Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- Seite 568 (sequence 12)
- Language
- German
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588 „Schleppfüchse", Ausstellung von Wachen und manch klug ersonnenes Täuschungsmittel dazu, den Beobachtungen der Pedelle zu entgehen oder sie auf falsche Fährte zu lenken. Es waren deshalb damals natürlich die Duelle seltener als jetzt, da in manchem Sommer von drei geplanten Paukereien durchschnittlich zwei gestört wurden. — Die persönliche Tapferkeit wurde um so mehr anerkannt, je seltener sie sich zu bethätigen Gelegenheit finden konnte. Das Corpsband schloß die Vereinigten um so fester aneinander, als sein Besitz ein theures Geheimniß war. — Um die Zeit, welche ich schildere, bestanden in Halle vier Corps, die Preußen, Märker, Sachsen und Westfalen. — Die Märker ressortirten zu einem namhaften Theil aus den Abiturienten des Höllischen Pädagogiums und der „Latina". Aus ersterem traten besonders zahlreich adlige Studenten zur „Marchia", welche auch von anders her Studenten adliger Abkunft zum Eintritt veranlaßten. So kam es, daß das adlige Element zeitweise wohl ein Drittel oder mehr der ganzen Verbindung ausmachte. Aber ein theures Band umschlang alle und im Corps entschied nur die persönliche Tüchtigkeit und nicht der Name. Auch nicht das Glaubensbekenntniß. — In dem erwähnten Corps der Marchia mit dem Motto: Fortia adversis opponite pectora rebus! wurde ein von Berlin herüber gekommener Student, Mediciner und Jude, Namens Carl Wolfs, vulgo „Send", seiner Tapferkeit und sonstigen studentischen Tüchtigkeit wegen zum zweiten „Chargirten" (Consenior, Vertreter des Duell- Wesens) gewählt und er hat seine Stellung wacker ausgefüllt. So manchem alten Corpsbursch damaliger Zeit wird der liebenswürdige „Send" noch in wohlthuender Erinnerung sein. Stets schlagfertig mit Wort und Waffe, machte er die Paukereien mit den gefürchtetsten Schläger» gegnerischer Corps durch, bis er des bevorstehenden Examens und seiner klinischen Praxis wegen aus dem Corps sich zurückziehen mußte, aus welchem seine Altersgenossen aus ähnlichen Gründen nun ebenfalls nach und nach ins Philisterium übertraten. Noch als Doctorandus hatte der brave „Send" einen studentischen Verdruß, weil er einen in Halle studirenden Russen, Namens Skobel(eff?), der ihn pöbelhaft beleidigt, kurzer Hand mittelst einer regelrechten Maulschelle abstraste, ein abgekürztes Verfahren, das ihm allerdings seitens des Seniorenconvents den temporären Verruf zuzog. Unter den Wählern, welche den tapferen Wolff zum Waffenwart und Consenior der Marchia erkoren hatten, waren auch manche aristokratische Namen, Axel von der Nolcken, ein livländischer Freiherr, tapfer und deutsch vom Scheitel bis zur Sohle, mit jedem contrahirend, der sich unterstand, ihn einen Russen zu nennen, ferner Freiherr von Münchhausen, Haßo von Wulffen, der nach Wolffs Abgang sein Nachfolger wurde. Auch eines bürgerlichen Wählers sei hier gedacht, Otto Nasemanns, der Tapfersten einer, der 1851 aus Schleswig, wo er als Osficier gekämpft, mit zerschossenem Bein, aber ganzem Herzen zurückkam und in seinem geliebten Halle später Gymnasialdirector wurde. Wolff blieb in seiner Vaterstadt Berlin und ist auch in weiteren Kreisen als städtischer Physikus und Geh. Medizinalrath bekannt geworden. 0-. Lorrespon-ery. Emden, im August. Aus dem Protokoll der am 10. Juni 1889 zu Hannover stattgefundenen Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. Anwesend waren 3 Ehrenmitglieder und 38 Mitglieder. Der Vorsitzende, Lehrer Blumenfeld-Adelebsen, eröffnete Morgens 10 Uhr die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten. In seiner Ansprache an die Versammlung drückte er seine Freude aus über die diesmal in so überaus großer Anzahl erschienenen Mitglieder. Die rege Theilnahme an der Versammlung läßt ihn hoffen, daß die Verhandlungen von segensreichen Erfolgen gekrönt sein werden. Es sei eine solche Versammlung der rechte Ort, von wo aus der Lehrer heilige Begeisterung für seinen Beruf schöpfen könne. Mit einem Hinweise auf unseren erhabenen Monarchen, der an Pflichttreue jedem Lehrer ein ehrendes Vorbild sein kann, und mit einem dreimaligen Hoch auf denselben schloß der Vorsitzende seine Ansprache. Alsdann ergriff Herr Landrabbiner vr. Gronemann das Wort, um die Versammlung herzlich willkommen zu heißen. Er giebt seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Verein diesmal wieder in Hannover tage. In die Tagesordnung eintretend, erledigte der Vorsitzende zunächst einige geschäftliche Mittheilungen. Aus denselben ist hervorzuheben, daß dem Vereine, wie schon seit vielen Jahren, auch in diesem Jahre von dem verehrlichen Ausschüsse des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" ein Zuschuß von 100 M. gewährt wurde, wofür nach Schluß der Verhandlungen dem Wohllöbl. Gemeindebunde der Dank der Versammlung gezollt wurde. Ferner theilt der Vorsitzende mit, daß er auf Wunsch mehrerer Vereinsmitglieder bei den Herren Landrabbinen der Provinz vorstellig geworden sei, daß den jüdischen Lehrern der Provinz Hannover die Dienstalterszulagen in gleicher Höhe gewährt würden, wie dieselben laut ministerieller Verfügung vom 1. April or. ab den christlichen Lehrern zuertheilt werden, und verliest die diesbezüglich ihm zugegangenen Antworten, welche durchweg günstig lauten. Herr Landrabbiner vr.Guttmann ergreift hierauf