Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1889)
- Date
- 1889-08-29
- Page
- Seite 553 (sequence 13)
- Language
- German
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553 „sagen, sie wären am 10. (?) Tage desselben Monats durch „(die Befestigung) gezogen. „So wie ich nun die Befestigung erreicht hatte, theilte „man mir mit, daß der Kutscher, welcher in die Wüste seinen „Weg genommen hätte, (gesagt habe.) sie hätten die Wall- „mauer nördlich vom Migdol (der Festung) Königs Seti „Menephthes überstiegen." Das konnte nur das Migdol des Auszuges gewesen sein, da es mit den biblischen Angaben seiner allgemeinen Lage nach vollkommen übereinstimmt. Nicht minder ist es mir eine neue Bestätigung für die alttestamentliche Ueberlieferung, daß die nächste Station südwärts von Ramses das Gebiet von Thukot-Sukkoth war, wo eine Sperre (Segol) oder kleine Verschanzung die freie Straße unterbrach. Auf den Karten steht südlich vom Krokodilsee, auf der rechten Seite des heutigen Südwassercanales, ein Ruinenhügel verzeichnet, welchem man den Namen des Serapeum gegeben hat, d. h. eines Tempels des unterweltlichen Osiris, wie ihn nach meiner früheren Bemerkung darüber jede größere Provinz besaß. In dem Itinearium Antonini, ein Verzeichniß der römischen Heerstraßen aus dem dritten Jahrhundert enthaltend, ist der Ort angegeben und seine Entfernung von Hero auf 18 Milien, das wären 3*/2 deutsche Meilen, bestimmt. Hat Naville Recht in dem Namen des Serapeums von Hero: Pi-ha-kiroht „Die Stadt des Tempels der heiligen Schlange", die egyptische Foim des ebräischen Pihachiroth wiederzuerkennen, so wäre ein neuer Beitrag zu dem geographischen Theile des Auszuges geliefert, dessen Werth nicht zu unterschätzen ist. War ich früher anderer Meinung in Bezug auf die Richtung des Auszuges, den ich, dem Beispiel Schleidens folgend, nach dem Sirbonissee im Norden versetzte, nur allein von spärlichen Andeutungen geographischer Natur in den Inschriften geleitet und ohne Kenntniß einer sicheren Basis für die Bestimmung der Lage von Pitum-Heroopolis, so hat die' neueste Ausgrabung meinen ehemaligen Standpunkt geändert. Denn ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die biblischen Angaben sich auf das Vollkommenste mit den Denkmälern decken und daß keine Zweifel mehr darüber bestehen ' können, daß der Auszug auf dem näher bezeichneten Terrain j und der Durchgang durch das Schilf-Meer nicht in der Nähe von Sues, sondern im südlichen Theile des heutigen Kro kodilsees stattgefunden hatte. Zum Schluß noch ein Wort über das vielgepriesene Land Gosen (Goschen nach der ebräischen Aussprache), das der Pharao des Josef Jacob und seiner eingewanderten Familie angewiesen hatte. Es war das beste Land für ihr großes und kleines Vieh, das hier reiche Weideplätze fand, wie es die biblische Schilderung deutlich erkennen läßt. Die siebenzig Dolmetscher der ebräisch geschriebenen Bibel hatten bereits das Richtige getroffen, indem sie dem Goschen-Namen die zu ihrer Zeit geltende egyptische Form Gesem, noch mit dem Zusatz „der (Provinz) Arabia" gegenüberstellten. Denn die geographisch so wichtigen Nomoslisten bezeichnen mit dem Worte Qesem oder Gesem die Metropole dieser also genannten Provinz, welche im Westen und Süden des Wadi-Tumilat gelegen, einen besonderen Kreis bildete, der sich bis zum rechten Ufer des pelusischen Nilarmes und bis zum Gebiet, von Bubastus ausdehnte und außerdem von dem heliopolitischen Canal bewässert ward. Die Lage der Metropolis ist durch aufgefundene Denkmäler neuerdings in Folge der Nachgrabungen des vr. Naville festgestellt worden. Sie nahm die Stelle der heutigen Dorfansiedelung Saft ein, deren arabisirter Namen einer altegyptischen Nebenbezeichnung für die Metropole, Sapt, entsprungen ist. Da das arabische Alphabet eines P-Lautes entbehrt, so wird für diesen Buchstaben bei Umschreibung von Fremdwörtern regelmäßig ein F eingesetzt. Platon wird beispielsweise zu einem Jflatun umgewandelt. Und wieder liefern Denkmäler und Inschriften die wuchtigsten Zeugnisse für die Richtigkeit der biblischen Ueberlieserung. Als König Menephthes, der Pharao des Auszuges, nach dem Tode seines Vaters Ramses II., dessen Tochter das Knäblein Moses im Schilf gefunden und als ihr Pflegekind hatte auferziehen lassen, zur Regierung kam, sah es schlimm genug in der Egypter Land ans. Feinde ringsum, die zu Wasser und zu Lande auf Egypten einstürmten, bis es dem König gelungen war, im fünften Jahre seiner Regierung, die in das Deltagebiet eingedrungenen fremden Völker zu überwinden. Auf einem Denkmale, zur Erinnerung an diesen Sieg in Theben aufgestellt und in seinen letzten Resten bis auf de» heutigen Tag erhalten, beginnt der Pharao damit, in der eingegrabenen langen Inschrift (leider mit Lücken) den Zustand des Landes vor seiner Zeit zu schildern. Bei dieser Gelegenheit erfährt die Nachwelt, daß seine Widersacher ihre Zelte im Angesicht der Stadt Pibalise (das heutige Bilbeis, auf dem Gebiete der Provinz Gesem-Gosen) aufgeschlagen hatten, in dem sie einen Graben mit Trinkwasser herstellten, der aus dem Canale von Heliopolis (sonst auch „das Wasser der Sonne" genannt) abgegraben war. Kein Helfer stellte sich ein und das Gebiet „blieb als Weideplatz den Viehheerden überlassen von Seiten der Ausländer und lag unbebaut da in den Zeiten der Vorfahren. Die Könige des Südens (Oberegyptens) saßen insgesammt bei ihren Gräberbauten.und die Könige des Nordens (Unteregyptens) befanden sich inmitten ihrer Städte, verschanzt in ihrem Schlosse, aus Mangel an Kriegsleuten, und sie besaßen keine Hilfsvölker, um den Feinden die Spitze zu bieten." Die Anspielung auf die Ebräer liegt so deutlich zu