Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1889)
- Date
- 1889-08-29
- Page
- Seite 555 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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555 bäude in Rohziegeln mit Kuppeln und von Wetterfahnen gekrönten Thürmen, vor denen weißgelbe Tauben in rothem Felde Wache halten. Zu Füßen der Tauben erblicken wir zwei ehrbar aussehende Füchse; aber etwas weiter links zeigt sich Meister Reineke in seiner wahren Natur, ein armes Gänschen davontragend, während neben ihm Rind und Schaf sich als Vegetarianer nähren. Auffallend ist es, daß kein einziges Exemplar vom Fischgeschlecht abgebildet ist. Sehr schön sind auch die halbkreisförmig abschließenden, mit bunten Ornamenten gezierten Betstühle, welche in schönen Buchstaben die Namen der Eigenthümer tragen. Kann man auch diesen Malereien keinen besonderen Kunstwerth zuschreiben, so bilden sie doch immerhin mit ihrem harmlosen Humor ein interessantes Denkmal einer fast ganz ungekannten Kunstrichtung. Nachtrag. Gießen, 22. August. (Privatmitth.) Der Königl. Bayrische Generalmusikdirektor Hermann Levi erhielt nach Beendigung der von ihm dirigirten Parsifal-Aufführungen von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm, der ihn zur Audienz befohlen hatte, den Kronenorden 3. Classe, und von Sr. Königl. Hoheit dem Prinz-Regenten einen kostbaren, aus Elfenbein geschnitzten, mit Lapis lazuli, Gold und Edelsteinen belegten Tactstock. Auch davon wollen Sie gefälligst Notiz nehmen, daß der Herr Rabbiner Dr. Kußnitzky, gleich den evangelischen und katholischen Geistlichen, zur KaiserlichKönigl. Tafel gezogen worden ist. Ober-Ingelheim, 22. August. (Privatmitth.) An den Tagen, in welchen diese Zeit, in die Hände der geehrten Leser kommt, sind 25 Jahre seit Gründung der Achawa verflossen. An diesen Tagen fand im Jahre 1864 in Mainz die erste Generalversammlung statt, der damals etwa 30 Lehrer und die Rabbiner Aub und Philippson beiwohnten. Es ist besser geworden, als wir damals zu erwarten berechtigt waren. Mit innigem Danke gegen den Geber alles Guten und viele edle Menschen, mit gerechter Befriedigung dürfen wir heute auf das treu gehegte und gepflegte Werk und auf das zurückblicken, was in allen diesen Jahren durch dasselbe geschehen ist. Es ist eingetreten, was einer der ersten und edelsten Pfleger der Achawa, was der unvergeßliche Dr. Leopold Stein schon im 2ten Jahre derselben gesungen: „Und also ist das Werk gelungen — Mit Gott, dem Vater, groß und gut, — Ein Band zu Herzen froh geschlungen — In Herzen flammend, Gluth und Muth. —" Noch lange ist das ganze Ziel, — den Lehrern ein sorgenfreies Alter, ihren Hinterbliebenen ein sicheres genügendes Auskommen zu verschaffen, — nicht erreicht; aber mehr und mehr nähern wir uns demselben. Ueberall, wohin wir uns wenden, finden wir Freunde und Förderer unserer Sache.*) Bis zum Abschluß dieses unseres Jubeljahres dürften wir wohl auf 1000 Ehrenmitglieder und nahezu 300 active Mitglieder rechnen. Unser bester Grundstock sind dann aber auch die über 150000 Mark bereits verausgabter Unterstützungen an unsere Pflegebefohlenen. Wir haben dann auch wohl ein fundirtes Vermögen von 115000 und eine Jahreseinnahme von 13000 Mark — ohne die Geschenke, die bisher jährlich auch 5000—6000 Mark betrugen. Das ist wohl mehr, als sich vor 25 Jahren erwarten ließ, und darauf läßt sich hoffnungsvoll weiter bauen. Von denjenigen, die an der Wiege des Vereins standen, mitwirkten und mitkämpften, sind sehr viele heimgegangen, sehr viele, die dem Schreiber dieses als wackere Freunde theuer waren. Das ist so der Lauf der Dinge. Wenige säen, — Viele ernten und erfreuen sich der Früchte. Segen dem Angedenken der Guten und Getreuen! Wir werden das Andenken derselben noch anderwärts festzuhalten suchen im Gedächtnisse der ihrer Aussaat sich erfreuenden Mitglieder. Möge die Gnade Gottes, die bisher sichtbar über unserem Werke waltete, demselben ferner Segen und Gedeihen geben. Möge er noch viele edle Herzen uns erwecken und mögen auch diejenigen nicht ermüden in ihrer Opferwilligkeit, die bis heute der „Achawa" treue Förderer und Freunde waren. Klingenslein. Breslau, 22. August. Am 16. h. beging der „Verein zur Erhaltung eines Jugendgottesdienstes" die Einweihung seiner Synagoge. Seit 30 Jahren bestehend, vereint mit der hebräischen Unterrichtsanstalt ins Leben gerufen, konnte sich diese Schule, wie der später entstandene „Montefiore-Verein" zur Schulgeldzahlung für Kinder bedürftiger Eltern vortrefflich entwickeln, während es an geeigneten Räumen zur Abhaltung des Jugendgottesdienstes fehlte. Erst seit zwei Jahren, seitdem thalkräftige Männer die Nothwendigkeit solcher Anstalten erkannten und die Sache in die Hand nahmen, wurden schnell gedeihliche Resultate erzielt, und es konnte zur Errichtung einer kleinen Synagoge geschritten werden. Dieselbe liegt Sonnenstraße Nr. 25 im Garten und enthält 150 Sitzplätze. Zur Einweihung hatten sich am 16. h., Nachmittags 5V2 Uhr eingefunden die Rabbiner DDr. Rosenthal und Fränkel (Dr. Joel war am Erscheinen verhindert), der Vorstand des Vereins, Vertreter anderer Synagogen und Humanitäts-Gesellschaften, sowie zahlreiche Mitglieder des Vereins. Die Weihe wurde damit eröffnet, daß die Rabbiner und die Schüler-Chors sieben Mal das Gotteshaus umzogen. Die Weihepredigt hielt der Vorsitzende des Vereins, Rabbiner *) Erst in diesen Tagen haben sich in der jüdischen Gemeinde Augsburg 32 neue Ehrenmnglieoer uns angeschlossen.