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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-29 · Heft 35 (29.8.1889) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 35 (29.8.1889)
Date
1889-08-29
Page
Seite 552 (sequence 12)
Language
German
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552 haben. Jetzt ist nun die zweite, wichtigere Stadt, Ramses, an der Reihe, und wir erhalten hierüber gewichtigen Aufschluß in einer Abhandlung von Heinrich Brugsch in der Sonntags-Beilage Nr. 32 und 33 zur „Vossischen Zeitung." Unsere Leser werden sich erinnern, daß Brugsch vor einige» Jahren in einem Vortrage, den er in London gehalten und der auch in deutscher Uebertragung erschienen, eine eigenthümliche Ansicht über den Weg, den der Auszug genommen haben solle, veröffentlichte, wonach die Israeliten gar nicht an das rothe Meer gekommen, sondern an einem Binnensee vorübergezogen seien. Wir bestritten damals diese Hypothese, welche den Angaben der Schrift völlig widerspricht. Um so bedeutsamer ist die vorliegende Besprechung desselben berühmten Egyptologen, als sie offenmüthig den früheren Jrrthum als solchen bekennt und sich an die Resultate der inzwischen geschehenen Ausgrabungen hält. Er kommt zu dem Resultate, daß die Angaben der h. Schrift sich völlig mit den Inschriften und Papyrusrollen decken. Wir heben deshalb einige der wichtigsten Stellen heraus. „Die Ramsesstadt wird nirgends, wenigstens nicht unter diesem Namen, vor der Zeit des Königs Ramses II. auf den Denkmälern genannt. Der Pharao dieses Namens hatte sie als seine „Residenz", so bezeichnen sie ausdrücklich die Inschriften, aufführen lassen und ihr die Bezeichnung „die Stadt des Ramses-Miamun" oder kurzweg „die Stadt des Ramses", Pi Ramessu, verliehen. Ein besonderer Beiname, der für dieselbe Stadt angewendet wurde, lautet: „Die sehr starke". Im Jahre 34 seiner 67jährigen Regierung hatte der König sie vollständig aufgeführt. Die Ramsesstadt war demnach nicht nur eine königliche Residenz, sondern zugleich ein befestigter Platz, wohl geeignet, die Grenzmark zu vertheidigen. Sie mußte an der Grenze gelegen sein, und zwar im nördlichen, d. h. dem unteren Egypten, denn das sagen ausdrücklich die Papyrustexte aus. Wer von Theben aus Nil abwärts sich nach Ramses begab, wie z. B. König Ramses II. selber, bog hinter Memphis in den östlich liegenden Canal von Heliopolis ein, um auf dem Wasserwege die „Residenz" zu erreichen. In deren Nähe muß ein Hafenplatz gesucht werden, einmal bezeichnet als „Hafenort für die Schiffscapitäne, welche dem Könige die Products der fremden Länder bringen." Der blühende Zustand der Ramsesstadt und ihrer Umgebung, ihre Frucht- und Blumengärten, ihre Getreidevorräthe, ihr Ueberfluß an Geflügel auf den Seen und in den Lüften, ihr Vorrath an Fischen, ihr Wein und Oel, mit einem Worte ihr im höchsten Grade cultivirter Boden verlieh der Residenzstadt schließlich jenen Reiz, den die egypschen Schreiber der Zeit in ihren Briefen und in gehobener Sprache als „süßes Dasein" schildern. Der Auszug der Kinder Israel fand nach der Ueberlieferung von Ramses aus statt. Die erste Station bildete Sukkoth d. i. das egyptische Thukot, die Gegend von Pithom, auf die ich bereits oben aufmerksam gemacht hatte. Auf ihrem weiteren Zuge „durch die Wüste am Schilfmeere", gelangten sie nach Etham, „vorn an der Wüste," dann lenkten sie um, und lagerten vor Hachiroth zwischen Migdol und dem Meere, oder bei Hachiroth am Meere gegen Baal Zephon und diesem gegenüber, schließlich vor Migdol. Nur zwei Möglichkeiten liegen in Bezug auf den Ausgangspunkt des Zuges vor. Entweder mußte sich die Ramsesstadt nördlich oder westlich von Pithom-Sukkoth befunden haben. Die westliche Lage, für welche man neuerdings eintreten möchte, muß gestrichen werden; denn nach meinen Bemerkungen lag Ramses nicht im Binnenlande, wenn westlich von Pithom, sondern an dem östlichen Punkte der Grenze und in der Nähe des Meeres. Wäre sonst die Erwägung ihres Hafens eine Möglichkeit? Unter der Annahme einer nördlichen Lage, in der Nähe des heutigen Canales, schwinden alle die gelehrte Forschung bedrückenden Schwierigkeiten. Südwärts ziehend, auf der westlichen Seite des Schilfmeeres, erreichten die jüdischen Auswanderer ganz natürlich Sukkoth, d. i. der Name des Bezirkes, in welchem Pithom als Metropolis galt, also ohne diese mehr nach Westen bei der Eisenbahnstation Ramses des Herrn von Lesseps gebaute „Borrathsstadt" zu berühren. Bevor ich fortfahre, lenke ich die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Namen Migdol, der im Ebräischen so viel als Thurm, Festung bedeutet, daher einen allgemeinen Sinn in sich schließt und auf mehrere Festungen ausgedehnt werden kann, wie es thatsächlich die Denkmäler beweisen. Ein Magdolon z. B., die griechische Form des semitischen Wortes, kennen wir aus Herodot. Es lag südwestwärts von Pelusium an der rechten Seite der westlichsten Nilmündung. Der Name Migdol, um auf die Hauptsache zu kommen, kehrt im Egyptischen in einem merkwürdigen Papyrusbriefe wieder, der zu den reichen Schätzen der orientalischen Abtheilung des Britischen Museums gehört. Ein königlicher Schreiber stattet nämlich darin einen amtlichen Bericht über den Erfolg einer besonderen Mission ab. Zwei Diener hatten aus irgend welchen Beweggründen den Palast des Königs, ihres Herrn, in Ramses verlassen und ihr Heil oder vielmehr Unheil in der Flucht gesucht. Unser Schreiber, hinter ihnen her, meldet darüber Folgendes in seinem Papyrusbriefe: „Ich hatte die Königshalle des Palastes am 9. Tage „des dritten Monats der Ueberschwemmungsjahreszeit gegen „Abend hin verlassen, hinter den beiden Dienstleuten her. „So wie ich nun die Sperre von Sukkoth am 10. Tage „desselben Monats erreicht hatte, theilte man mir mit, sie „hätten von der Südrichtung gesprochen, um (damit) zu

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