Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1889)
- Date
- 1889-08-15
- Page
- Seite 522 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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522 den Beweis, wie das Interesse an den Conferenzen in den Lehrerkreisen mit jedem Jahre wächst. Es hatten sich 80 College», darunter 3 aus benachbarten Provinzen, eingefunden. Der langjährige Leiter und Vorsitzende des Vereins und der Pensionskasse, der nun emeritirte Lehrer und Prediger Blaumenau - Bielefeld, eröffnete die erste Sitzung am 9. Juni, 3 Uhr Nachmittags, und sprach seine Freude aus über die zahlreiche Versammlung, besonders aber über den überaus herzliche» Empfang, der der Conferenz in Dortmund, nachdem sie erst vor 7 Jahren bott getagt, von Neuem zu theil geworden. Dortmund habe von jeher allen westfälischen Gemeinden voran in jeder Weise seinen eigenen Lehrern sowohl, wie überhaupt dem gesammten Lehrerstande, sein Wohlwollen und sein Interesse bethätigt. Die freudige Ausnahme in diesem Jahre liefere den schönsten Beweis für die angeführte Behauptung. Namens der Gemeindevertretung und des Vergnügungseomitss hieß Herr Freund die Versammlung in herzlichen, vielfach mit köstlichem Humor untermischten Worten willkommen, machte weiter der Versammlung davon Mittheilung, daß die Gemeindevertretung, um der Freude über unser Erscheinen schwachen Ausdruck zu geben, der Pensionskasse den Betrag von 150 Mark zugewiesen habe. I. Jahresbericht. — Es gelangt zunächst ein Schreiben des D. I. G. B. zur Verlesung, betreffend Jnspection des Religionsunterrichts und im Anschluß hieran eine zwischen dem Vorsitzenden und einem College» — Name wurde nicht genannt — über diesen Gegenstand gepflogene Correspondenz. Die Versammlung spricht sich, wie auch in früheren Jahren geschehen, im Princip für die Jnspection in der vomD. I. G. B. angeregten Weise aus. — Der Bericht über die Pensionskasse ist nach zwei Seiten hin ein erfreulicher; einerseits sind der Kasse eine stattliche Reihe von Collegen neu beigetreten, andererseits übersteigen die freiwilligen Beiträge in diesem Jahre die vorjährigen bis zum gleichen Zeitpunkte schon um 500 Mark. Ein genaues Bild läßt sich jetzt nicht geben. Das Vermögen des Vereins beträgt nach dem Courswerth etwa 68,220 Mark. — Die Herren Jakob Lippmann in Aachen und Moritz Beer in Essen, welche der Kasse namhafte Summen zugewandt, werden zu Ehrenmitgledern ernannt. — II. Punkt der Tagesordnung, Statutenänderung nach einem vom Vorstande vorgelegten Entwürfe, gab zu einer sehr erregten Debatte, die den Rest des ersten Sitzungstages vollauf ausfüllte, Veranlassung. Einzelne Paragraphen erfuhren eine mehr oder weniger einschneidende Veränderung; doch wurde die endgültige Beschlußfassung über dieselbe für die nächstjährige Conferenz Vorbehalten. — II. Sitzungstag, 10. Juni. Morgens 8>/r Uhr wurde der 2. Sitzungstag eröffnet mit dem Bortrage des Collegen Mandel-Linz über das Thema: „Wie ist es möglich, in einer einklassigen jüdischen Schule alle Abtheilungen gleichzeitig mündlich und schriftlich zweckentspreckend zu beschäftigen." Die ausführliche und gediegene Arbeit wurde von der Versammlung mit vielem Beifall ausgenommen, eine Discussion über dieselbe aber nicht beliebt. — Da der Referent in seinem Bortrage sämmtliche Unterrichtszweige bespricht, so würde unseres Erachtens ein kurzer Auszug aus der fleißigen Arbeit dieselbe nur in ihrem Gesammteindruck beeinträchtigen. Gewiß stimme» viele Collegen mit uns in dem Wunsche überein, den Vortrag recht bald in einer der jüdischen Zeitschriften veröffentlicht zu sehen. Zu Punkt IV der Tagesordnung lag eine von mehreren Collegen unterstützte Resolution vor. Die Resolution fand keine Annahme, die Versammlung hielt es vielmehr für eine Ehrenpflicht, dem in der „Israel. Wochenschrift" wegen seines vorjährigen Vortrages heftig angegriffenen Collegen Coblenz das Wort zu ertheilen. College Coblenz suchte aus mehreren Nummern genannten Blattes zu erweisen, daß die Stellung desselben den Lehrern gegenüber eine feindliche sei, welche Behauptung noch von einzelnen Collegen durch angeführte Beispiele erhärtet wurde; jedoch fehlte es auch nicht an Stimmen, die sich zu Gunsten der Wochenschrift aussprachen. Nach langer und heißer Debatte wurde mit 38 gegen 28 Stimmen nachstehende Resolution angenommen: „Die zu Dortmund tagende Conferenz israel. Lehrer Rheinlands und Westfalens spricht ihre entschiedene Mißbilligung in Bezug auf die Stellung der „Israel. Wochenschrift" gegenüber den jüdischen Lehrern aus und empfiehlt den letzteren, die „Israel. Wochenschrift" wegen ihrer ausgesprochenen lehrerfeindlichen Stellung so lange nicht zu lesen oder zu unterstützen, bis sie ihre ungerechtfertigten Angriffe gegen den Lehrerstand unterläßt." — Eine herzliche Erquickung nach den vorangegangenen heißen Scenen brachte Punkt V der Tagesordnung, das Referat des Collegen Cohen-Rees über „Schulbibliotheken". Die bekannte Belesenheit und Tüchtigkeit des geschätzten Referenten ließ nichts anderes, als etwas Gutes, ja Treffliches erwarten. — Herr Cohen unterzog sich seiner Aufgabe mit seltenem Sammclfleiße. Aus den Vorarbeiten auf diesem Gebiete hob der geehrte Referent hervor, daß sich die Herren Rabbiner vvr. Treitel-Karlsruhe, Münz-Gleiwitz und Bamberger-Königsberg bereits mit dieser Materie befaßt habe», woraus zur Genüge hervorgeht, „daß die Wichtigkeit der Schulbibliotheken nicht nur in unserm engen Kreise, sondern auch in weiteren und nicht nur von Lehrern, sondern auch