (Leipzig, Brockhaus 1889) erschienen sind und somit das umfassende Werk abgeschlossen ist, nachdem sein Erscheinen fast 13 Jahre gewährt hat. Wir bringen dem verehrten Verfasser den herzlichsten Glückwunsch entgegen. Da es ihm zu Theil geworden, sein Werk vollendet zu sehen, möge ihm auch die Befreiung von seinen schweren körperlichen Leiden gewährt werden. Außer dem Schluß des Wörterbuches selbst, einigen Beiträgen von Fleischer, Berichtigungen und Zusätzen, bringt die Schlußlieferung zwei sehr werthvolle Verzeichnisse, welche man dem Fleiße des rühmlich bekannten Herrn Dr. August Wünsche verdankt, nämlich erstens das Berzeichniß der agadisch gedeuteten oder sonst eigenthümlich erklärten und angewendeten Bibelstellen, und zweitens das Verzeichniß sämmtlicher größerer übersetzter Stellen aus Talmud und Midrasch. Ueber den Werth dieser Arbeit, die sich dem früheren Werke desselben Verfassers: „Chaldäisches Wörterbuch über dieTalmudim und einen großen Theil des rabbinischen Schriftthums" (2 Bände, 2. Aufl. Leipzig, Baumgärtner, jetzt Gustav Engel, 1867) anreiht, haben wir uns bei der Besprechung der früheren Lieferungen hinlänglich ausgesprochen. Der Berf. 1) Wir bitten die Buchhandlungen und Herren Autoren, ihre Novitäten nicht mehr bei Baumgärtner's Buchhandlung, sondern bei unserem jetzigen Verleger, Herrn Gustav Engel in Leipzig, für uns abzugeben, am zweckmäßigsten jedoch sie an uns direct nach Bonn zu senden. Redaction. hat sich durch beide Werke einen bleibenden Platz unter den Lexikographen, überhaupt, insbesondere des Sprachgebietes, dem jene gewidmet sind, erworben. Gerade für unsre zukünftigen Geschlechter bieten diese Werke eine große Erleichterung für das Studium des Talmuds und des jüdischen Schriftthums überhaupt und ermöglichen in nicht geringem Grade das wissenschaftliche Studium desselben. Bei dem Erscheinen der ersten Lieferungen hat eine mürrische Kritik an dem Werke Mancherlei auszusetzen gewußt, im Laufe der Zeit ist sie verstummt. Es ist ja selbstverständlich, daß ein tüchtiger Sachkenner bald hier, bald dort ein anderes Beispiel, eine andere Stelle eitiren und bisweilen eine zutreffendere Wahl herausfinden konnte; auch läßt sich wohl diese oder jene Erklärung anders stellen. Dies ist aber bei einem solchen Werke gar nicht zu vermeiden, und es kommt nur darauf an, im großen Ganzen dem Bedürfniß geschickt und gewissenhaft zu genügen. Dies ist aber unserem würdigen Verfasser durchaus gelungen und seine Sachkenntniß und Umsicht erweisen sich auf jeder Seite. Namentlich, betonen wir auch seine Gewissenhaftigkeit, mit welcher er nichts umging und nichts beschönigte, sondern den richtigen Sinn nach dem Wortlaute und Zusammenhänge zu bekunden gesucht hat. So wird jeder Freund dieser Literatur das vollendete Werk mit vollem Vergnügen vor sich sehen. — „Die Zionsharfe. Eine Anthologie der neuhebräischen Dichtung in deutschen Uebertragungen. Herausgegeben von Gustav Karpeles. Leipzig, Roßberg'sche Buchhandlung. 1889." Wir freuen uns, unsren Lesern ein so treffliches und zweckmäßiges Buch dringend empfehlen zu können, das in keiner gebildeten und religiös gestimmten jüdischen Familie fehlen sollte. Herr Gustav Karpeles war ganz der Mann dazu, eine solche Blumenlese aus der neuhebräischen Poesie zu veranstalten. Es wohnt in demselben ein echter poetischer Schwung, welcher den Werth einer dichterischen Schöpfung zu würdigen weiß. Mit ebenso tiefer wie zarter Empfindung für den dichterischen Werth verbindet er ein klares Verständniß der ästhetischen Seite und die Fähigkeit, feine Gedanken über geschichtliche und dichterische Erscheinungen in gehobener Sprache — ohne Schwulst — zum Ausdruck zu bringen. Hiervon giebt die Einleitung, die er der Gedichtsammlung voranstellt, ein abermaliges Zengniß. Ohne sich in die Details zu verlieren, versteht er die verschiedenen Perioden von einander zu unterscheiden und zu charakterisiren, so daß selbst der unkundige Leser gut orientirt wird. Es folgt dann eine reiche Auswahl aus dem weiten Umfang der neuhebräischen Dichtung, und zwar aus den Anfängen derselben mit Jose b. Jose, aus der klassischen Blüthezeit, anhebend mit Menachem b. Seruk, aus der Poesie der Synagoge, aus der Periode der Epigonen und aus der neuen Zeit. Selbstverständlich werden die meisten Beispiele von den an poetischem Gehalte reichsten Dichtern gebracht. Die Uebertragungen ins Deutsche

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