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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-05 · Heft 36 (5.9.1889) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 36 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
Seite 563 (sequence 7)
Language
German
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563 daß die Gesammteinnahme im letziverflossenen Jahre 23,748 Mark betrug, wovon nach Abzug der Ausgaben 16,526 Mk. an den Waisenhausfonds abgeliefert werden konnten. Die Zahl der vom Verbände unterhaltenen Waisen beträgt gegenwärtig 69, über deren Wohlbefinden die günstigsten Berichte Vorlagen. Bon den Beschlüssen der Versammlung ist nur derjenige beachtenswerth, daß die Frage wegen Aufnahme jüdischer Waisen dahin beantwortet wurde, daß die Verwaltung nach wie vor an dem Grundsätze festhalte, daß bei der Aufnahme von Waisen die Religionsunterschiede niemals maßgebend sein sollen. Allen Kindern wird je nach ihrer Confession besonderer Religionsunterricht ertheilt. Leipzig, 27. August. (Privatmitth.) Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden! Mit diesen Worten, mit welchen Mendelssohn sein „Jerusalem" schließt — das selbst Goethe „einen reizenden Codex der Toleranz" nennt — möchten wir einer feindlichen Schaar entgegentreten, die seit längerer Zeit in der „Leipziger Zeitung", einem von der Regierung Sachsens subventionirten offiziösen Organ, in einer besonderen antisemitischen Abtheilung, die unedle Verläumdung und die Förderung des Klassenhasses sich zur Aufgabe gemacht hat. Kaum dürfte die Umgebung eines edelsten Fürsten, dessen Haus vor kurzem für sein achthundertjähriges Bestehen und für die allezeit ungetheilte Liebe seiner Unterthanen die Weltgeschichte zum Zeugen mit Stolz angerufen hat, eine Ahnung haben, daß ein werthvolles und wissenschaftlich begründetes Blatt, die materielle Stütze des Staates, welche die Steuern seiner Bürger beschaffen, zu solchen Zwecken dienen läßt. Das gestern erschienene Blatt brachte neuerdings eine Abhandlung, welche, in Form von „Badereisen an der Ostsee", die dort anwesende Judenheit dem öffentlichen Spotte und dem Hasse preisgiebt. Der Stammort, an welchem die „Leipziger Zeitung" erscheint, hat wohl kaum jemals Gelegenheit geboten, die einheimischen Juden in verächtlichem Sinne zu besprechen — und werden wohl deshalb allein Stoff und Form von fremden, nicht dem Orte selbst entstammenden Scribenten entnommen, um die alten Kindermärchen wieder aus der Zeit des Mittelalters aufzufrischen. Und doch, wie schwer würde es sein, der niederen ungebildeten Masse im Volke — auf welche allein es abgesehen ist, um den Effekt zu erzielen — die Unwahrheit und die Böswilligkeit dessen, in jedem einzelnen Falle zu beweisen. An die Judenheit, die in so unwürdiger Weise geschmähet wird, ergeht deshalb die Mahnung, sich aus ihrer Ruhe durch solche Nörgeleien nicht bringen zu lassen. — Die Gesammtheit der Juden, welche nach altem Spruche im Einzelnen für einander haftbar ist, möge für die allgemeine Würde in jüdischen Kreisen, für die inneren und äußeren Beziehungen und die Ruhe und Ordnung stete Sorge tragen. Der Kampf gegen den antisemitischen Feind kennzeichne sich allerwärts nur dadurch, daß man sich von den feindlichen Zeitungsblättern, von den Lokalen, in welchen diese ausliegen und von den antisemitischen Geschäftsfreunden, wo immer dieselben entgegentreten, lossagt. Dieses allein sei unsere einzige Waffe zur Abwehr des zeitlichen Uebels! Bern. Bodek. Flensburg, 25. August. Der hiesige Pastor Peters, der sich durch seine Orthodoxie ein ziemliches Ansehen in Stadt und Umgegend erworben und zugleich den Antisemitismus sehr stark betrieben hat, ist vor einigen Tagen flüchtig geworden, weil er ein Verbrechen gegen die Sittlichkeit verübt hat und sich der Strafe entziehen wollte. Oesterreich-Ungar». Wien, 26. August. Der Saatenmarkt, der infolge der antisemitischen Hetzereien, nicht zu Stande zu kommen drohte, ist nun doch durch die Bemühungen der Regierungen und des Magistrats zusammen gekommen, zählt aber nur etwa 2000 Teilnehmer gegen 5—6000 im vergangenen Jahre. Die zusammengetretene Commission nahm den Antrag an, daß zwar Wien durch seine geographische Lage für den Saatenmarkt am geeignetsten sei, und daß man voraussetzen dürfe, daß die Erscheinungen, welche das Fernbleiben vieler Theilnehmer veranlaßt haben, im nächsten Jahre geschwunden sein werden, daß aber dennoch überden Ort der Abhaltung das Votum der einzelnen Mitglieder der internationalen Commission entscheiden soll. Möge die hierin ausgesprochene Hoffnung in Erfüllung geben. Pest, 21. August. (Privatmitth.) Der Ungar. Israel. Landes Lehrer-Verein hielt heute im Prunksaale der israel. Normalschule seine diesjährige Generalversammlung. Israelitische Volksschullehrer aus allen Gegenden des Landes hatten sich eingefunden; es dürften an 200 ordentliche Mitglieder anwesend gewesen sein. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Directors E. Szanto, welcher der Freude über das glückliche Zustandekommen der Versammlung Ausdruck gab, richtete Paul Tencer im Namen der hiesigen israel. Gemeinde einen zündenden Gruß an die Lehrer. Laut dem vom Secretär Morgenstern vorgelegten Jahres« berichte beträgt der Netto-Erlös aus den Editionen des Vereins bisher über 3800 Gulden. An Mitgliedertaxen sind 4694 Gulden eingegangen. Der Reservefond des Vereins beträgt 20,090 Gulden und liefert einen jährlichen Zinsenertrag von beiläufig 850 Gulden. Der Verein zählt 458 ordentliche und 42 unterstützende Mitglieder. In den letzten drei Jahren sind 197 Lehrer mit größeren und kleineren Beträgen unterstützt worden; 9 Lehrerwittwen haben zusammen 1800 Gulden erhalten. Der Bericht gedenkt in pietäts-

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