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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-05 · Heft 36 (5.9.1889) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 36 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
Seite 570 (sequence 14)
Language
German
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570 Debatte. — Gotthelf-Geestemünde hält das vom Referenten! gesteckte Ziel für zu hoch. Es sei unmöglich, den Stoff, wie! der Referent ihn vertheilte (Referent vertheilte den Stoff so, daß auf der Oberstufe 7, auf der Mittelstufe 5 und auf der Unterstufe 3 Zeilen in je einer Stunde übersetzt werden sollten) in gehöriger Weise zu verarbeiten. Man müsse darauf sehen, daß das in der Schule Gelernte auch dauerndes Eigenthum des Kindes werde. Auch mit dem Chorübersetzen, welches Referent empfiehlt, ist Redner nicht einverstanden, da man beim Uebersetzen im Chore nicht die gehörige Uebersicht haben kann, ob auch alle Kinder übersetzen können, denn viele Kinder öffnen dann nur den Mund, um den Lehrer glauben zu machen, daß sie mitsprächen. Fleischhacker-Harburg ist darüber erfreut, daß der Referent durch seinen Bortrag ein Feld eröffnete, das noch nicht genug bearbeitet sei. Mit dem vom Referenten gesteckten Ziele sei auch er nicht ganz zufrieden, ebenso spricht er sich gegen das Chorübersetzen aus. Levy-Norden bemerkt, daß in dem Vortrage die Perakim übergangen seien. Er hält es auch nicht für richtig, das Gebetbuch als Grundlage beim systematischen Religionsunterricht zu machen. Ferner glaubt er, daß es bei der knapp bemessenen Zeit nicht angebracht sei, über die Verfasser der Gebete u. dgl. zu sprechen. — Herr Landrabbiner Dr. Guttj mann wünscht, um den Unterricht dauernder und fruchtbarer j zu machen, mehr Gewicht auf die Thätigkeit in der Schule! als auf häuslichen Fleiß zu legen, da man bei letzterem auf! große Schwierigkeiten stoße. Ferner hält es Redner für, wünschenswerth, einen auf pädagogischen Principien fußenden j Lehrplan für den Gesammtunterricht aufzustellen, dadurch! würden die vom Referenten gesteckten Ziele doch erreicht werden. — Herr Landrabbiner Dr. Gronemann wünscht, daß! man mehr Stunden auf das Uebersetzen der Tefillah als auf; dasjenige des Pentateuchs verwenden möge. Unser Bestrebenj müsse sein, das Kind dahin zu bringen, daß es dereinst dem; Gottesdienste vollständig folgen könne. Hierzu gehöre zwar * unbedingt das Verständniß der Toi-ah und der Tefilla. Beides zu erreichen, sei aber nicht möglich, da der in der Tora enthaltene Stoff in der Schule nicht ganz absolvirt werden könne. Wohl könne aber der ganze Stoff der Tefillah absolvirt werden, weshalb es ihm practischer erscheine, auf diesen Unterricht mehr Zeit zu verwenden. — Hr. Dr. Kroner wünscht viel Gewicht auf die Geläufigkeit des Lesens zu legen, denn gerade der Umstand, daß vielen das Lesen Schwierigkeiten bereitet, schreckt sie vom Gebete zurück. Zur Berathung der vom Referenten aufgestellten Thesen wurde auf Antrag des Herrn Dr. Guttmann eine Commission gebildet, welche dieselben in folgender Weise annahm.- 1) Zur lebendigen Theilnahme am Gottesdienste wie bei den religiösen Uebungen im Hause ist Kenntniß und Verständniß der Tefillah, sowohl in ihrem Inhalte, wie in ihrer Anwendung erforderlich. 2) Daher bildet das Lesen und Uebersetzen der Tefillah sowie die gottesdienstliche Anwendung derselben einen Hauptunterrichtsgegenstand des jüdischen Religionsunterrichts. 3) Zur Erlangung eines richtigen und geläufigen Lesens der hebräischen Gebete ist es erforderlich, daß der Leseunterricht auf die ganze Schulzeit ausgedehnt und in methodischer Weise mit Beachtung der grammatikalischen Regeln ertheilt werde. 4) Das Uebersetzen der Gebete hat im zweiten Schuljahre seinen Anfang zu nehmen und muß dann die ganze Schulzeit hindurch fortgesetzt werden. 5) Um das Ziel dieses Unterrichtsgegenstandes, Kenntniß der wichtigsten täglichen, Sabbath- und Festgebete, zu erreichen, ist es erforderlich, daß der Unterrichtsstoff in concentrischen Kreisen auf die einzelnen Claffen oder Abtheilungen vertheilt werde, damit in den folgenden Abtheilungen das Pensum der vorhergehenden wiederholt und von neuem befestigt werden kann. 6) Als Vorbereitung und Nachübung ist den Schülern ein geeigneter Leitfaden in die Hand zu geben, das Uebersetzen selbst hat jedoch aus der Tefillah zu erfolgen. 7) Neben einem geläufigen Lesen und gründlichen Uebersetzen der Gebete ist stets auf ein richtiges Verständniß derselben hinzuarbeiten. 8) Sowohl beim Lesen, wie beim Uebersetzen der Gebete sind die Schüler mit unserem Gottesdienste bekannt zu machen und unausgesetzt zu einem richtigen Gebrauch der Tefillah beim öffentlichen Gottesdienst, wie bei den religiösen Uebungen im Hause anzuleiten. Hiermit schloß Mittags 1 Uhr die Vormittagssitzung. Fortsetzung der Verhandlungen Nachmittags 3^2 Uhr. Der Tagesordnung entsprechend, ertheilte der Vorsitzende dem Lehrer Levysohn Verden das Wort zu seinem Referate: „Warum erscheint eine alljährliche Generalversammlung der Mitglieder unserer Unlerstützungscasse resp. Berathung über dieselbe wünschenswerth, und welche Mittel und Wege sind zur Förderung dieser Casse in Anwendung zu bringen." In seinem Vortrage führt der Referent Klage darüber, daß im Allgemeinen viel zu wenig geschehen, um den Fonds der Unterstützungscasse für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover in gehöriger Weise zu erweitern. Gegenüber anderen Pensionscassen für jüdische Lehrer, sowie der Unterstützungscasse der Seminaristen der

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