Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- Seite 569 (sequence 13)
- Language
- German
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569 das Wort zur Berichterstattung und erklärt, daß er bei der Regierung zu Hildesheim den Antrag gestellt habe, den Elementarlehrern die Alterszulagen aus Staatsmitteln zu gewähren, und daß die Regierung diesem Anträge nicht abgeneigt zu sein scheine. Er hoffe, daß auch von Seiten der anderen beiden Herren Landrabbinen der Provinz gleiche Schritte geschehen werden. Nur, so führt Redner aus, durch die Gewährung dieses Antrages von Seiten der Regierungen könne sowohl den Elementar-, wie auch den Religionslehrern der Provinz eine dem neuesten Modus entsprechende Dienstalterszulage verschafft werden; denn dadurch, daß für die Elementarlehrer die Alterszulagen nicht wie bisher aus dem Provinzialfonds zu fließen brauchten, könnten die Mittel des letzteren für die Dienstallerszulagen der Religionslehrer und zu Beihülfen für bedürftige Gemeinden verwandt werden. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann giebt den Aeußerungen des Herrn Dr. Guttmann seine volle Anerkennung, da auch er dessen eingeschlagenen Weg für den richtigen halte. Lehrer Levy Norden erkennt mit Freuden das Wohlwollen an, das die Herren Landrabbinen betreffs der Alterszulagen den Lehrern zuwenden; denn es sei jedenfalls von weit größerem Erfolg, wenn die Herren Landrabbinen dieserhalb bei den Regierungen vorstellig werden, als wenn dieses die Lehrer thun würden, zumal Massenpetitionen seitens der Lehrer unzulässig seien. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann versichert, daß die Landrabbinen das ihrige zu dieser Sache thun würden. Nachdem sodann die bisherigen Vorsitzenden, Blumenfeld - Adelebsen und Stern-Hildesheim, wiedergewählt, und Rose-Gehrden und der Unterzeichnete zu Schriftführern ernannt worden waren, ertheilte der Vorsitzende dem Lehrer Stern-Hildesheim das Wort zu seinem Referate: „Die Behandlung der Tefillah in der jüdischen Volks- und Religionsschule". In seinem mit vielem Fleiße ausgearbeiteten Vorträge führte der Redner etwa folgendes aus: Es sei sehr bedauerlich, daß sich schon seit geraumer Zeit bei unserer jüngeren Generation eine Abneigung gegen die hebräischen Gebete kund thue. Dauere diese Abneigung so fort, so sei zu befürchten, daß mit der Zeit das hebräische Gebet ganz und gar aus unserem Gotteshanse verbannt werde, um dem deutschen Gebete den Platz einzuräumen. Den Grund für diese Abneigung glaubt der Referent darin zu finden, daß aus Unverständniß sehr vieler Gebete kein Interesse für dieselben vorhanden sei. Aus diesem Grunde lasse auch der Gottesdienst den Betenden kalt Man finde unter den Besuchern des Gotteshauses eine große Anzahl, die gar nicht betet, eine andere Anzahl, die ohne irgend welche Andacht die Gebete hersagt, weshalb nach dem Ausspruche unserer Weisen: Tefillah beli kewanah keguf beli neschamah, auch die Gebete der letzteren nicht als wahre Gebete zu betrachten seien. Da aber nach dem Ausspruche unseres Weisen Simon des Gerechten das Gebet einer der drei Grundpfeiler sei, auf denen die Welt beruht, und da das hebräische Gebet für den jüdischen Gottesdienst eine unbedingte Nothwendigkeit sei, so sei es eine unabweisbare Pflicht der jüdischen Volks- resp. Religionsschule, der Pflege des hebräischen Gebetes mehr Zeit zuzuwenden, als dieses bisher der Fall war. Der Wichtigkeit des Gebetes entsprechend, müsse die Behandlung desselben an die Spitze sämmtlicher religiösen Disciplinen treten. Das Kind müsse mit sämmtlichen in der Tefillah enthaltenen Gebeten in gehöriger Weise vertraut gemacht und angeleitet werden, die Gebete ihrem Inhalte nach voll undganz zu erfassen; denn nur, wenn das Kind das Gebet seinem Inhalte nach vollständig erfaßt haben werde, werde es Interesse am Gebete haben und in Folge dessen mit Liebe beten. Um dies Ziel zu erreichen, sei es daher erforderlich, den Stoff so planmäßig auf die verschiedenen Altersstufen zu vertheilen, daß im Laufe der Schulzeit sämmtliche Gebete übersetzt und zum Verständniß des Kindes gebracht werden. Daneben dürfen aber die Uebungen zur Erlangung der Fertigkeit im geläufigen Lesen sowohl, wie auch solche im Auffinden und Zusammenstellen der Gebete für Wochen-, Sabbath-, Festtage rc. keineswegs versäumt werden. Daß es möglich sei, den gesummten Stoff im Laufe der Schulzeit zu übersetzen, wies Redner in ganz treffender Weise an Zahlen nach. Damit das Uebersetzte auch dauerndes Eigenthum des Kindes bleibe, müsse das Kind, wie beim Erlernen jeder anderen fremden Sprache, die Vocabeln durch Memoriren sich fest einprägeu, weshalb es am zweckmäßigsten sei, dem Uebersetzen ein Vocabularium zu Grunde zu legen. Als ein sehr praetisches Lehrbuch empfiehlt Redner die Tefillah - k'zarah von Dr. Rahmer, da dieselbe nicht nur eine für die verschiedenen Altersstufen richtige Auswahl des Stoffes, sondern auch ein Vocabularium enthalte. Um jedoch das Kind mit dem Inhalte der Tefillah ganz und gar vertraut zu machen, sei es von großem Nutzen, wenn man, besonders in der Ol'erclasse, auch auf die Entstehung und Verfasser unserer wichtigsten Gebete etwas näher eingehe. Als ein für diesen Zweck zur Vorbereitung für den Lehrer sehr brauchbares und zugleich belehrendes Buch empfiehlt Redner „Das Gebetbuch und der Religionsunterricht" von M. Mannheimer in Darmstadt. (Selbstverlag des Verfassers.) Ferner empfahl Redner „Das synagogale Gebet in seiner geschichtlichen Entwickelung" von Dr. M. Duschak. (Jllustrirte Monatshefte für die gesummten Interessen des Judenthums. Band I, S. 83 ff., 1865.) Mit einem Hinweise auf die segensreichen Folgen, die aus einer solchen Behandlung der Tefillah ersprießen würden, schloß der Redner seinen gediegenen Vortrag, für welchen er den Beifall der Versammlung erntete. Der Bortrag gab Veranlassung zu einer lebhaften