Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1889)
- Date
- 1889-08-22
- Page
- Seite 528 (sequence 4)
- Language
- German
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528 ihrer Besitz- und Heiligthümer, sowie des königlichen Hauses als wohlverdiente Strafe weissägt, hingegen in seinen späteren Reden nach der Zerstörung und in seinem Gesetzentwürfe über den Götzendienst schweigt. Der letzte Prophet im Exil aber, Jesaias II., setzt zwar jene Scheidung voraus, da seine Aufforderung zur Rückkehr sich zunächst doch nur an die T^tttgAreuen richten konnte, giebt aber die Hoffnung nicht auf, viele von den abfälligen Götzendienern herüberzuziehen. Deshalb ergießt er den Strom bitterer Ironie über diese Abtrünnigen und demonstrirt mit vielem Witze die Nichtigkeit der Götzenbilder, namentlich aus deren Anfertigung aus todtem Material, aus ihrer Unbehilflichkeit und ihrem schnellen Verderben. Wie sollen diese helfen können, da sie sich selbst zu helfen nicht vermögen?! Aber auch gegen Ende seiner Reden, also da die Rückkehr nahe bevorstand, richtete er an diejenigen, welche theils öffentlich den götzendienerischen Handlungen beiwohnten, theils in ihren Häusern Götzenbilder aufgestellt hatten, die dringende Aufforderung, zu Gott zurückzukehren (K. 57). Dagegen finden wir in den nachexilischen Propheten Haggai, Secharjah 1—8, Maleachi, die doch zur Buße und sittlichen Besserungen das Volk ermahnen, nichts vom Götzendienste. Es ist also klar, daß die nach Palästina Zurückgekehrten hinsichtlich der Gotteslehre treu und fest gesinnte Männer waren, so daß von dieser Zeit ab von einem Kampfe gegen das Heidenthum in Mitten des Volkes keine Rede mehr sein kann.1) Was brachten nun diese Männer hinsichtlich ihrer religiösen Verfassung aus dem Exil mit sich nach Palästina zurück? . . . Außer den genannten drei Propheten geben uns hierüber die Bücher Esra und Nehemia einigen Aufschluß. Esra beginnt sein Buch mit einem Geschlechtsverzeichniß und beide Autoren schalten solche bei Gelegenheit in ihre Bücher em. Es wird hiermit bezeugt, daß die Rückkehrenden auch Traditionen mit sich brachten. Dazu gehörte auch die Erinnerung an de» Opsercultus. Denn ihre erste Thätigkeit bestand darin, den Opferaltar wieder aufzurichten, die Priester und Leviten in ihr Amt wieder einzusetzen und die Opfer vorschriftsmäßig darzubringen. Hierbei wie auch weiterhin wurden Opfer „für die zwölf Stämme Israels" besonders dargebracht. Nicht minder wurde am 14. Tage des ersten Monats 7 Tage lang das Peßach, „das Fest der ungesäuerten Brode", von allen Familien der Zurückgekehrten gefeiert (Esra 6). Auch ging man alsbald an die Grundsteinlegung zum Tempel. Bei diesem Acte zeigte sich ein tiefes religiöses Gefühl im Volke, es brach theils in den lautesten Freudenjubel aus, i) Wenn wir hier noch vom „Volke Israel" sprechen, obschon der Stamm Juda die Reste der übrigen Stämme in sich ausgenommen hatte, so blieb doch die Bezeichnung „Bene Israel" und „Kol Israel" in der osficiellen Sprache vorherrschend und „Jude" und „jüdisch" wird im Talmud nicht häufig, im Gcbetbuche gar nicht gebraucht. theils seitens der Greise in Weinen und Jammern; sie gedachten wohl der Herrlichkeit des ersten Tempels und der Leidensgeschichte bei dessen Zerstörung. Keinem Zweifel kann es ferner unterliegen, daß sie die Thora aus dem Lande des Exils mit sich zurückbrachten, wie fast jede Seite der angeführten Schriften erweist. Allein ebenso gewiß ist es, daß das Volk keine Kenntniß von dem Inhalte der Thora hatte, die ihm erst später, namentlich durch Esra's und Nehemia's eifrige Bemühungen erschlossen und beigebracht wurde. Wie bekannt, wurde der Bau des Tempels durch die Verleumdungen der Feinde Israels bei dem Könige von Persien unterbrochen. Dadurch wurde der Sinn des Volkes lässig und als die Erlaubniß zum Fortbau gegeben worden, bedurfte es großer Anstrengungen, namentlich seitens der drei Propheten, um die nöthigen Materialien und Gelder zusammen zu bringen. Der Vorwurf, daß so viele in schönen Häusern wohnen und jeder für sein Bestes sorgte, während für den Gottesdienst keine Stätte bereitet sei und schwere Strafandrohung für solches Verhalten wird wiederholt erhoben. Die Meinung, daß es für den Gottesdienst an dem Altar, auf welchem die Opfer dargebracht wurden, genüge, mußte bekämpft werden, hierzu mußte man aber an eine Bescheidung der Priester appelliren, daß die Berührung des Heiligen nicht heilige, wohl aber die Berührung des Unreinen unrein mache, so daß der freistehende Altar der Entweihung frei stehe. Der Bau .des Tempels wurde vollendet. Aber das Volk zeigte sich wenig geneigt, die nöthigen Mittel zur Unterhaltung des Opferdienstes, der Priester und der Leviten zu beschaffen. Es geschah, daß man fehlervolles Vieh als Opferthiere heran brachte, was doch dem Gesetze äußerst zuwider lief, und wogegen wiederum der Prophet mit bitterer Klage seine Stimme erhob. Auch unterließ man es, die gesetzlichen Zehnten abzutragen, so daß die Priester und Leviten Jerusalem verließen, um im Lande ihren Unterhalt zu suchen. Daß in letzterer Beziehung der Prophet keinen großen oder doch keinen dauernden Erfolg gehabt, ersieht man daraus, daß Nehemia wiederum dagegen eifern mußte und als Landpfleger seine Macht dafür einzusetzen hatte. Dieser Zustand der Unkenntniß des Gesetzes und der geringen Befolgung desselben setzte sich bis zu dem Eintreffen Esra's und Nehemia's fort. Aus der Thätigkeit dieser beiden Männer, wie sie uns in den beiden Büchern geschildert wird, erfahren wir, daß auch in sehr wesentlichen Institutionen eine völlige Verwilderung bestand. Das Sabbathgesetz wurde gar nicht beobachtet, und in Jerusalem selbst fand am Sabbath Verkehr und Handel, der eigentliche Wochenmarkt statt und im Lande wurden die ländlichen Arbeite» am Sabbath fortgesetzt. Nehemia mußte polizeiliche Maßregeln treffen, um dies zu verhindern. Ein zweites Moment gab die häufige Verheirathung zwischen dem jüdischen Volke