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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-05 · Heft 36 (5.9.1889) · p. Seite 565

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 36 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
Seite 565 (sequence 9)
Language
German
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565 Dubno ist zu einem großen Theile von Juden bewohnt, früher eine weitbekannte Stätte der jüdischen Gelehrsamkeit. Dieses Brandunglück traf demnach sehr zahlreiche jüdische Familien, die dadurch brot- und obdachlos geworden. Rumänien. Jaffh, 22. August. In keinem der neuen Balkanstaaten herrscht eine solche sittliche Verkommenheit, wie in Rumänien. Man braucht nicht einmal das Land der „schwarzen Berge" auszunehmen. Der „N. Fr. Presse" wird über ein barbarisches Verbrechen berichtet: Die Heuer herrschende tropische Hitze lockte dieser Tage auch den Rabbiner von Matschin (in der Dobrudscha) zum Donaustrome, um darin ein kühlendes Bad zu nehmen. Diesen Genuß mußte er aber mit seinem Leben bezahle», denn als er in den Fluß stieg, wo noch andere Personen badeten, näherte sich ihm ein gewisser Trifanescu, ein rumänischer Beamter, der den Rabbiner an den Ohren faßte und ihn so lange unter Wasser hielt, bis der des Schwimmens unkundige Rabbi in den Wellen verschwand und ertrank. Entrüstet über die unerhörte That, wollten die Matschiner Juden an Trifanescu Rache üben, was jedoch die Polizei verhinderte. Vor Gericht erklärte der Barbar, er habe nur einen Scherz treiben und den Rabbiner taufen wollen. Ob Trifanescu der verdienten Strafe unterzogen werden wird, bleibt abzuwarten, da der dortige Polizeicommissar Orescheanu ihn in Scbutz nimmt und es duldet, daß Trifanescu, der auf freiem Fuße sich befindet, die trauernde Wittwe seines Opfers in der empörenosten Weise verhöhnt. Der Vorstand der Israeliten von Matschin unterbreitete dem Ministerpräsidenten Catargi die diesbezügliche Klage. Palästina. Jerusalem, im August. Aus Jaffa wird der „Rat.- Ztg." vom 12. August geschrieben, daß dort acht französische Eisenbahn-Ingenieure eingetroffen sind und sofort den Bau der Eisenbahn nach Jerusalem in Angriff genommen haben. Somit scheint es nun doch mit der längst projektirten Eisenbahn Ernst zu werden. Von welcher Bedeutung dieselbe für Jerusalem ist, haben wir schon wiederholt auseinandergesetzt. Nächstdem ist nichts für die heilige Stadt wichtiger, als die Wiederherstellung der Salomonischen Wasserleitung. Eisenbahn und Wasserleitung würden Jerusalem zu einer jetzt ungeahnten Höhe bringen. — Der „Reichsanzeiger" des deutschen Reiches veröffentlicht die kgl. Kabinetsordre, durch welche König Wilhelm II. die Gründung und das Statut eines evangelischen Bisthums zu Jerusalem verordnet. Bekanntlich hat Friedrich Wilhelm IV. einen Vertrag mit England geschlossen, durch welchen ein evangelisches Bisthum zu Jerusalem gemeinschaftlich gestiftet wurde, das abwechselnd von dem einen und dem andern Staate besetzt werden sollte. Hierüber entstanden Streitigkeiten, der Vertrag wurde gekündigt und der jetzige König von Preußen beschloß ein eigenes preußisches Bisthum einzusetzen. Es steht hierzu ein Capitalfonds von 1,150,000 Mark zu Gebote, bestehend theils aus dem Stiftungsfond Friedrich Wilhelm IV., theils aus den Erfolgen der Kirchenkollekten. Bis jetzt war die Wirksamkeit des evangelischen Bisthums gering, und namentlich dessen Missionsarbeit unter den Juden, eine sehr erfolglose. Marokko. Saist, im August. Bon hier wird wieder einmal von schweren Mißhandlungen berichtet, welche einigen Juden, ohne irgend eine Veranlassung gegeben zu haben, widerfuhren. Der Hauptverbrecher, ein Verwandter des Gouverneurs, blieb gänzlich unbestraft, während man einen der mißhandelten Juden, weil er Klage führte, ins Gefängniß warf. Wir wollen unsere Leser mit den Einzelheiten verschonen, die Juden von Saifi haben jedoch Energie genug, um die Sache nicht fallen zu lassen. Sie beabsichtigen, Deputirte nach Paris, London und Newyork zu schicken und haben bereits eine ziemliche Summe für die Kosten zusammengebracht. Es scheint übrigens eine europäische Jntrigue dabei mitzuspielen, die jedoch noch in Dunkel gehüllt ist. In den letzten Tagen haben sich einige Vertreter europäischer Mächte der unglücklichen Juden angenommen. Bonn, 1. Sept. (Notizen.) Zu Mailand ist der Oberbibliothekar der Bibliothek Breda, Jsaias Ghiron, im 52. Lebensjahre verstorben. Er war zu Casale geboren und hatte in Turin studirt, um sich, wie er beabsichtigte, dem jüdischen Lehrfache zu widmen. Schon 1857 veröffentlichte er eine Broschüre in Verbindung mit Joseph Pavia: La strenna israelitica casalese, aber die für Italien so glücklichen Ereignisse von 1859 und 1861 warfen ihn in eine andere Laufbahn. Er wurde 1861 Secretär von Georg Pallavicino, dem Gouverneur von Palermo, der ihm eine warme Zuneigung widmete, die bis zum Tode des berühmten Greises währte. Später wurde Ghiron Unterbibliothekar in Mailand, arbeitete dann mit an der Reorganisation der Bibliothek Victor-Emanuel in Rom, bis er 1884 Obervorsteher der Nationalbibliothek von Breda wurde. Mit unermüdlichem Eifer arbeitete er an der Neugestaltung dieses Instituts, das durch ihn zu einem mustergültigen wurde. Außer einer Reihe von Monographien redigirte er die Annalen der Geschichte Italiens, in Fortsetzung der von Muratori. Wie sehr er geschätzt war, zeigte sich bei seiner Beerdigung, welcher eine große Anzahl ausgezeichneter Männer ötz

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