Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1889)
- Date
- 1889-08-08
- Page
- Seite 506 (sequence 14)
- Language
- German
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506 geehrt, so daß man von ihm wohl sagen kann: Er hinterläßt keinen Feind. Von ihm gilt das Dichterwort: „Und hinter ihm in wesenlosem Scheine lag, was uns alle bändigt, das Gemeine." Möge darum sein Andenken fortleben in der Weise, daß wir in seinem Sinne unter dem alten Banner, das er stets muthig vorausgetragen hat, weiterbauen! Herr Rechtsanwalt Herm. Beckh überreichte einen Kranz Namens des Lokalausschusses der Freisinnigen Partei. Ein treuer Mitkämpfer, sagte er, hat ausgekämpft; es bedarf zwar nicht vieler Worte mehr, um die Verdienste dieses Mannes zu schildern; aber das muß noch ausgesprochen werden, was ec auch uns war. So, wie es früher auf deutschen Reichstagen geheißen hat: Ist kein Talberg da? so hieß es stets bei uns: Ist Frankenburger nicht da? Er folgte aber auch stets dem Rufe der Partei, wenn cs galt, in die Arena zu treten. Mit seiner schon gerühmten Milde verband er unerschütterliche Prinzipientreue, so daß auf ihn so recht das Dichterwort paßte: Wo Starkes sich mit Mildem paarte, da giebt es einen guten Klang! Er hatte nicht den geringsten Hang zum Opportunismus, zur Gelegenheitspolitik; ein Abweichen von dem einmal für richtig Befundenen gab es bei ihm nicht. Darum haben wir ganz besonderen Anlaß, seinen zu frühen Hingang zu bedauern; seines Beirathes und seiner Einsicht wären wir noch lange benöthigt gewesen. Er hat Jahrzehnte hindurch gekämpft für wahre Volksfreiheit, und darum wird er auch nach dem Tode bei uns leben und nie aus unserem Gedächtnisse entschwinden, vielmehr uns allezeit als Vorbild dienen. Herr Magistratsrath Vollrath widmete einen Kranz Namens des Vereins Freisinn, indem er dem Tobten herzlichen Dank abstattete für das große Interesse, das er an der erfreulichen Entwicklung des Vereins genommen, und für die nachhaltige Förderung, die er demselben zu Theil werden ließ. Herr Landtagsabgeordneter Böhm von Altdorf legte Namens des Lokalausschusses der Freis. Partei in Altdorf einen Kranz nieder und Hr. Pfarrer Kraußold einen solchen im Auftrag der politischen Gesinnungsgenossen in Bayreuth. Herr Rechtsanwalt vr. Stern aus Würzburg brachte Namens der Würzburger und unterfränkischen Gesinnungsgenossen einen Kranz, während Herr Rechtspraktikant Gottfried Schmitt (Sohn des Hrn. Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. v. Schmitt) Namens der Studentenverbindung Germania in Würzburg dem treuen Philister und Berather den letzten Gruß widmete. Herr Kommerzienrath Kugler sprach Namens des Berwaltungsrathes des Bayerischen Gewerbemuseums dem verstorbenen sachkundigen, begeisterten Vertreter und Berather warme Abschiedsworte unter Niederlegung eines Kranzes. Herr Medizinalrath vr. Merkel gedachte des gesegneten Wirkens des Verlebten als Mitglied der Kommission für Ferien- - kolonieen und spendete ebenfalls einen Kranz, deßgleichen > Herr Bezirkshauptlehrer Kraft, der die Verdienste Franken- - burgers um den zeitgemäßen Ausbau der Volksschule und r uni die soziale Besserstellung des Lehrerstandes rühmend her- > vorhob. Herr Schulinspektor Emanuel Meyer sprach Na-! mens des Volksbildungsvereins, indem er besonders hervor- S hob, wie der Entschlafene an allen Bestrebungen, die auf i gründlichere Volksausbildnng abzielten, hervorragenden An- : theil nahm. Herr Fabrikant Thäter legte Namens des Bürger- - Vereins, dessen I. Vorstand und späteres Ehrenmitglied i Frankenburger war, ebenfalls mit geeigneten Worten einen - Kranz nieder.! Die Reihe der Redner schloß Herr Magistratsrath Bar- ) beck, der als I. Vorstand des Arbeitervereins für Nürnberg i und Umgebung einen Kranz überbrachte mit folgenden Wor- - ten: Was bedeuten diese Spenden von der an, gesandt von i dem Manne, der Bayerns helles Wappenschild durch Kraft l und Weisheit allezeit blank erhält, bis zu der Spende, die l dankbare Arbeiter senden? Eine Anerkennung eines Lebens ■ voll Berufstreue für Familie, Stadt und Staat! Möge des : Beispiels zwingende Gewalt sich auch hier bewahrheiten, möge sie wirken, daß uns solche Arbeiter nicht aussterben! Gebet des Geistlichen schloß die Feier — eine Schaufel Erde, das war der letzte Scheidegruß, den Freundeshand dem in das „kühle Grab" gebetteten Freunde und Mitstreiter geben konnte. Wie wir hören, wird der Verein Freisinn am kommenden Freitag Abend für seine Mitglieder und deren Familienangehörige, sowie für alle Verehrer des Verstorbenen eine Festfeier zum Gedächtnisse Frankenburgers im großen Rosenausaale abhalten, bestehend aus Gesang und Gedächtnißrede. Zum Andenken Frankenburgers schreibt eine anscheinend den parlamentarischen Kreisen angehörige Feder aus München in der Augsb. Abendztg. Folgendes: „Seit v. Schlörs Tod und v. Hörmanns Austritt hat die Kammer der Abgeordneten, hat die liberale Fraktion dortselbst keine so bedeutende Arbeits- und rednerische Kraft verloren als jetzt durch Or. Wolf Frankenburgers zeitlichen Hintritt. Frankenburger wurde in dem „heißen" Wahlkampfjahre 1869 in die Kammer gewählt; er gehörte mit zu jener, jetzt immer weniger werdenden Anzahl Abgeordneten, welche die Julitage 1870 und die Januartage 1871 — Ausbruch des Krieges und Berathung über Versailler Verträge — nicht allein in der Prannerstraße mit durchmachten, sondern auch mit durchkämpften. Durch lange Finanzperioden hatte Frankenburger den Militäretat zur Behandlung. Hier schuf er sich ein bleibendes Verdienst, denn nur die rednerische und juristische Begabung eines Frankenburger brachte es zu Wege, daß die Kriegsverwaltung schließlich einwilligte, daß die sogen, „eigenen