Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1889)
- Date
- 1889-08-22
- Page
- Seite 538 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227771-3227806--46446-3266010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*-r" a 4!- "H ..Hvf ■ 538 MMtzWM- IeuiLLeton. % Correspondenz. Kassel, 8. August 1889. Die 21. Jahresversammlung der israelitischen Lrhrerconferenz Hessens. Eine stattliche Anzahl von Lehrern, stattlicher als je zuvor, hatte sich am 8. Juli d. I. zur Jahresversammlung der israelitischen Lehrerconferenz Hessens in Kassel eingefunden. Am 8. Juli begann zur festgesetzten Zeit die Hauptversammlung. Da glänzte das Auge des Vorsitzenden in heller Freude, denn so groß war die Versammlung, daß der zur Verfügung gestellte Saal des Arbeiter-Fortbildungsvereins dicht besetzt war. Die Präsenzliste weist 89 Besucher auf, darunter 69 Mitglieder der Conferenz, die zum größten Theile Schüler des Vorsitzenden waren. Nachdem die Versammlung den Choral „Segne treuer Gott und stärke" gesungen hatte, hielt der Vorsitzende, Herr vr. Stein > Kassel, die Eröffnungsrede. Die Conferenz der israelitischen Lehrer Hessens tritt, so führte Redner aus, mit dieser Jahresversammlung in ihr drittes Jahrzehnt, und wenn dies zu Ende geht, so scheidet auch unser Jahrhundert, vor dem die kommenden Geschlechter ob des Umschwungs in allen Lebensverhältnissen, der Höhe des Geisteslebens und der moralischen Gesinnung, die es erzeugt hat, staunen werden. Alle Kräfte sind in Spannung und ringen nach Anerkennung. Auch auf pädagogischem Gebiete herrscht solch rastlose Thätigkeit, die ja auch solche Anerkennung gefunden hat, daß unser Jahrhundert wohl das pädagogische genannt werden kann. Die allgemeine Volksschule, die sich erst nach Niederwerfung der Fremdherrschaft und Aufhebung der Hörigkeitsverhältniffe und Standesunterschiede entwickeln konnte, ist ein Kind unseres Jahrhunderts. Vollständig ein Kind dieses Jahrhunderts ist die israelitische Volksschule, die ja erst nach Emancipation der Israeliten entstehen konnte, und da ist gerade unser engeres Vaterland (Hessen) allen Ländern vorangeschritten. Hier aber hat sich die israelitische Schule — trotz mancher Hindernisse so gut entwickelt, daß sie mit der christlichen gleichen Schritt halten kann und auch gleiche Anerkennung gefunden hat. Haben beide doch auch das gleiche Ziel, neben der Tüchtigung fürs Leben und neben der Förderung wahrer Religiosität auch wahre Vaterlandsliebe zu Pflegen. Redner glaubt, daß wie die christliche, so auch die israelitische Schule noch eine Zukunft habe, und schließt mit dem Wunsche, daß sich diese Hoffnung erfüllen möge, seine mit vielem Beifalle aufgenommene Eröffnungsrede. Nachdem die Unterzeichneten zu Schriftführern ernannt worden waren, begrüßt Herr vr. Stein die diesmal besonders zahlreich erschienenen Gäste. Außer einer Anzahl Collegen aus den angrenzenden Provinzen hatten Herr Adolf Gotthelst, Delegirter des D. I. G. B., sowie die Herren Rabbiner vr. Prager-Kassel, vr. Munk-Marburg und vr. Rosenberg - Brandenburg, wie auch Herr Rechtsanwalt vr. Rosenfels, ein warmer Verehrer des Lehrerstandes, die Versammlung durch ihr Erscheinen geehrt. Hierauf verlas der Vorsitzende den Jahresbericht. Dieser gedachte zuerst mit Dank der erhabenen Fürsorge der königlichen Staatsregierung für das Gedeihen der Volksschule. Das Schulentlastungsgesetz erleichtere zwar zunächst nur die Lasten der Gemeinde, aber es sei doch auch eine Wohlthat für die Schule selber, besonders für die israelitische, denn I der Weiterbestand mancher israelitischen Schule sei durch den Wegzug der begütertsten Familien und die dadurch verminderte Steuerkraft der Gemeinden ernstlich gefährdet gewesen und erst durch das Schulentlastungsgesetz gesichert worden. — Der Jahresbericht brachte dann zur Kenntniß, daß der Ausschuß der Lehrerconferenz bei den vier Vorsteherämtern vorstellig geworden sei, dieselben möchten die ihnen unterstellten Gemeinden in geeigneter Weise veranlassen, einen Theil der obengenannten Zuschüsse zur Aufbesserung des Einkommens ihrer Lehrerstellen zu verwenden. — Weiter theilt er mit, daß der D. I. G. B. auch in diesem Jahre wieder 150 M. zu den Kosten der Versammlung verwilligt habe, und spricht dem Ausschüsse des D. I. G. B. hierfür wärmsten Dank aus. — Einen warmen Nachruf widmete der Jahresbericht dem im October v. I. verstorbenen Senior der israelitischen Lehrer Hessens, dem überall beliebten Gutkind - Zierenberg, der noch vor zwei Jahreu als Greis von 82 Jahren zur Jahresversammlung in Kassel gekommen war. Die Versammlung ehrte sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Herr Gutkind Kassel erstattete nun den Kassenbericht, der ein nicht unerhebliches Deficit ergab, das selbst durch die fast vollständig erfolgte Einziehung aller rückständigen Beiträge bei Weitem nicht gedeckt werden kann. Jetzt ergriff Herr Perlstein-Zwesten das Wort zu dem Vortrage: Tie Pflege des religiösen Sinnes in unfern Schulen. Einleitend meinte der Vortragende, das Thema sei ein zeitgemäßes, da es besonders in der Jetztzeit, wo auf der einen