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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-15 · Heft 33 (15.8.1889) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 33 (15.8.1889)
Date
1889-08-15
Page
Seite 523 (sequence 15)
Language
German
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623 von Rabbinern anerkannt ift".1 2) Herr Vr. Treitel empfiehlt in Rahmers Literaturblatt, Jahrgang 1887, No. 15 und 17, nur 4 Autoren mit 5 Schriften als zur Aufnahme in Jugendbibliolheken (!) geeignet. Herr vr. Münz nennt in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" Jahrgang 1889, No. 2 und 6 nach der von ihm angelegten Bibliothek 46 Autoren mit 66 Werken, Herr Dr. Bamberger in einer besonderen Broschüre „die Bibliothek unserer Religionsschule" sogar 90 Autoren mit 127 Werken ohne die Zeitschriften, Kalender, Jahrbücher und Werke nichtjüdischer Autoren. Cohen-Rees hat die Vorarbeiten der gewiß berufenen Autoren weit überholt und nennt 170 Autoren mit 296 Werken, welche mehr als 400 Bände umfassen, als zur Aufnahme in jüdische Schul- resp. Jugendbibliotheken geeignet. Das ist eine achtunggebietende Zahl 2) und das deutsche Judenthum kann stolz darauf sein, daß es über solch einen Vorrath an geistigen Nahrungsmitteln zu verfügen hat. Darum ist die oft laut werdende Klage, „es fehle uns Juden an kräftiger und leicht verdaulicher Geistesnahrung, die, eigenem Boden entsprossen, den Geist unserer Jugend anzuregen, ihr Herz zu veredeln, ihren Willen zu lenken, ihr Wissen zu mehren, ihre Mußestunden fruchtbringend, erheiternd auszufüllen geeignet erscheinen könnte," nicht berechtigt. „Auf unserem eigenen Boden ist neben den besseren klassischen Schriften vorurtheilsloser deutscher Geistesheroen des Guten genug gewachsen. Wir haben nicht nöthig, den Vorwurf des Propheten auf uns zu beziehen, „daß unsere Geistesnahrung nur fremden Ursprungs sei." Sache des Lehrers, resp. Schulleiters ist es nun, aus der Fülle des Vorhandenen das herauszusuchen, was seiner Schule und der geistigen Befähigung seiner Schüler entspricht, und die Gemeinden zur Errichtung solcher Bibliotheken anzuregen. Die Mühe des Lehrers wird tausendfach gelohnt durch den Segen, den ihm eine „gut eingerichtete und mit Verständniß geleitete Schul- und Jugendbibliothek" trägt. Referent unterscheidet nun dem Zwecke solcher Bibliotheken entsprechend 8 Gruppen, nach welchen er seine Zusammenstellung geordnet: 1. Unterhaltungslitteratur. 2. belehrende Litteratur und 3. Erbauungslitteratur für Freud und Leid. Hieran schließt sich 4. die Litteratur der Zeitschriften, Kalender und Jahrbücher, die die 3 genannten Gruppen in sich vereinigt. — Eine scharfe und abschließende Grenze konnte selbstverständlich bei dieser Eintheilung nicht innegehalten werden, da kein Litteraturerzeugniß genau genommen nur einem Zwecke dient. Nur der vorherrschende Charakter einer 1) Außer diesen Herren haben doch auch andere gewichtige Stimmen sich in dieser Zeitung über die Anlegung von Bibliotheken vernehmen lassen. (Redakt.) 2) Nach der Zusammenstellung von Büchertiteln beginnt die schwierigere Aufgabe der richtigen Auswahl, wozu Urtheil, Takt und Vorsicht nöthig sind. (Redakt.) Schrift war für den Referenten bestimmend, ihr einen Platz in einer der genannten Rubriken anzuweisen. — Daß der Referent auch die besseren Werke unserer deutschen Klassiker, sowie die beliebtesten Volksschriften, nicht ausschließt, ist bereits gesagt. Eine Auswahl solcher Schriften erheischt jedoch große Sachkenntniß und noch größere Vorsicht. — Es sei an dieser Stelle auf die Broschüre des Herrn vi. Bamberger-Königsberg hingewiesen, der in dem derselben beigegebenen Verzeichniß eine Anzahl solcher Schriften nennt?) Referent hat den lobenswerthen Grundsatz befolgt, sich über jeden religiösen Parteistandpunkt zu stellen. Seine Zusammenstellung ist rein objektiv und hat weder mit der Orthodoxie noch mit der Reform etwas zu schaffen. Er schließt: „Es muß diese Zusammenstellung einem wohl-assortirten Waarenlager gleichen, in welchem nicht nur der Reiche mit kostbaren Sammet- und Seidenstoffen, sondern auch der Arme mit halb- und baumwollenen Stoffen versorgt werden kann; oder wenn Sie lieber wollen, einer Apotheke, in welcher nicht nur lebenerweckende und lebenerregende, sondern auch einschläfernde Medikamente sich finden. Es ist aber von allen angeführten Schriften keine so gehalten, daß sie nicht auch eine gewisse, wenn auch nur geringe Dosis unterhaltenden, belehrenden oder erbauenden Stoffes enthalten sollte . . . mein Wunsch ist nur der, daß ein gütiges Geschick die Wahl des Lehrers auf das Beste lenken möge. Eine Kritik an den einzelnen Schriften zu üben, war nicht meine Aufgabe; nur aus diesem Grunde beschränke ich mich ausschließlich darauf, die mir am meisten und für die verschiedensten religiösen Richtungen am geeignetsten scheinenden Werke nach ihren Titeln in alphabetischer Ordnung nach dem Namen der Verfasser aufzuführen. Sehe jeder, wie er's treibe; Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle!" Stürmischer Beifall folgte den interessantesten Ausführungen des Referenten, und wir können nicht umhin, den uns vielfach ausgesprochenen Wunsch, das Verzeichniß durch den Druck vervielfältigt zu sehen, an dieser Stelle zu wiederholen. Punkt VI. der Tagesordnung, die „freien Besprechungen", mußten der vorgerückten Zeit wegen ausfallen. Auf die Tagesordnung der nächsten Conferenz wurde gestellt: eine Probelektion in Biblischer Geschichte, zu halten von dem Collegen, an dessen Platze, die Conferenz stattfindet, und ein Vortrag des Collegen Spier-Bocholt über: „Die gesetzliche Stellung der jüd. Schule in Preußen, besonders in Rheinland und Westphalen." 3) Es wäre höchst angemessen, wenn in der nächsten Lehrerconferenz ein Bericht gegeben würde, an welchen Orten die Lehrer die Errichtung einer Schulbibliothek beantragt und durchgesetzt haben. Denn hier besonders gilt der alte Spruch, nicht das Wort, sondern | die %t)at ist die Hauptsache. (Redakt.)

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