Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1889)
- Date
- 1889-08-22
- Page
- Seite 539 (sequence 15)
- Language
- German
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Seite Jndifferentismus, auf der andern Seite kaltes Formenj wesen herrsche und wahre Religiosität nicht zu gedeihlicher Entwickelung kommen lasse, heilige Pflicht der Schule sei, diesen Uebeln entgegentretend, das Judenthum, wie es von den Vätern uns überkommen ist, zu pflegen und heilige Begeisterung für die väterliche Religion und ihre Satzungen in die Herzen der Kinder zu verpflanzen. Um dies zu erreichen, stellt der Vortragende den Grundsatz auf, den Religionsunterricht praktisch zu gestalten, fürs Leben, nicht nur für die Schule zu unterrichten. Deshalb möchte er den systematischen Religionsunterricht anders gestalten und in denselben nur das specifisch Jüdische und Ceremonielle verlegt wissen. „Den ethischen Theil des Religionsunterrichts, die Bürgerpflichten rc. verweist er in den Bibelunterricht. Auch dem Gebetübersetzen mißt der Vortragende einen großen erziehlichen Werth bei, und verlangt er, alle Gebete des Siddur, selbst einige Stücke des Machsor, müßten in der Schule durchgenommen werden. Zu den nicht specifisch religiösen Untecrichtsgegenständen, die der Pflege des religiösen Sinnes dienen, übergehend, will der Vortragende besonders das Lesebuch in den Dienst dieser Sache gestellt wissen und wünscht deshalb, daß es Lesestücke enthalte, die — aus dem jüdischen Leben genommen — geeignet sind, für die jüdische Sache zu erwärmen und zu begeistern. Auch ein für israelitische Schulen geeignetes Choralbuch und eine Sammlung von Schulgebeten hält der Vortragende für wünschenswerth. Die Schwierigkeit der Lösung dieser Aufgabe (Pflege des religiösen Sinnes) beleuchtend, fordert er dann vom Lehrer, daß er sich, wenn ihm auch durch mannigfache mißliche Verhältnisse, besonders die pecuniären, manchmal aller Muth geraubt werde, doch mit aller Kraft dies Ziel erstrebe, denn: „Der Lohn der guten Thal ist die gute That selbst." Mit diesem Talmudworte schloß der mit vielem Fleiße und echter Begeisterung ausgearbeitete Vortrag, für den der Vorsitzende dem Vortragenden den Dank der Versammlung aussprach, woraus Herr Katz-Neutershausen sein Correferat verlas. In der Hauptsache decken sich oie Ausführungen der beiden Herren; jedoch tritt Correferat manchen einseitigen Ansichten und zu weit gehenden Forderungen des Referenten entgegen. Insbesondere will er weder den Borwurf des Jndifferentismus noch des kalten Formenwesens in Bezug auf unsere hessischen Gemeinden gelten lassen, und erblickt er den Grund zu dieser erfreulichen Wahrnehmung in dem Umstande, daß wir israelitische Elementarschulen haben und religiöse und weltliche Ausbildung dadurch eine harmonische ist. Im Gegensatz zu neuerdings mehrfach hervorgetretenen Bestrebungen, die israelitischen Elementarschulen durch Religionsschulen zu ersetzen, hält es Correferent für eine religiöse und pädagogische Pflicht, die allgemeine Einführung israelitischer Elementarschulen anzustreben. Während j Herr Perlstein mehr der docirenden Lehrweise das Wort redet, empfiehlt Herr Katz gerade für den Religionsunterricht die katechetische Lehrform. Zu Schulgebeten schlägt er geeignete Stücke aus dem Gebetbuche vor. Für die kurzgefaßten, treffenden und von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen stattet ihm der Vorsitzende verbindlichen Dank ab. f Die Debatte, die sich an die Vorträge schloß, wurM' besonders durch das Eingreifen des Herrn Dr. Munk, welches viele Conferenzbesucher zur Betheiligung veranlaßte, sehr lebhaft. Der Gegenstand kam auch zu seiner Klärung, ohne daß gerade über Leitsätze abgestimmt wurde. Nach einer längeren Pause wurden die gestellten Anträge besprochen und zwar zuerst ein von dem mitunterzeichneten Amram begründeter Ausschuß-Antrag, nach welchem in Zukunft die Anträge zu den Jahresversammlungen und die Leitsätze zu den Vorträgen durch Umlaufschreiben zur Kenntniß der Mitglieder gebracht werden sollen, der säst einstimmig angenommen wurde. — Es folgte dann der von Herrn Neumark-Felsberg gestellte Antrag, den Ausschuß der Lehrerconferenz zu beauftragen, geeigneten Ortes vorstellig zu werden, daß der Vorsängerdienst besonders honorirt werde. Der Antrag wird im Einverständnisse mit dem Antragsteller dahin abgeändert, daß •— in Rücksicht auf ein die christl. Lehrer als Kirchendiener betreffendes Ministerial-Rescript — um eine Berücksichtigung der durch den Vorsängerdienst dem Lehrer entstehenden besonderen Arbeitslast bei Bemessung der Lehrergehäller zu petitioniren sei, mit welcher Abänderung der Antrag zur Annahme gelangte. Die Bestimmung des Ortes der nächsten Jahresversammlung bleibt dem Ausschuß Vorbehalten. Der Unterzeichnete Amram hat das Referat, Herr David-Jesberg das Correferat über: „Der ethische Inhalt der Gebete des Siddur" übernommen. — Bei der Ausschußwahl wurden die beiden Unterzeichneten Ausschußmitglieder ausgelost und durch Zettelwahl wieder gewählt. — Herr Dr. Stein schloß nun die Versammlung, für deren umsichtige Leitung ihm aus Anregung des Herrn Cornelius-Rotenburg ein „Hoch" ausgebracht wurde. Die Schriftführer: Am er am-Berken, Oppenheim-Treysa.