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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-15 · Heft 33 (15.8.1889) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 33 (15.8.1889)
Date
1889-08-15
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 meinde niedergeschlagen wurde, in Aufregung und Schrecken. Der Kaiser, dem dieser Rabbi als Lästerer des Christenglaubens denunzirt worden war, schöpfte Argwohn und faßte deshalb die „gottselige Intention", die Missionspredigt unter den Juden einzuführen. Wie in Prag, so wurden sie nun auch in Wien gezwungen, jeden Sabbath eine solche Predigt anzuhören, in Wien 160 Personen beiderlei Geschlechts, und ward hierzu der lange Gang des eben neu erbauten Klosters der Barmherzigen bestimmt. Doch diese wohlgemeinte Einrichtung, zu der Bischof Khlesl den Anstoß gegeben, hatte nicht den gewünschten Erfolg. Vielmehr nahm der religiöse Sinn in der Gemeinde immer mehr zu, in ihrer Mitte lebten Männer, die Bildung mit dem Studium der Religions-Literatur verbanden, Aerzte wie vr. Elia Chalfan, vr. Leo Lucerna, der Doctor dreier Facultäten und zugleich Rabbiner war, später vr. Winkler und Andere. Auch materiell hob sich der Wohlstand der jungen Gemeinde, neue Handelsverbindungen mit dem Auslande nach Krakau, Venedig wurden angeknüpft, Bethäuser und Schulen wurden errichtet. Dafür hatten sie aber auch schwer an den Steuerlasten zu trogen, 10,000 fl. waren jährlich an die Hofkammer zu entrichten, von Zufristung konnte unter der Geißel des 30jährigen Krieges und der Wallenstein'schen Heere keine Rede sein — da bedurfte es der Zwangsmittel gegen säumige Zahler und wirklich verlieh ihnen Ferdinand II. eine eigene Gerichtsbarkeit gegen solche und das Recht — einen Kerker zu halten. Im Jahre 1637 starb der Kaiser, den sein glaubenseinheitliches Regiment nicht gehindert hatte, der Neubegründer der jüdischen Gemeinde Wiens zu werden. Wie wird sich der neue Herrscher gegen sie stellen? Schon hoffte die Bürgerschaft an einer fröhlichen Judenaustreibung sich zu erquicken — allein die klugen Ansassen des unteren Wörth beeilten sich, die Stadt durch neue Opfer milder zu stimmen. Sie verlangten die rechtliche Anerkennung ihres Eigenthums, ein ordentliches Grundbuch für ihre Häuser, dafür boten sie 6000 fl. in Landschafts-Obligationen. Vergebens! Schon am 15. April 1637 richtet der Magistrat an den Kaiser ein Gesuch um „Bandisirung der Juden aus dem ganzen Lande", sie, die bereits „imaginiren, ihr Reich in Wien wieder aufzurichten". Doch der Kaiser war nicht gewillt, dieser Verlockung folgend, „solch unsterbliches Lob und gedechtnuss" sich zu sichern — jedoch wie steter Tropfen den Stein höhlt, so fielen auch diese fortgesetzten Querelen hie und da auf fruchtbaren Boden und wucherten als giftige Schädlinge im Herzen des Herrschers empor: die Gnade des Kaisers war nun öfter von tiefem Gewölke umdüstert. So wurden die Juden 1637 vor das Forum des Stadtgerichtes gewiesen, das ist so viel als geliefert, und erst auf das Betreiben des Hofmarschalls lvieder dem seinigeu unterstellt. Die Hinrichtung eines compromittirten Schurken Namens Engelberger, der mit zwei jüdischen Spießgesellen Kleinodien aus der Schatzkammer entwendet hatte und aus Rache gegen seine Richter vor dem Tode die heilige Hostie schändete, wäre beinahe Anlaß ernster Ausschreitungen gegen die Juden geworden und nur die Hinrichtung der Thäter sühnte das empörte religiöse Gefühl. Es waren schwere Zeiten über Oesterreich gekommen, die Schweden lagerten vor Wien, Contributionen und Abgaben stiegen ins Unerschwingliche — den Juden ward ein vollgerüttelt Maß, eine außerordentliche Kriegssteuer von 160,000 Gulden auferlegt. In solchen Nöthen ließ sich der Kaiser herbei, den Juden ihre Schutzbriefe neuerdings zu bestätigen (12. Jänner 1645), nur auf Pfänder sollten sie nicht mehr leihen dürfen, wiewohl sie meinten, gerade damit armen Handwerksleuten nützlich fortzuhelfen. Wiewohl hiezu nun noch im Jahre 1646 eine besondere kaiserliche Satzung für die jüdische Richter- und Aemterwahl hinzukam — das Gefühl der Sicherheit war geschwunden, man fühlte, daß man nur gehalten werde, um fleißig geschoren zu werden, j Der Magistrat geb erdete sich als die Obrigkeit und zumal j als der westphälische Frieden durch riesige Contributionen („Friedensgelder") erkauft wurde, da war des Schützens kein! Maß. Obgleich die Juden zur Auflage der Stadt Wien! 10,000 Gulden bereits gesteuert hatten, wurden gleich darauf weitere 3000 Gulden verlangt und als das Geld nicht ■ gleich da war, zur Execution geschritten, die jüdischen Ge-! wölbe gesperrt, sodann die Häuser der Vorsteher und selbst! die Synagoge. Der kaiserlichen Entscheidung dieser neuen Händel, die i sich principiell auf Seite des Magistrats stellte, hatte ein! Studentenauflauf im Judenquartier vorgegriffen, dessen! Folge eine Militärwache von 300 Mann, also eine neue! Last war. Während im Innern der Gemeinde in der Person des; bei Hofe hochmögenden Vorstehers Hirschl Meyer ein Gei ivalthaber erstanden war, dessen Parteilichkeit die Härte des! Steuerdruckes doppelt schwer empfinden ließ, wurde der äußere Friede durch ein blutiges Ereigniß gestört, dessen Folgen! noch nach Jahren fühlbar wurden. Am 5. März 1651 wurde eine Jüdin, Eleonore, in der Nähe der Aufzugbrücke beim rothen Thurm von einem Reiter erschossen. Ein hoher Preis wurde aus die Entdeckung des Mörders gesetzt, man bezichtigte die Juden dieses Mordes, obwohl es eine Glaubensgenossin war, und Hirschl Meyer hatte in der Thal angesehene Männer der Gemeinde, denen er sich entledigen wollte, der Mitwisserschaft bezichtigt. Es wurde gehetzt und geschürt, des Kaisers Unwille war rege, eine besondere Inquisitions-Commission eingesetzt, die Bücher und Schriften der Gemeinde prüfen und zugleich die Beschwerden gegen

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