Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 vollen Worten des verstorbenen Ministers Trefort und der in den letzten drei Jahren Heimgegangenen Berufsgenossen. Die Generalversammlung nahm den Bericht zur Kenntniß und ertheilte dem Ausschuß das übliche Absolutmium. — Hierauf hielt Moritz Hoffmann aus Groß - Kanizsa einen längeren Bortrag über die von dem Vereine herausgegebenen Lesebücher, wobei er verschiedene Mängel dieser Lesebücher hervorhob. Er schloß mit einem Anträge auf Umgestaltung dieser Lesebücher. Ueber den Antrag Hoffmanu's entspann sich eine längere Discussion, an der sich die Mitglieder Abraham Lederer, Leopold Szep, Bernhard Schön, Philipp Baum, Philipp Kellner, Leopold Erdstyi und Prof. Dr, Moritz Karman betheiligten. Letzterer bekämpfte in eingehender Weise die Ausführungen und den Antrag Hoffmann's. Hierauf wurde der Antrag Hoffmann's mit einem von Abraham Lederer beantragten Zusatz angenommen, wonach auch ein Leitfaden zum Gebrauch des Lesebuches angefertigt werden soll. — Die Generalversammlung beschloß noch, den Präparandie- Director Heinrich Deutsch zu seinem 70. Geburtstage durch eine. Deputation zu begrüßen. — In der Nachmittagssitzung hielt Salomon Klein aus Szegedin einen Vortrag über den Religionsunterricht an den confessionellen und Simultan- Volksschulen und legte einen neuen Entwurf des Religions¬ und Bibelunterrichts vor. Dieser Entwurf wurde an den Central-Ausschuß gewiesen. Bela Csajüghy erstattete in Angelegenheit der Errichtung eines Waisenhauses einen Bericht, der in dem Anträge gipfelte, daß derzeit die Errichtung eines solchen Waisenhauses noch nicht nöthig sei. Vorkommeuden Falles sollen die betreffenden Waisen der privaten Erziehung übergeben oder gegen eine mäßige Bezahlung im Waisenhause der Pester israelitischen Gemeinde untergebracht werden. — Dieser Antrag wurde angenommen und dann die Sitzung geschlossen. Die hiesige israel. Landes-Lehrer-Präparandie zählte im verflossenen Schuljahre 12 ordentliche Lehrkräfte, überdies 4 in der Uebungsschute. Die Zahl der Schüler betrug in der Lehrerpräparaudie 75, in der Uebungsschute 93. Lehrer- Diplome erhielten 25 Zöglinge. Neutra, 23. August. Der hiesige israel. Volksküchen- Verein veröffentlicht den Ausweis über seine Thätigkeit in den Wintermonaten 1888/89. Es wurden während 100 Tagen gespeist unentgeltlich 4261 Schulkinder und 3425 Erwachsene; für eine Taxe von 10 Kreuzer 1111 Personen, zusammen daher 8797 Personen. Die Gesammteinnahmeu, durchwegs freiwillige Spenden, betrugen 2386 fl., die Ausgaben dagegen 1325 fl. 51 kr., es verblieben demnach 1060 fl. 95 kr., wovon 700 fl. den Gründungsfond bilden, 360 fl. 95 kr. aber zu weiteren laufenden Ausgaben verwendet werden. Dieser schöne Erfolg war nur dadurch möglich, daß nebst den Baarspenden auch eine bedeutende Quantität von Naturalspenden einlief. | S. A. Ujhely, 19. August. (Pr. Mitth.) Der gegen! wärtig in Kolomea (Galizien) wohnhafte Rabbi Hille Wetsch, der in der Mitte der sechsziger Jahre als Szikßoer Rabbiner einen großen Theil der oberungarischen Gemeinden be- 1 reiste und in geharnischten Reden gegen Bildung und Fortschritt wüthete und der zur Zeit, als die Sonne der Freiheit auch am Horizonte unseres Vaterlandes so schön aufging, eine Synode oberungarischer Rabbiner berief, um darüber zu Rathe zu sitzen, wie und auf welche Weise das Nebel der etwaigen Emancipation der ungarischen Israeliten rechtzeitig und am besten beschworen werden könnte, — dieser Rabbi Hillel bereist jetzt wieder, trotz seines hohen Alters, einen großen Theil dieser Gegend, um die von der Cultur ohnehin noch unberührt gebliebenen Israeliten nach seiner Weise zu „belehren". Die Einladung der hiesigen unter der Aegide des Ungvarer Rabbiners stehenden orthodoxen jüdischen Gemeinde Folge leistend, ist er am vergangenen Mittwoch hier eingetroffen. Am Bahnhofe erwartete ihn die aus mehr als 300 Mitgliedern bestehende Gemeinde in corpore. Rabbi Hillel, dem man hier große Ovationen bereitet, begiebt sich morgen nach Uiigvär, wohin er auf Verlangen des dortigen Rabbiners Lazar Löw ebenfalls von der orthodoxen jüdischen Gemeinde berufen wurde. Es ist jedenfalls eine traurige Erscheinung, daß Rabbiner Lazar Löw, der Sohn des weil. Oberrabbiners Jeremias Löw, der noch vor 23 Jahren das Treiben des Rabbi Hillel Wetsch verdammte und in einem Rundschreiben die Rabbiner aus nah und fern aufforderte, sich den Bestrebungen dieses Fanatikers in Angelegenheit der Anti-Emancipation der ungarischen Juden nicht anzuschließen, — jetzt diesem Matador der Finsterlinge in optima forma huldigt! Frankreich. Paris, 27. August. Der Großrabbiner Zadoc Kahn erläßt einen Aufruf um Beiträge für ein Denkmal des Pastors Rabant de Saint-Etienne, der am 23. August 1783 in der Nationalversammlung eine beredte Rede hielt für die Emancipation der Juden, nachdem die der Protestanten ausgesprochen worden. Der protestantische Geistliche sprach Worte aus, welche noch heute der Erinnerung würdig sind. Die Aufforderung des würdigen Großrabbiners wird gewiß einen angemessenen Erfolg erlangen. — Herr Senator Lisbonne wurde zum achtzehnten Male zum Präsidenten des Härault gewählt. Nuffland. Odessa, 26. August. Die Stadt Dubno in Wolhynien ist zur Hälfte durch Feuer zerstört worden. Der Schaden ist der „D. News" zufolge enorm.