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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-29 · Heft 35 (29.8.1889) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 35 (29.8.1889)
Date
1889-08-29
Page
Seite 554 (sequence 14)
Language
German
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Tage und der zur Zeit ihrer Ansiedlung in Gosen hilfsbedürftige Zustand der damals regierenden Pharaos ist so offen darin ausgesprochen, daß der Einsichtige nur zwischen den Zeilen zu lesen braucht, um das Zutreffende meiner Ansicht zu erkennen. Die vorliegenden Zeilen haben den Zweck, den augenblicklichen Stand der Exodus-Forschung in großen Zügen zu schildern. Eine Menge von Einzelheiten bestätigender Natur sind bei Seite gelassen worden, um den Faden der ruhigen Betrachtung nicht zu unterbrechen. Beweise vom Gegentheil brauchte ich nicht zu verschweigen, denn solche liegen nicht vor. Der wichtigste Punkt für die künftigen Untersuchungen bleibt vorläufig die Lage von Ramses. Da Herr Naville hofft, im nächsten Winter durch neue Nachgrabungen im englischen Aufträge auch diese offene Frage zu beantworten, so wird es sich zeigen, ob ich im Rechte war, unter der führenden Hand der Denkmälerinschriften und Papyrustexte einen Platz im Norden vom Krokodilsee für die Ramsesstadt im Voraus zu bezeichnen. Die Wissenschaft und der Spaten werden sich vereinigen, um die Ramses umlagernden Nebel zu zerstreuen. So vereinigen sich also, fügen wir zum Schluffe hinzu, die Angaben der assyrischen Keilinschriften mit denen der egyptischen Denkmäler und Papyrusrollen, um für die geschichtlichen Angaben der Bibel Zeugniß abzulegen und deren Glaubwürdigkeit auch von Seiten der nüchternen Geschichtsforschung glänzend wieder herzustellen. Polnisch-jüdische Kunst. Unter dieser Ueberschrift enthält die „Nationalzeitung" einen interessanten Artikel über den Betrieb der Künste seitens der Juden von Di*. M. Landau. In diesem allgemeinen Theile bringt derselbe uns nichts Neues. Dagegen berichtet er über ein Werk, welches die Academie der Wissenschaften in Krakau im 4. Bande der Berichte der Commission für Kunstgeschichte, Krakau 1889, herausgegeben hat: „Die Synagoge im Städtchen Jablonow am Brutk, von L. Wierzbicki." Das Städtchen wird zuerst in einem Aetenstücke aus dem Jahre 1564 erwähnt. Die Blüthe der jüdischen Gemeinde fand tu der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts statt und wird wohl in dieser Zeit die Synagoge erbaut sein. Die inneren Wände der Synagoge sind mit Inschriften und Bildern bedeckt. Am interessantesten ist die Ostwand, über welche wir die Beschreibung des Di*. Landau hier Herstellen. Die bekannten Linien- und Pflanzenornamente und Arabesken kommen auch hier vor, aber sie bilden nicht die Hauptsache, sondern dienen größtenteils als Umrahmung der Thierabbildungen. So finden wir an der Nordwand innerhalb eines einfachen geradlinigen Ornaments die bereits erwähnten vier symbolischen Thiere mit den entsprechenden Inschriften, oben, zwischen zwei Schilderhäuschen einen grimmigen Löwen, unten rechts und links Hirsch und Panther und in der Mitte den Adler, der auf der Brust zwei segnende Hände, das Zeichen des Priesterthums, trägt. In Bezug auf den König der Vögel macht Wierzbicki die Bemerkung, daß er übermalt ist. Er soll ursprünglich ein einköpfiger polnischer Adler gewesen sein, der dann in einen zweiköpfigen österreichischen umgewandelt wurde. Es fällt uns aber schwer, zu glauben, daß man nach der Occupation Galiziens österreichischerseits sich um die Entfernung des polnischen Wappenthieres aus der weltvergessenen Synagoge eines kleinen Städtchens viel gekümmert hätte. Interessanter aber als diese Wappenthiere ist das oft mit übermüthigem Humor gemalte Thiergesindel, das auf den Wänden der Synagoge sein Wesen treibt und das wohl kaum zur Erhöhung der frommen Stimmung der jüdischen Jugend von Jablonow beitrug. Zwar die zwei Hähne, die unweit von dem Löwen so laut zu krähen scheinen, können als Wecker zum Gebet gelten, und auch die vielen Tauben, die als Opferthiere oft in den Tempel gebracht wurden, finden in den Synagogen ihren paffenden Platz. Aber bedenklicher erscheinen uns die zwei „aufwartenden" Hunde und die vier galoppirenden Pferde. An der Südwand finden wir wieder als Wächter des siebenarmigen Leuchters zwei merkwürdigerweise zweischwänzige Löwen. Sollte auch hier eine Uebermalung stattgefunden haben, etwa aus Rücksicht auf die Tschechen? An derselben Wand haben wir noch zwei vierfüßige Thiere mit Schnäbeln und zwei Bären, die auf Rankenwerk herumklettern. zu bewundern. An der Westwand finden wir zwei naturalistisch gemalte Bären, die auf einen Baum hinaufklettern und die Zungen hinausstecken, wahrscheinlich in Erwartung des Honigs, den sie in einem Bienennest zu finden hoffen. Ueber den Bären schweben zwei Raubvögel, jeder ein Kaninchen oder Hasen in den Klauen tragend, während zwei Störche mit Schlangen in den Schnäbeln ernsthaft zuschauen. Weiter links erblicken wir einen Elephanten, der einen Thurm trägt, während zwei neben ihm stehende Hirsche die Köpfe von ihm wegwenden. Vier räthselhafte Thiere mit je zwei Vorderfüßen und Fischschweif tragen, in der Luft schwebend, zwei Ringe. Am lustigsten sieht es aber au der Ostwand aus, fast als ob der Maler mit den ernsten Dingen seinen Spaß treiben wollte. Um die Inschrift, welche den mächtigen thronhütenden Engel nennt, schlingt sich in blauem Felde grünes und rothes Rankenwerk, zwischen dem behaglich Nüsse knuspernd Eichhörnchen kauern. Ueber der Inschrift erhebt sich ein großes Ge-

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